Neubiberg Es weihnachtet noch

Lasha Gvalia, Student der Bundeswehruniversität Neubiberg, feiert diesen Sonntag bei seiner Familie in Georgien den Heiligen Abend.

(Foto: Bundeswehruniversität)

Orthodoxe im Landkreis feiern Christi Geburt erst jetzt

Helena Ott, Neubiberg

Wenn in den Landkreisgemeinden an diesem Sonntag die Sternsinger klingeln, haben russisch-orthodoxe Christen die Feier von Jesu Geburt noch vor sich. Die Russin Ekaterina Skakovskaya aus Ismaning und der Georgier Lasha Gvalia, der an der Bundeswehruniversität in Neubiberg studiert, sind beide russisch-orthodox. In ihren Familien brennen erst am 6. Januar die Kerzen und es werden Weihnachtslieder gesungen. Über die Semesterferien ist Gvalia in seine Heimat geflogen. Zum Weihnachtsfest am Sonntag versammeln sich dort Familien und Freunde zu einem großen Festessen vor einem geschmückten Nussbaumzweig. Der sogenannte Tischmeister begleitet das gemeinsam Essen mit traditionellen Sprüchen.

Lasha Gvalia, Student der Bundeswehruniversität Neubiberg, feiert diesen Sonntag bei seiner Familie in Georgien den Heiligen Abend.

(Foto: Bundeswehruniversität)

Russisch-orthodoxe Gläubige leben statt nach dem in Europa mehrheitlich verbreiteten gregorianischen Kalender nach dem älteren julianischen Kalender. In diesem fällt Christi Geburt auf den 6. Januar. Für die Familie von Skakovskaya bedeutet das, zu Weihnachten ausharren. Während in den Nachbarwohnungen die Christbaumkerzen leuchten und Geschenke ausgepackt werden, begeht man in ihrer Kirche gerade eine vierzigtägige Fastenzeit, die Körper und Geist auf das hohe religiöse Fest vorbereiten soll.

1100 Russen

leben im Landkreis München. Unter ihnen ist der orthodoxe Glaube ebenso verbreitet wie unter Serben und Rumänen. Von diesen leben und arbeiten 1300 beziehungsweise 4200 im Münchner Landkreis. Zusammen mit den ebenfalls überwiegend orthodoxen Griechen stellen sie 2,5 Prozent der gesamten Bevölkerung im Landkreis.

Erst seit dem Zerfall der Sowjetunion vor knapp 30 Jahren dürfen die Menschen der ehemaligen UdSSR überhaupt wieder Weihnachten feiern. Nach der Oktoberrevolution von 1917 verboten die Bolschewisten den religiösen Weihnachtsbrauch. Das Christkind oder der Weihnachtsmann wurden ersetzt durch Väterchen Frost. Am Silvesterabend, so erzählt man den Kindern, reitet er auf einer russischen Pferdetroika gemeinsam mit Schneeflöckchen Snegurotschka zu den Familien. Auch die Geschenke wurden somit zum Jahreswechsel verteilt. In Gvalias Familie werden an diesem Sonntag keine Geschenke ausgetauscht, die Georgier kennen diese Tradition nicht. Nur Kinder, die von Haus zu Haus ziehen und Weihnachtslieder singen, werden mit Süßigkeiten und Kleingeld beschenkt.

Anders als die russisch-orthodoxen Gläubigen feiern die griechisch-orthodoxen Gemeinden Weihnachten bereits am 24. Dezember, weil sie sich nach dem gregorianischen Kalender richten.

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