Neubiberg:Bitte dableiben

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Die Gemeinde erweitert das Baurecht, um die Encavis AG zu halten

Von Daniela Bode, Neubiberg

Geben und nehmen könnte man das nennen, was in der Gemeinde Neubiberg beim Grundstück an der Prof.-Messerschmitt-Straße 3 nun angedacht ist. Um die schon lange dort als Mieter ansässige Encavis Encavis Asset Management AG, ein führender europäischer Produzent von Strom aus erneuerbaren Energien, am Ort zu halten, gewährt die Gemeinde dem Eigentümer des Grundstücks etwas mehr Baurecht als es der jetzige Bebauungsplan erlaubt.

Konkret will der Grundstückseigentümer auf dem Parkdeck im östlichen Bereich des Areals einen dreistöckigen Bürokomplex bauen. Dort will dann die Firma Encavis einziehen, der der Platz im bestehenden Bürogebäude in der Prof.-Messerschmitt-Straße 3 zu klein wird, weil sie wächst. Zudem verfolgt der Grundstückseigentümer die Absicht, später auf dem westlichen Teil des Grundstücks anstelle des jetzigen Bürogebäudes einen Neubau zu errichten. Weil eine künftige Nutzung noch nicht feststeht, soll das Baurecht dafür erweitert werden. Mögliche Nutzungen sind aufgrund des Charakters als Mischgebiet sowohl Wohnungen als auch Büros. Diesem Vorgehen hat der Gemeinderat am Montag mit einem Grundsatzbeschluss unisono zugestimmt.

Normalerweise regelt die Gemeinde solche größeren privaten Bauvorhaben in einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Weil aber die zweite Bauphase planerisch noch nicht vertieft werden kann, soll das Vorhaben in einem sogenannten Angebotsbebauungsplan geregelt werden. Die gegenüber einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan fehlenden Mitwirkungsmöglichkeiten der Gemeinde sollen über einen begleitenden städtebaulichen Vertrag aufgefangen werden.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Lucia Kott sah die Mehrung des Baurechts kritisch. Vom Anwalt der Gemeinde erfuhr sie indes, dass durch den Bebauungsplan bestimmte Nutzungen ausgeschlossen werden könnten, die die Gemeinde dort nicht haben wolle. Auch Marc Wißmann vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum dämpfte die Sorge vor einer zu starken Nachverdichtung. Ein Mehr an Baurecht sei an dem in S-Bahnnähe gelegenen Standort durchaus vertretbar und es sei keine Verschlechterung der Situation zu erwarten. "Wir brauchen die Gewerbesteuereinnahmen, wir sollten uns nicht in baurechtlichen Kleinfragen verlieren", sagte Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzender Reiner Höcherl. "Ich freue mich, dass Encavis in Neubiberg bleibt", sagte er. Auch Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) äußerte sich ähnlich. Es gehe um eine Nachverdichtung von 10 oder 20 Prozent auf einem bereits versiegelten Grundstück, betonte er. Wo solle man nachverdichten, wenn nicht dort. In Richtung des Sprechers der Firma Encavis sagte er: "Wir wollen Sie gerne hier halten."

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