Vorausgeschaut:Basisarbeit für mehr Klimaschutz

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Vorausgeschaut: Annika Gehrmann und Michael Kusterer aus Neubiberg sind EU-Klimapakt-Botschafter.

Annika Gehrmann und Michael Kusterer aus Neubiberg sind EU-Klimapakt-Botschafter.

(Foto: Claus Schunk)

Annika Gehrmann und Michael Kusterer aus Neubiberg loten im Auftrag der EU aus, was jeder gegen die Erderwärmung zu tun bereit sind. Am 24. Februar wird online über Mobilität diskutiert.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Wenn die Basis nicht mitzieht, kommt man nicht allzu weit. Das wissen Politiker nur allzu gut. Daher hat die Europäische Kommission 2020 den Klimapakt ins Leben gerufen. Er ist eine EU-weite Initiative, in deren Rahmen sich Menschen, Gemeinschaften und Organisationen am Klimaschutz und am Aufbau eines grüneren Europas beteiligen können. Denn mit dem Green Deal hat sich die EU Großes vorgenommen: Bis 2050 will sie die Netto-Treibhausgasemissionen auf null reduzieren und als erster Kontinent klimaneutral werden. In einem ersten Schritt soll der CO₂-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert werden. All das kann nur gelingen, wenn möglichst viele Menschen mitmachen. Die EU hat daher die Möglichkeit ins Leben gerufen, sich als Klimapakt-Botschafter zu engagieren.

Annika Gehrmann und Michael Kusterer, ein Ehepaar aus Neubiberg, gehören zu den derzeit etwa 700 Menschen insgesamt und 60 in Deutschland, die sich dafür entschieden haben. Unter anderem in so genannten "Peer Parliamants", Diskussionsrunden auf Augenhöhe, tragen sie die Klimaschutz-Idee weiter. Die nächste steht am 24. Februar an.

Beide sind überzeugt: Für einen echten Wandel braucht es eine höhere Ebene. "Für mich war wichtig, dass die EU einen sehr großen Hebel hat, etwas in Richtung Klimaneutralität zu bewegen", sagt Gehrmann. Ihr gefällt die Idee der Klimapakt-Botschafter. "Je mehr wir es schaffen, mit den Menschen zu reden, desto mehr werden mitmachen", sagt die 48-Jährige. Michael Kusterer sieht auch deshalb die EU als wichtigen Player, weil es aus seiner Sicht nicht zu einem Wettbewerb zwischen den Ländern kommen darf, wenn etwa ein Land die CO₂-Steuer stark erhöht und Firmen dann in ein anderes abwandern. So etwas könne die EU unter anderem über den Zertifikate-Handel regulieren.

Am "Peer Parliament" kann im Grunde jeder teilnehmen

Um also die Klimaschutz-Idee weiterzutragen und auch über angedachte Maßnahmen der EU zu sprechen, können die Klimapakt-Botschafter zu eineinhalbstündigen Peer Parliaments einladen. Drei solcher Diskussionen zu den Themen Energie, Mobilität und Konsum haben die Neubiberger bereits veranstaltet. Jetzt legen sie noch einmal nach. Am 24. Februar um 19.30 Uhr geht es um Mobilität, am 7. März um 19.30 Uhr um Konsum, beides online. Die Teilnehmerzahl ist jeweils begrenzt (Anmeldung: annikag-Eu-climate-pact@protonmail.com). Dabei kann grundsätzlich jeder teilnehmen, vor der Gesprächsrunde erhält man Informationsmaterial zum jeweiligen Thema. In den bisherigen Runden seien genauso überzeugte Klimaschützer dabei gewesen wie Menschen, die den angedachten Veränderungen auch kritisch gegenüberstehen, wie Gehrmann erzählt. Beim Thema Mobilität ging es dann etwa um die Frage, unter welchen Umständen man bei einer Kurzstrecke bereit ist, das Auto stehen zu lassen.

Es gab verschiedene Antwortoptionen, etwa wenn die Radwege ausgebaut würden oder es mehr Ladestationen gäbe. "Es wird abgestimmt und wir melden das an die EU zurück", sagt Gehrmann. Die Ergebnisse aus den Peer Parliaments sollen in die Konferenz über die Zukunft Europas einfließen. Wie die Diskussionen bisher liefen, ist das Ehepaar recht zufrieden. "Es war sehr spannend und konstruktiv", sagt die Juristin. Bekehrt worden ist wohl keiner. Einen "Perspektivwechsel" und eine "andere Offenheit" gegenüber dem Thema habe es bei dem einen oder anderen aber möglicherweise schon gegeben, sagt Kusterer.

Sicher ein kleiner Erfolg für die beiden, die sich schon seit vielen Jahren im Klimaschutz engagieren. Der Softwareentwickler organisierte schon Mitte der 1990er Jahre Demonstrationen. Er und auch seine Frau sind bei "Parents for Future" aktiv, ebenso bei der Neubiberger Initiative "Klimaneutral 2035", die Gehrmann mit gegründet hat. "Es ist natürlich auch wichtig, sich auf lokaler Ebene zu engagieren und dazu beizutragen, dass Kommunen klimaneutral werden", sagt sie. Privat lebt das Paar mit seinen beiden Kindern umweltbewusst. Die Familie fährt wenig mit dem Auto, verbraucht wenig Strom. Die Werte liegen laut Kusterer etwa bei der Hälfte der Deutschen im Schnitt. Doch nutze man einen CO₂-Rechner, buche allein dafür, dass man in Deutschland lebt, eine Pauschale drauf.

"Man sieht, ich kann in Deutschland eigentlich nicht auf Null kommen", sagt der 52-Jährige. Da sehe man, wie wichtig die Politik sei. Und dass es darum gehe, wie sich die Gesellschaft organisiere, fügt seine Frau an. Deshalb werden sich die beiden auch in Zukunft auf verschiedenen Ebenen weiter für den Klimaschutz einsetzen. Eine große Demonstration mit verschiedenen Organisationen ist laut Kusterer in Planung.

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