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Neubiberg:2050 sind die Bäume nachgewachsen

Neubiberg, Schopenhauer Wald, in dem zum vierten Mal massiv auch gesunde Bäume gefällt wurden,

Die Fällungen im Schopenhauerwald empören den Neubiberger Hans-Joachim Mai so, dass er im Gemeinderat seinem Ärger Luft gemacht hat.

(Foto: Angelika Bardehle)

Ein Neubiberger beklagt Fällungen im Schopenhauerwald. Die folgen einem Konzept

"Der Schopenhauerwald wird immer mehr ausgelichtet und ist im Begriff, ein Park zu werden", klagte der Neubiberger Hans-Joachim Mai am Montagabend vor der Sitzung des Gemeinderats. Selbst gesunde Bäume würden gefällt. Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler) verwies auf wissenschaftlich begründete Maßnahmen des Staatlichen Forstamts Ebersberg.

"Als ich hergezogen bin, ist der Wald natürlich gewachsen, wie die Natur ihn geschaffen hat. Vor zwei Jahren waren keine Bäume abgestorben. Doch jetzt hat man in den Flächen alle starken Bäume raus genommen", sagte Mai, der seit 1972 in der Gemeinde lebt. Er habe sich damals nicht zuletzt wegen des Schopenhauerwaldes für Neubiberg entschieden. Dieser sei ein Schmuckstück der Gemeinde und kein Nutzwald, der nach forstwissenschaftlichen Kriterien bewirtschaftet werden dürfe. "Die Bürger möchten auch optisch etwas haben, was nach Wald aussieht", sagte Mai.

"Der Schopenhauerwald ist ein Wald und soll ein Wald bleiben", antwortete ihm Heyland. Hinter den Maßnahmen stecke das Konzept der "Entwicklungsagenda Bürgerwald Neubiberg 2050", mit der die Neubiberger Wälder erhalten und so umgebaut werden sollen, dass sie dem Klimawandel trotzen können. "Nach Prognosen des Umweltbundesamtes wird sich die Jahresdurchschnittstemperatur in Bayern die nächsten hundert Jahre um zwei bis vier Grad Celsius erhöhen. Dieser Effekt wird in Neubiberg durch die dichte Bebauung und das Stadtinnenklima deutlich verstärkt werden", heißt es in der Bürgerwald-Schrift, die unter neubiberg.de abrufbar ist. Der Gemeinderat hat sie vor zwei Jahren nach ausführlicher Diskussion, auch mit Vertretern des Bundes Naturschutz, beschlossen. Es sollen auch klimatolerante Baumarten angepflanzt werden. "Wer schon älter ist, möchte nicht bis 2050 warten, bis dieser Prozess abgeschlossen sein wird. Dies ist zwar menschlich nachvollziehbar, aber nachhaltige Waldwirtschaft braucht einen langen Atem, wenn sie erfolgreich sein soll", betont Heyland.

Im Februar hatte die Gemeinde Waldarbeiten zur Umsetzung dieses Konzepts angekündigt und mitgeteilt, dass dabei einzelne Bäume entnommen würden, "die im sehr heißen und trockenen Sommer 2018 Schaden genommen" hätten. "Ich habe mir Schnittflächen angesehen. Das war gesundes Holz. Keines war faul oder brüchig", sagte Mai vor der Sitzung am Montag und fragte, wie viele Stämme Holz in den letzten Jahren aus den Wäldern herausgenommen worden seien. Eine Antwort bekam er nicht.

Einig war man sich, dass der Borkenkäferbefall, das Eschentriebsterben und der Hitzesommer 2015 den hiesigen Wäldern stark zugesetzt haben. Allein für die Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfer wurden vorsorglich etwa 1250 Laubbäume auch in Privatgärten gefällt. Viele Neubiberger haben das Röhren der Maschinensägen noch im Ohr. "Und viele sind geradezu empört über die jüngsten Fällungen", sagte Mai. Er will sich weitere Schritte überlegen.