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Neubiberg:Ein Rattenschwanz an Problemen

Die Straßenarbeiten am S-Bahnhof in Neubiberg mussten unter erschwerten Bedingungen erledigt werden.

(Foto: Claus Schunk)

Die Arbeiten am Rathausplatz und der Freiherr-von-Stengel-Straße kosten die Gemeinde deutlich mehr als geplant. Grund ist vor allem die schwierige Koordination mit einem privaten Bauprojekt

Luftanhalten im Neubiberger Gemeinderat: Die Kosten für die Baumaßnahmen zur Ertüchtigung des Bahnhofsplatzes und der Freiherr-von-Stengel-Straße liegen eine Dreiviertelmillion Euro höher als geplant. Die Ursachen sind vielfältig, kleine Abweichungen von der ausgetüftelten Ablaufplanung zogen weitere nach sich. Das hat Konsequenzen.

Neue Wohn- und Bürogebäude sind entlang der S-Bahn-Schienen entstanden, am Bahnhofsplatz hat ein neuer Edeka-Markt eröffnet und über diesem residieren das Kulturamt, Teile des Bauamts und die Gemeindebibliothek in ihrem Interimsquartier während der Sanierung des Hauses für Weiterbildung. Die Neugestaltung des Bahnhofsbereichs kommt immer mehr zum Abschluss. Auch die Straßenarbeiten sind bis auf einzelne Restarbeiten so gut wie abgeschlossen. Doch zeigt die Kostenabrechnung, dass das Gesamtprojekt etwa 3,05 Millionen Euro kosten wird. Beim Projektbeschluss im Juli 2015 war von etwa 2,3 Millionen Euro die Rede.

"Eine Katastrophe" nannte das Reiner Höcherl von den Freien Wählern. "Anfängerfehler! Da haben wir gepennt auf der ganzen Linie", nahm Baureferent Michael Jäger (CSU) den Gemeinderat mit in die Pflicht. In dessen Sitzung erläuterte Bauamtsleiter Christian Einzmann am Montagabend die vielen Gründe für die Verteuerung um insgesamt etwa 750 000 Euro: "Es gab mal hier und mal dort Verzögerungen im Bauablauf, aus denen ein ganzer Rattenschwanz wurde." Gleichzeitig ein privates Bauprojekt und öffentlichen Straßenbau umzusetzen, habe zu Problemen geführt, die nicht abzusehen waren. "Als wir erkannten, dass wir ein anderes Konzept brauchen, steckten wir in Zielkonflikten", sagte Einzmann. Einer war, entweder bei Eröffnung des Edeka-Marktes alle Straßen und Zufahrten fertiggestellt zu haben oder die Kosten einzuhalten, aber am Bahnhofsplatz noch die Baustelle zu haben. Die Straßen wurden fertiggestellt.

Zu Kostensteigerungen habe auch die ungeplante Winterpause im Winter 2017 geführt, wegen der Material vorzuhalten und eine Verkehrssicherung erforderlich war (etwa 103 000 Euro). Oder die Rückbaumaßnahmen, damit der MVG-Bus während des Martini-Markts die Umleitung über die Freiherr-von-Stengel-Straße nehmen konnte. Höhere Personalkosten durch Verzögerungen im Bauablauf sowie zusätzliche, ursprünglich nicht vorgesehene Arbeiten sind weitere Ursachen.

Unerwartet bereitete auch Platzmangel auf der Baustelle Probleme. Immer wieder konnten die Firmen nicht gleichzeitig mit ihrer vollen Mannschaft an den Gebäuden und an der Straße arbeiten. Das führte zu Verzögerungen, in der Zwischenzeit stiegen die Tariflöhne, so Einzmann. Dazu kommen rund 20 000 Euro für Pflichtaufgaben, die irrtümlich gar nicht angesetzt worden waren, oder Geld für zusätzlich Materialien, etwa die Lieferung und der Einbau von Absetzschächten (135 000 Euro).

Noch heute stehen nicht alle Kosten fest, weil Abrechnungen nur verzögert eingehen, sagte Einzmann. Bis zum Bauende werden Mehrkosten in Höhe von effektiv 34 Prozent erwartet. "Die voraussichtlichen Gesamtkosten zum Bauende bewegen sich damit noch im Bereich der als zulässig anzusehenden Abweichung, bezogen auf den Kostenannahmen", heißt es aus dem Rathaus. Diese liege bei 40 Prozent. Heuer fehlen 650 000 Euro, die der Gemeinderat genehmigte. Er sprach sich dafür aus, für kommende Großprojekte einen Projektsteuerer einzusetzen, der früher auf Missstände hinweisen könne. Beim Neubau des Seniorenzentrums durch die Baugesellschaft München-Land würde diese von vorneherein einen einsetzen.