Nebenkosten in München Die zweite Miete

Wohnen in München ist teuer. Doch stärker als die Mieten sind die Kosten für Heizung, Strom und Hausmeister gestiegen. Besonders ärgerlich: Viele Nebenkostenabrechnungen sind fehlerhaft.

Von Michael Tibudd

Münchens Müllmanager scheinen Gefallen daran gefunden zu haben, mit einem scheinbar ehernen Gesetz zu brechen. Alles wird ständig teurer, und zwar rasend schnell - dieses Eindrucks kann sich kaum jemand erwehren, der Jahr für Jahr mehr Geld für Restaurantbesuche, Fahrkarten oder viele andere Dinge des täglichen Lebens bezahlen muss. Und was macht der Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb? Senkt, wie kürzlich bekannt wurde, für 2011 seine Gebühren, und das nun schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren.

Die Nebenkosten entwickeln sich zu einem immer höheren Kostenfaktor. Mieterverbände sprechen daher auch von der "zweiten Miete".

(Foto: AP)

Das Gesetz, man wird das so sagen dürfen, hat trotzdem seine Gültigkeit. Und das unterm Strich besonders bei einem Faktor, für den die sinkenden Müllabfuhr-Preise auch eine Rolle spielen: die Nebenkosten zum Wohnen. Mieterverbände haben hierfür den Begriff der "zweiten Miete" geprägt, was den Umstand beschreiben soll, dass die Nebenkosten sich nach und nach zu einem ähnlich hohen Kostenfaktor entwickeln wie die eigentliche Kaltmiete.

Zahlen des Münchner Mietervereins belegen diese Tendenz deutlich: Stiegen die durchschnittlichen Mieten zwischen 2003 und 2009 gerade einmal um drei Prozent, legten die Nebenkosten im gleichen Zeitraum um fast 25 Prozent zu. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich im Umland: In Erding etwa verzeichnet der dortige Mieterverein ebenso steigende Nebenkosten. 2005 lagen diese im Schnitt noch bei 2,21 Euro pro Monat und Quadratmeter. 2007 waren schon 2,59 Euro nötig, 2009 lag der Wert bei 2,68 Euro.

Dickster Batzen ist bei alledem der Energieverbrauch: Fast ein Drittel aller Nebenkosten entfallen nach Angaben des Deutschen Mieterbundes allein aufs Heizen. Beim Verbrauch liegt München dabei gerade im Mittelfeld deutscher Großstädte. In Leipzig etwa benötigen die Menschen deutlich weniger, in Hamburg deutlich mehr Energie zum Beheizen von Wohngebäuden. Unterschiede zeigen sich auch bei der Art der Heizung: Bezogen auf die reinen Verbrauchskosten war es 2009 am günstigsten, mit Öl zu heizen, gefolgt von Gas und der teureren Fernwärme. Die Gültigkeit solcher Vergleiche verschiedener Heizungstypen ist allerdings umstritten.

Vergleichen lohnt sich

Vergleichen lohnt sich aber sehr wohl: Internetportale wie Verivox.de bieten für jeden Ort in Deutschland Übersichten der aktuell günstigsten Strom- und Gastarife. Seit auf beiden Märkten Wettbewerb herrscht, unterscheiden sich die Angebote zum Teil erheblich. Beim Erdgas lässt sich im Vergleich zum jeweiligen Grundversorger - in München sind das die Stadtwerke München, in Starnberg etwa Eon Bayern - teilweise eine Menge Geld sparen.

Der genaue Betrag hängt dabei natürlich vom persönlichen Verbrauch und dem jeweiligen Wohnungs- oder Haustyp ab: Bewegt sich die mögliche Ersparnis für eine Ein-Zimmerwohnung noch im Bereich von weniger als 100 Euro im Jahr, so kommen bei einem Einfamilienhaus schnell 500 oder 600 Euro zusammen."Mindestens 50 Prozent der Abrechnungen sind falsch"

Gleiches gilt beim Strom, wo es schon ein paar Jahre länger Wettbewerb gibt - die vielen unterschiedlichen Tarife machen diesen Markt aber noch ein wenig unübersichtlicher. Allerdings könnte ein Anbieterwechsel für viele wieder attraktiv werden, wenn im kommenden Jahr die Ökostrom-Umlage auf der Stromrechnung - wie vergangene Woche von den Energiekonzernen angekündigt - steigt. Zumindest die Münchner Stadtwerke geben allerdings an, man prüfe derzeit, ob man die erhöhten Kosten der Umlage durch Kosteneinsparung anderswo kompensieren könne.

Mindestens so ärgerlich wie hohe Energiekosten sind aus Sicht von Mietervertretern aber fehlerhafte Nebenkostenabrechnungen, die Mieter von ihren Vermietern oder Hausverwaltungen bekommen. "Mindestens 50 Prozent der Abrechnungen sind falsch", sagt Tobias Vollmar, Rechtsanwalt beim Münchner Mieterverein. In Beratungsgesprächen vergleicht der Mieterverein konkrete Abrechnungen mit den Beträgen, die ein Mieter bezahlt. Als Referenz dienen die im Mietspiegel aufgeführten Durchschnittswerte.

Demnach entfallen in der Landeshauptstadt etwa 34 Cent pro Monat und Quadratmeter auf den Hausmeister, die Hausbeleuchtung schlägt mit sechs Cent zu Buche, der Aufzug mit 13 Cent. "Wenn der Betrag in einem Fall deutlich abweicht, ist klar: Hier läuft was schief", sagt Mieteranwalt Vollmar. Der Verein bittet den Vermieter dann zunächst freundlich um Klärung - wobei der Einblick in die Unterlagen des Vermieters nicht immer ganz einfach ist: Zwar darf der Mieter die Belege einsehen. Nicht-Profis sind mit den vielen Positionen aber schnell überfordert.Die Dokumente des Vermieters fotografieren

Eine Verbesserung für Mieter brachte deswegen 2009 eine Entscheidung des Münchner Amtsgerichts: Demnach darf der Mieter die Dokumente des Vermieters nun fotografieren - in Zeiten von Handykameras für fast jedermann ein leichtes Unterfangen. Die Fotos kann er dann von einem Mieterverein - neben dem großen aus München gibt es Pendants in vielen Städten der Region - überprüfen lassen.

Um die Kosten im Rahmen zu halten, muss ein Mieter aber nicht nur darauf setzen, dass der Vermieter sich verrechnet hat und man ihm die Abrechnung um die Ohren hauen kann. Er kann auch selbst einiges tun, um seine Rechnung niedrig zu halten. Mieterverbände und auch die Verbraucherzentrale haben dazu Ratgeber mit konkreten Tipps herausgebracht. Eine kostenlose Broschüre des Münchner Mietervereins liegt in dessen Sitz in der Sonnenstraße 10 zur Abholung bereit.

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