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Neubiberg:Die persönliche Visitenkarte

Eveline Frey und ihr Sohn Philipp informieren sich bei Markus Senger und Marion Schütte (von links) vom Konzern MTU über technische Berufe.

(Foto: Claus Schunk)

Bei der ersten Bewerbermesse an der Neubiberger Realschule kommen Unternehmen und Jugendliche zusammen. Das Spektrum reicht von sozialen Berufen bis zu Jobs in der Justiz. Einige Schüler entdecken gar neue Vorlieben

Von Angela Boschert, Neubiberg

Die Bewerbungsunterlagen sind hergerichtet. Es kann also losgehen mit der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz. Gelegenheit dazu hatten am Samstag etwa 400 Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn an der Realschule Neubiberg. Unter dem Motto "Meet your job - care your future!" hatte der Elternbeirat 15 Unternehmen zur ersten Bewerbermesse der Schule eingeladen. Und die Firmen hatten allesamt schnell zugesagt, um sich selbst und ihre Jobmöglichkeiten zu präsentieren - und zugleich mögliche Auszubildende kennenzulernen.

Im Rund der Aula fanden sich Infostände von Firmen aus den Bereichen Automobil, Technik und Maschinenbau, Handel, Sozialservice, Staatsaufgaben und Personaldienstleistung. Vor ihnen bildeten sich schnell kleine Menschentrauben, kaum dass die Messe eröffnet war. Einige Schüler informierten sich gemeinsam mit ihren Eltern, was insbesondere Markus Senger vom Triebwerkhersteller MTU Aerospace positiv fand: "Es wirkt nachhaltiger, wenn man mit Schülern und deren Eltern sprechen kann. Gerade im Hinblick auf das Schulpraktikum für Schüler der achten Jahrgangsstufe", sagte er. Die "eher familiäre Atmosphäre" lasse auch Zeit für Einzelberatung.

Diese nutzten etwa die zwei Vertreter des Oberlandesgerichts (OLG) München, um verschiedene Berufe im Bereich der Justiz zu präsentieren. "Bei uns kann man weiterkommen, als der Beruf zunächst erwarten lässt. Durch eine Zusatzausbildung kann ein Justizfachwirt zum Beispiel Gerichtsvollzieher werden", erklärte Wilhelm Lang vom OLG dem 14-jährigen Quirin Benitsch. Der fand das äußerst "spannend" und sagte, er werde sich jetzt "neue Gedanken machen ", wo die berufliche Reise hingehen könnte.

Silke Bahe aus Ebersberg zeigte Karrieremöglichkeiten beim Discounter Aldi-Süd auf. Bahe beobachtete auch, dass "viele Schüler wirklich von Unternehmen zu Unternehmen gehen, um sich zu informieren". So auch die 16-jährige Moesha Sennewald, die erfuhr, "dass es sehr viele Möglichkeiten für Frauen gibt bei Unternehmen aus dem technischen Bereich". Linus Bader aus der neunten Klasse war ebenfalls begeistert: "Ich wollte nie in einen sozialen Beruf, aber das Freiwillige Soziale Jahr interessiert mich nach einigen Gesprächen jetzt sehr", sagte der 14-Jährige.

Anklang fanden auch die Vorträge, die von Personal- und Bewerbungsprofis im Zentrum der Aula gehalten wurden. Themen waren etwa "Stärken entdecken und Berufswege aufzeigen" oder wie Einstellungstest und Assessment Center "wirklich ablaufen". "Die Bewerbung als persönliche Visitenkarte" war das Thema von Natascha Svoboda und Nadine Kahlhofer - zwei internationalen Projektleiterinnen.

Mit Spannung warteten alle auf die Präsentation dreier Schüler: Sophia Plitz, 14, Jonas Lemperle und Nina Tamm, beide 16, waren aus einer Gruppe von 15 Bewerbern ausgelost worden. Zwei Tage vor der Messe hatten sie sich bei Tom Mathè vom Salon "Lippert L2" in der Alten Börse in München vorgestellt, der sonst internationale Showstars berät. Mathè verwandelte die drei Jugendlichen am Samstagmorgen in ausdrucksstarke, selbstbewusste Typen, die sich unter großem Applaus und sichtlich stolz der Schulfamilie vorstellten. "Das hat sich voll gelohnt", waren sich die drei einig und insgeheim froh, jetzt endlich selbst losziehen zu können, um schnell noch einige Informationen für Bewerbungen einzusammeln.

"Alle Vorträge holten die Schüler gut ab", stellte letztlich Schuldirektor Christian Ceglarek sehr zufrieden fest und lobte zugleich die Elternbeiratsvorsitzende Gitta Svoboda: "Sie hat in die erste Bewerbermesse unheimlich viel Herzblut reingesteckt." Seit Oktober hatte Svoboda unter Mithilfe zweier Lehrer und des Elternbeirats an dem Projekt gearbeitet und die Firmen angefragt, die schon auf der schulinternen Ausbildungsplatzbörse inserieren. So wurde die Bewerbermesse zu einem "gut geflogenen Testballon, der wiederholt werden sollte", sagte Ceglarek.

© SZ vom 05.03.2018

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