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Nachruf:Trauer um einen Großen

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist am Mittwoch der Oberhachinger Magnus Schelle zu Grabe getragen worden, der kurz vor seinem 86. Geburtstag am vergangenen Samstag starb.

(Foto: Claus Schunk)

Oberhaching nimmt Abschied von Magnus Schelle. Der Vater des Bürgermeisters war selbst jahrzehntelang in der Kommunalpolitik sowie zahlreichen Vereinen aktiv und galt als das Gesicht der Brauerei Hacker-Pschorr

Von Michael Morosow, Oberhaching

Unter normalen Umständen wäre am Mittwoch der halbe Ort unterwegs gewesen, um Magnus Schelle die letzte Ehre zu erweisen. Der am vergangenen Samstag kurz vor seinem 86. Geburtstag verstorbene Vater des amtierenden Bürgermeisters Stefan Schelle war zeitlebens in so gut wie allen gesellschaftlichen Bereichen der Gemeinde eingebunden, hat viele Spuren hinterlassen nicht nur in der Kommunalpolitik, und er war ein geschätzter Gemeindebürger. Es war der Wunsch der Familie, dass die Zeitungen erst nach der Beerdigung seinen Tod melden, damit nicht zu viele Trauergäste zum Abschiednehmen erscheinen, ist in Corona-Zeiten die Teilnehmerzahl doch auf 200 Personen beschränkt.

Dass ein bedeutender Gemeindebürger zu Grabe getragen wird, konnte man im Ort allerdings hören und sehen, als sich vom Schulhof Oberhaching aus ein langer Trauerzug auf den Weg zum Familiengrab machte, angeführt von Blaskapelle und Fahnenabordnung. Pfarrer Josef Schlossnikel zählte die Lebensstationen von Magnus Schelle auf, der am 10. August 1934 als jüngstes von sechs Kindern im Anwesen Deisenhofen Hausnummer 13 1/3, also auf dem alten Schellehof, zur Welt kam. Nach der Volksschule besuchte er die Winterschule in München. Die Freundschaften aus den Schul- und Ministrantentagen hielten ein Leben lang. Nach der Ausbildung leitete er das Raiffeisenlagerhaus, damals noch am Kirchplatz, gleich neben dem Schelle-Kramer, seinem Vetter und guten Freund, er arbeitete für die Besamungsstation und im Vertrieb für eine Landmaschinenfirma.

Bis zuletzt war er in vielen Vereinen aktiv, Gründungsmitglied der Kolpingfamilie, Mitglied im Kirchenchor und in der Sängerzunft, dort 37 Jahre Vorsitzender. Er war Faschingsprinz und Maikönig, "hat die Geselligkeit und Gemeinschaft, das Leben in vollen Zügen genossen", sagte Schlossnikel. 1963 heiratete Schelle seine Sophie, aus der Ehe gingen acht Kinder und 15 Enkelkinder hervor.

Bei der damaligen Pschorr-Brauerei übernahm er die Betreuung von Gaststätten und Wirtschaften. Für ihn und für die Brauerei eine gute Entscheidung. Nach den Fusionen war Magnus Schelle das Gesicht der "Hacker-Pschorr-Brauerei" im Oberland, unzählige Freundschaften verbanden ihn bis zuletzt mit seinen Wirten und seinen Kolleginnen und Kollegen. Und er betreute jahrzehntelang, bis zu seiner Pensionierung, auch die Brauereibox auf dem Oktoberfest. Welches Ansehen Magnus Schelle sich dabei erworben hatte, zeigte die Anwesenheit von Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, der neben dem Namensvetter des Verstorbenen, Magnus Schelle von der Sängerzunft, Florian Schelle vom Trachtenverein und Zweitem Bürgermeister Ludwig Pichler eine Trauerrede hielt.

Über Jahrzehnte hat Magnus Schelle als Kommunalpolitiker die Gemeinde mitgestaltet, 30 Jahre lang, von 1972 bis 2002, war er Gemeinderat von 1990 bis 1996 Dritter Bürgermeister und von 1996 bis 2002 Zweiter Bürgermeister Oberhachings, lange Jahre war er auch Ortsvereinsvorsitzender der Oberhachinger CSU. Wenn jemand Angst vor ihm haben musste, dann waren es allenfalls Kinder - der Familienvater war über Jahrzehnte Nikolaus. Seine große Familie, die Geselligkeit und der Zusammenhalt mit so vielen Vettern und Basen im ganzen Oberland sei ihm immer wichtig gewesen, der plötzliche Tod seiner Frau an Weihnachten 2016 habe ihn schwer getroffen, berichtete Sohn Stefan. Bei seinen Kindern und Enkelkindern habe er Halt gefunden, sei zu Hause liebevoll betreut worden und auch wieder mit seinem Elektromobil durch die Gemeinde gefahren. Nach einem Schlaganfall im vergangenen November und mehreren gesundheitlichen Rückschlägen wurde er in der Seniorenresidenz in Deisenhofen betreut, wobei in den letzten Wochen Besuche und kleinere Ausflüge wieder möglich waren. "Bis zuletzt hat er sich seinen Humor bewahrt", so Sohn Stefan. Dann aber schwanden seine Kräfte. Am Samstag ist er im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen.

© SZ vom 06.08.2020

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