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Neubiberg:Der Code für gute Forschung

Eine ganze Reihe an Forschern: Universitätspräsidentin Merith Niehuss (Mitte) mit den Preisträgern beim Dies Academicus in Neubiberg.

(Foto: Claus Schunk)

Beim "Dies Academicus" der Universität der Bundeswehr in Neubiberg stehen Cybersicherheit, Datenübertragung und die Preisträger im Vordergrund. Präsidentin Merith Niehuss freut sich zudem über sechs neue Professuren

Von Daniela Bode , Neubiberg

Dass Sicherheit an der Bundeswehruniversität in Neubiberg ein großes Thema ist, merkt der Besucher schon an der Pforte. Ohne Vorlage des Ausweises kommt er nicht hinein. So passte es gut, dass sich beim "Dies Academicus", also der akademischen Feierstunde im Audimax, vergangene Woche ebenfalls Vieles um dieses Thema drehte. Das "Institut Code" an der Universität werde sich zu "einer der wichtigsten Institutionen für Cybersicherheit" in der EU etablieren, sagte Universitäts-Präsidentin Merith Niehuss unter anderem vor den etwa 300 Zuhörern. Unter ihnen waren einige Ehrengäste wie andere Universitätspräsidenten, hochrangige Vertreter des Militärs, die Vize-Präsidentin des Bundesnachrichtendienstes Tania Freiin von Uslar-Gleichen, Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland. Sie alle waren gekommen, um die Verleihung der Forschungspreise an sieben Nachwuchswissenschaftler der Universität sowie weiterer Preise zu feiern.

Im Zusammenhang mit dem Institut Code hob Niehuss das Projekt Concordia hervor, bei dem zahlreiche IT-Kompetenzen gebündelt werden sollen, um die digitale Souveränität von Europa zu erhöhen. Code koordiniert das Projekt "mit derzeit 55 Partnern", es wird von der EU mit 16 Millionen Euro gefördert. Wie man von Niehuss gewohnt ist, berichtete sie von solch rühmenswerten Erfolgen der Bundeswehruniversität keineswegs auf überhebliche Weise, sondern mit einem angemessenen Maß an Stolz und Respekt. In derselben Manier hob sie die Kooperation in Sachen Raumfahrttechnik mit der Technischen Universität München auf dem Ludwig-Bölkow-Campus in Ottobrunn hervor. Sie freue sich auf die künftige Zusammenarbeit, sagte sie. Dass die Universität sich nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre stets weiterentwickelt, stellte sie anhand verschiedener Beispiele dar. Unter anderem soll es sechs neue Professuren im Bereich Kulturwissenschaften geben.

Dass die Bundeswehruniversität nicht nur bei der Cybersicherheit vorne dran ist, sondern auch in Sachen Krisenprävention, verdeutlichte der Festvortrag von Carlo Masala, Professor für Internationale Politik, zum Thema "Krisen frühzeitig erkennen - wie geht das? Ein Werkstattbericht". Er stellte dar, dass die Krisenfrüherkennung sich nicht mehr darauf beschränkt, dass kluge Männer und Frauen die Situation analysieren, sondern dass die Krisenfrüherkennung durch Big Data, also die vielen Daten, auf die man heute Zugriff hat, auf eine neue Grundlage gestellt ist. Die Bundeswehruniversität arbeitet an methodischen Innovationen, diese Daten mit Hilfe von IT-Lösungen zu strukturieren, gewichten und in Modelle einzuarbeiten. Das Innovative an der Arbeit an der Bundeswehruniversität: "Wir können es auf die Regionen und die Städte runterbrechen. Nur so kann man identifizieren, wie sich die Gewalt in einer Gegend entwickelt", sagte Masala.

Dass auch der Nachwuchs an der Bundeswehruniversität bereits die Forschung vorantreibt und für alle relevante Erkenntnisse hervorbringt, zeigten die verschiedenen Dissertationen, für die Eva-Maria Kern, die Vizepräsidentin für Forschung, die Forschungspreise verlieh. Die Arbeiten befassten sich genauso mit Datenübertragung per Satellit und besonderen Batteriesystemen wie mit dem Einsatz von Sensoren in Drohnen. Außer den Nachwuchswissenschaftlern wurden auch andere gewürdigt. Unter anderem erhielt der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Hermann Rumschöttel, der seit 1997 Honorarprofessor an der Bundeswehruniversität ist, die Universitätsmedaille.

Nach kurzweiligen, interessanten Vorträgen und guter Musik von der Bigband der Universität der Bundeswehr ließen sich die Gäste ein paar Häppchen schmecken. Bestimmt drehte sich auch da das eine oder andere Gespräch um das Thema Sicherheit.

© SZ vom 04.11.2019
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