Bilder von Flüchtlingen Ein anderer Blickwinkel

Dunkle Haare, dunkle Augen, rote Lippen: Kolsum aus Afghanistan hat eine Frau aus ihrer Heimat gemalt.

Asylbewerber aus der Neubiberger Traglufthalle stellen Kunstwerke aus, die sie in einem Kreativprojekt geschaffen haben. In Gemälden verarbeiten sie Themen wie Flucht und Krieg, in Fotos dokumentieren sie ihre Sicht auf die neue Umgebung.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Ein Gemälde in kräftigen Farben zeigt eine Frau mit langen dunklen Haaren, Rouge auf den Wangen, rotem Lippenstift. Sie schaut ernst, Tränen laufen ihr übers Gesicht. Auf einem anderen Bild ist ein mit Menschen überfülltes Schlauchboot auf dem Meer zu sehen, Piraten versuchen es mit einem Messer zu beschädigen.

Einige Themen der Bilder erschließen sich schnell: traurige Erlebnisse, Flucht. Es sind zwei von mehr als 50 Gemälden und Fotografien, die im ersten Stock des Hauses für Weiterbildung in Neubiberg zu sehen sind. Rund 15 Asylbewerber, die in der Neubiberger Traglufthalle leben oder lebten, haben die Kunstwerke im Rahmen eines Kreativprojekts geschaffen. Die Ausstellung wird an diesem Donnerstag um 19 Uhr eröffnet.

Als im September 2015 die ersten Flüchtlinge in die Halle einzogen, stellte sich für den Helferkreis bald die Frage, wie eine Freizeitgestaltung für die Neuankömmlinge aussehen könnte. So bot die Künstlerin Soheila Rias, die sich seit Anfang an im Helferkreis engagiert, schon bald einen Malkurs an. Mindestens sechs Teilnehmer trafen sich jede Woche mittwochs für mehrere Stunden.

"Es war eigentlich ein Integrationskurs"

Rias brachte ihnen verschiedene Techniken bei, sie ließ sie vor allem mit Acrylfarben malen. "Es war aber nicht nur ein Malkurs, es war eigentlich ein Integrationskurs", sagt sie. "Wir haben zusammen gelacht, geweint, Briefe übersetzt. Wir sind wie zu einer Familie geworden", sagt die Künstlerin, die bei dem Kurs gelegentlich von Katharina Bauer vertreten wurde.

Künstler und ihre Werke: Flüchtlinge haben mit Janine Schneider und Soheila Rias (hinten von links) gemalt, getöpfert und fotografiert.

(Foto: Schunk)

Der Betrachter erhält bei den Bildern einen Einblick in die Gefühlswelt der Asylbewerber. Sie haben Themen wie Flucht, Freiheit, Erinnerungen an die Heimat, ihr neues Zuhause in ihren Werken verarbeitet. Manche Bilder wühlen einen auf wie etwa das Bild von Abdoulaye, 33, aus dem Senegal, das viele Köpfe zwischen brauner Fläche zeigt, die Flucht aus Afrika.

Das Bild von Nebras aus Syrien erinnert an seine Heimat. In der linken oberen Ecke steht in arabischer Schrift "Willkommen". Außerdem ist eine traditionelle Kanne für arabischen Kaffee zu sehen. Die Spitze der Kanne ziert ein bunter Stern, das Symbol der Drusen. Auch Nebras kommt aus einer der Ortschaften rund um Sweida, wo vor allem Drusen leben.

Auf Ibrahims Gemälde überblickt ein Auge als Sinnbild für Gott die Weltkugel, dazwischen sind Werkzeuge und rote Farbe zu sehen. Was in etwa heißen soll, dass Gott die Welt repariert, aber auch immer Blut wegen Religionen vergossen wird. "Es gibt keinen Krieg, der nicht wegen Religion entstanden ist", sagt der 27-jährige Iraker. Er nennt sein Bild daher auch "Bleeding in the name of god".

"Wenn ich traurig war und in den Kurs kam, hat mich das wieder aufgemuntert"

So unterschiedlich die Ergebnisse des Malkurses sind, so klar ist die Bedeutung für die Teilnehmer. "Es war sehr schön und sehr interessant. Unsere Lehrerin ist eine gute Frau", sagt Abdoulaye und lacht. Kolsum aus Afghanistan, die die Frau mit den Tränen, malte, geht es ähnlich: "Wenn ich traurig war und in den Kurs kam, hat mich das wieder aufgemuntert", sagt sie.

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So dürfte es auch den Teilnehmern des Fotoprojekts ergangen sein, das Janine Schneider vom Helferkreis und die Fotografinnen Kitty Fried und Dorothe Willeke-Jungfermann initiierten. "Wir dachten, wir müssen etwas machen, dass sie aus der Halle rauskommen und Kontakte knüpfen", sagt Schneider.

Bei den Workshops an zwei Wochenenden hatte die Gruppe junger Männer die Möglichkeit, ihre neue Umgebung aus ihrem Blickwinkel zu betrachten und für sie Spannendes und Schönes abzulichten. Die Bilder zeigen Motive wie einsame Wälder, einen gelben Porsche, einen Garten mit Weihnachtsdekoration. Die sonntäglichen Besprechungen waren dabei mindestens genauso bedeutend wie das Fotografieren selbst.

"Es stellte sich oft heraus, dass die Wahrnehmung des Betrachters ganz anders war als die des Fotografen", sagt Schneider. Eric, 25, aus Pakistan fotografierte etwa einen Wald. Was dem Betrachter Einsamkeit vermittelt, verkörpert für ihn die Ruhe außerhalb der Traglufthalle, erzählt Schneider. Ashfac Ahmed, 23, aus Pakistan fotografierte getrocknete Rosen und ein Grablicht, die in einen Zaun gesteckt sind. "Ich fand das so schön", sagt er. Dass damit an einen Verunglückten erinnert wird, wusste er nicht.

Die Ausstellung ist bis 30. Juli montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr geöffnet sowie samstags von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, die Gemälde stehen zum Verkauf.