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Natur- und Artenschutz:Im Einsatz für Igel, Insekten und Frösche

Grasbrunn, Staatsstraße Richtung Egmating,

Im Einsatz für die Kröten: Doris Dorschner-Walleitner - neben ihrem Mann Max Walleitner (vorne) - mit dem Team des Bundes Naturschutz.

(Foto: Angelika Bardehle)

"Die Natur ist ein Wunderwerk", sagt Doris Dorschner-Walleitner. Der Landkreis zeichnet die Grasbrunnerin aus, die mit Hartnäckigkeit und Unterstützung ihrer Helfer viele Ziele erreicht hat

Von Magdalena Scheck, Grasbrunn

17 Jahre ist Doris Dorschner-Walleitner schon im Naturschutz tätig, jetzt wurde die 60-Jährige für ihre Tätigkeit vom Landkreis München geehrt. Als Vorsitzende der Ortsgruppe Grasbrunn des Bundes Naturschutz engagiert sie sich ehrenamtlich hauptsächlich für den Natur- und Artenschutz. Sie kümmert sich um Igel und Insekten, stellt Vogelkästchen auf und setzt sich gegen die Rodung von Bäumen im Landkreis ein. Gemeinsam mit ihrem Mann, der auch im Landesverband des Bundes Naturschutz tätig ist, gründete sie zudem einen Tierschutzverein. Sie hilft damit Straßentieren in Griechenland und in der Türkei.

Ihr Engagement begann bereits im Jahr 2003, als im Bannwald bei Neukeferloh ein Altenheim gebaut werden sollte. Mit zwei Bürgerbegehren konnten die Naturschützer diese Bebauung abwenden. Dieser Kampf und dieser Erfolg war dann die "Initialzündung" für Dorschner-Walleitner, die sich schon immer für den Umweltschutz interessiert hatte.

Ihr größtes aktuelles Projekt stellt der Amphibienschutz dar, für den die heute Sechzigjährige jedes Jahr von März bis April die Aufstellung von Zäunen zum Schutz von Amphibien organisiert und mit Helfern und Helferinnen ausführt. Auch in diesem Jahr ist es wieder so weit. Vor Jahren erfuhr sie durch einen Zeitungsbericht von der schwierigen Situation an der Leonhard-Stadler-Straße in Neukeferloh, wo Frösche von Ehrenamtlichen über die Straße getragen wurden. Die Straße durchschneidet die natürliche Wanderroute der Frösche während der Hauptlaichzeit. Sie sind gezwungen, diese Straße zu überqueren und werden dort oft von Autos überfahren. An der Staatsstraße 2079 bei Grasbrunn ist das Problem besonders groß. Die Straße trennt den Höhenkirchner Forst von der Golfanlage Harthausen, welche durch ihre Teiche ein beliebtes Ziel für Frösche ist. Die Tierschützerin entschied sich sofort, mit einer Rettungsaktion auch dort zu helfen. Dabei hätten sich die Helfer oft selbst in Gefahr begeben, um Frösche vor herannahenden Autos zu schützen, erzählt Doris Dorschner-Walleitner. Immer wieder seien sie und ihre Mitstreiter so schnell wie möglich über die hochfrequentierte Staatsstraße gerannt, um die Frösche noch einzusammeln, bevor das Auto sie erreichte. Ein kurzes Straucheln hätte dabei gereicht, um die Helfer selbst vor den Autos landen zu lassen - ein unverantwortbares Risiko, wie Dorschner-Walleitner findet.

Schnell wurde der hauptberuflichen Steuerberaterin klar: An beiden Straßen müssen Schutzzäune aufgebaut werden, was die Naturschützerin mit bis zu 30 weiteren Ehrenamtlichen dann umsetzte. 800 Meter lange Sperren entstanden somit im Lauf der Zeit. Der Zaun war dazu da, die aus dem Wald kommenden Tiere an ihm entlang zu Eimern zu leiten, welche dann zwei Mal täglich entleert wurden. Die Amphibien wurden dann in einen Ersatzteich im Höhenkirchner Forst gebracht und nicht über die Straße zum Golfplatz. Doch auch die Zäune waren keine dauerhafte Lösung. Denn es war sehr aufwendig, sie zu aufzustellen und sich um die Tiere zu kümmern. Es fehlte immer mehr an Ehrenamtlichen, die Zeit hatten, sich zu engagieren. Außerdem war es nicht vollständig möglich, Tiere einfach umzusiedeln, erklärt die Ortsgruppen-Vorsitzende. Denn die Tiere suchten sich den für sie optimalen Lebensraum aus. Und das war und ist eben der Golfplatz mit seinen Wasserstellen.

Dabei gab es auch im dortigen Wald, aus dem die Amphibien kommen, früher Tümpel. Dorschner-Walleitner kennt diese noch aus ihrer Kindheit, in der dort immer Kröten und Frösche zu finden waren. Doch die Wasserstellen sind mittlerweile ausgetrocknet. Eine Renaturierung ist ein wichtiges Ziel der Naturschützerin, damit sich die Amphibien nicht mehr auf den gefährlichen Weg zu den Golfplatz-Weihern machen müssen, sondern auch dort ansässig bleiben können, wo nicht die Straße zu überqueren ist. Mehrere Jahre setzte sich Dorschner-Walleitner zudem für Amphibienschutztunnel unter der Straße ein. Im Zuge des Baus eines neuen Radweges setzte sie sich damit durch. Im Frühjahr 2020 entstanden acht Tunnel unter der Staatsstraße 2079, die nicht nur von Fröschen, sondern auch von Dachsen, Igeln, Wieseln oder Hasen genutzt werden. Endlich den Bau dieser Tunnel erreicht zu haben, ist für die Neukeferloherin "die Krönung" ihrer Arbeit, erwirkt durch jahrelange Hartnäckigkeit und den Einsatz vieler Helfer. "Es gibt nichts Schöneres als die Natur", sagt Dorschner-Walleitner. "Die Natur ist ein Wunderwerk. Ich habe so eine Achtung vor der Natur und das ist der Grund, warum ich sie bewahren will."

© SZ vom 08.03.2021
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