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Neubiberg:"Besser als gar nichts"

Rasso Leicher ist Deutsch- und Sportlehrer am Gymnasium Neubiberg. Der dreifache Vater ist seit 1981 glühender Bayern-Fan, damals sah er im Olympiastadion einen 7:2-Sieg mit drei Breitner-Toren gegen Frankfurt.

Bayern-Fan Rasso Leicher über Emotionen bei der Meisterfeier

Interview von Stefan Galler, Neubiberg

Robert Lewandowski brachte es nach Spielende auf den Punkt: "Ohne Fans zu feiern, ist ein bisschen kompliziert." Es fehle die Stimmung und die Leidenschaft, sagte der Torjäger des FC Bayern, nachdem die Münchner dank seines Treffers am Dienstag in Bremen vorzeitig die achte deutsche Meisterschaft in Serie klar gemacht hatten. Das sehen auch die Anhänger so. Etwa Rasso Leicher, Sportlehrer am Gymnasium Neubiberg, der zusammen mit seinem Kollegen Peter Müller als Duo "24 Munich" eine neue Vereinshymne aufgenommen hat.

SZ: Wie war die Meisterfeier?

Rasso Leicher: Ich habe erst einmal die Kinder ins Bett gebracht, um in Ruhe Fußball schauen zu können. Und dann war alles fast normal: Ich habe gezittert und gefiebert. Es war ja ein enges Spiel, und man hat jede Sekunde gespürt, dass es um die Meisterschaft geht.

Aber das ist schon ein anderer Ablauf als sonst, oder?

Klar, in den letzten Jahren war ich entweder im Stadion oder in einer Kneipe mit Freunden, das Auto startklar für den Korso auf der Leopoldstraße.

Kann man sich unter diesen Bedingungen überhaupt richtig freuen?

Ich bin der Meinung, dass der Fußball den Fußball aus macht und nicht das Drumherum. Deshalb finde ich Geisterspiele immer noch besser als gar nichts. Aber ich freue mich schon darauf, wenn die Fans und der ganze Wahnsinn wieder da sind.

Böse Zungen behaupten, die Stimmung bei Meisterfeiern der Bayern sei auch gespenstisch, wenn die Fans dabei sind...

Man muss zugeben, dass beim Aufstieg der Löwen vor zwei Jahren eine bessere Stimmung war als auf unserer Meisterfeier. Das war wirklich irre, was die Sechziger da abgezogen haben. Ich denke tatsächlich, dass bei Bayern Bedarf da ist, unsere Fanszene neu zu beleben. Etwa indem man bei Auswärtsfahrten gemeinsame Aktionen organisiert. Und vor allem bei Kindern und Jugendlichen muss wieder mehr Identifikation geschaffen werden.

Sie und Kollege Peter Müller leisten dazu ihren Beitrag in der Schule und mit ihrem Song "Hey Bayern München".

Ja, wir kommen im Trikot in den Unterricht und versuchen, Liebe und Leidenschaft für den Verein rüberzubringen. Auch mit dem Lied geht es uns darum, Emotionen zu wecken. Ich bin mir sicher, damit würden wir eine Meisterfeier am Marienplatz rocken.

Die wird es wegen Corona leider nicht geben. Wie kommen Sie sonst voran mit der neuen Fan-Hymne?

Wir waren drei Wochen lang in der Shitparade auf Radio Gong, da wurde ich sogar in meiner Bank darauf angesprochen, als ich sagte, dass ich am Gymnasium Neubiberg arbeite. Das war ein richtiger Hype und am Schluss haben wir den Song noch mal mit hundert Schülern in der Aula gespielt. Die Fans lieben das Ding, wir bekommen Mails aus aller Welt. Von Vereinsseite kommt bisher wenig. Immerhin hätten wir es im Grünwalder beim Derby der Amateure gegen Sechzig spielen dürfen, aber das ist ja leider ausgefallen.

Wie lautet ihr Fazit der Bundesligasaison?

Es ist schon ein bisschen überraschend, dass Hansi Flick als Trainer so eingeschlagen hat. Damit haben wir für die nächsten Jahre den richtigen Mann. Er hat es geschafft, Euphorie, Professionalität und Vertrauen reinzubringen. Das ist Niko Kovac leider nicht gelungen, obwohl er ein integrer und feiner Mensch ist. Und jetzt haben wir das Triple im Visier!

© SZ vom 18.06.2020

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