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Nachruf:Rauchfuss' Tod schockt die FDP

FDP-Kreisvorsitzender Ralph Peter Rauchfuss ist am Sonntag mit 64 Jahren gestorben.

(Foto: Claus Schunk)

Die Liberalen im Landkreis trauern um ihren am Sonntag gestorbenen Kreisvorsitzenden Ralph Peter Rauchfuss. Unter dem 64-Jährigen hat die Partei zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. Jetzt steht sie vor einem personellen Umbruch.

Die FDP München-Land hat einen ihrer führenden Köpfe verloren. Die Partei trauert um Ralph Peter Rauchfuss. Der Vorsitzende aus Haar starb überraschend am späten Sonntagnachmittag im Alter von 64 Jahren. Parteifreunde und Wegbegleiter zeigten sich am Montag geschockt und tief betroffen. Rauchfuss zog seit 2012 als Vorsitzender überwiegend im Hintergrund erfolgreich die Fäden und machte die Liberalen in ihrer Hochburg organisatorisch wieder stark. Personell steht die FDP nach dem überraschenden Rückzug der Galionsfigur Tobias Thalhammer wieder vor einem Umbruch.

Rauchfuss war der ruhende Pol in einer Partei, in der es hinter den Kulissen manchmal kräftig rumorte. Er konnte auch in schwierigen Momenten Haltung bewahren, wie etwa 2013, als die FDP aus dem Landtag flog. Fast alle führenden politischen Köpfe hatten die Wahlparty im Landratsamt längst verlassen. Rauchfuss harrte stoisch bis zuletzt aus und verfolgte, als längst die krachende Niederlage für die FDP feststand, wie sich die Balkendiagramme aus den einzelnen Gemeinden auf dem Bildschirm aufbauten.

"Es ist für uns als Kreisverband wirklich ein Drama"

"Es ist für uns als Kreisverband wirklich ein Drama", sagte am Montag der stellvertretende Kreisvorsitzende und Bezirkschef Axel Schmidt aus Oberhaching. Er bezeichnet Rauchfuss als ungemein "engagierten und hilfsbereiten" Menschen, als wahres Organisationstalent. Ämter und Mandate habe er nie angestrebt, heißt es etwa vom Parteifreund und stellvertretenden Landrat Jörg Scholler. Thalhammer nennt ihn "selbstlos" und einen stets "höflichen" Menschen, eine Art Gentleman - einen "Freund", der "zwischenzeitlich Parteifreund" war.

Dass Thalhammer als nominierter Landtagskandidat für den Wahlkreis München-Land-Süd im April für viele völlig unerwartet der FDP den Rücken kehrte, ließ schlaglichtartig aufblitzen, dass es in der Partei unter dem Ruhepol Rauchfuss mitunter auch brodelte. Dabei wusste Rauchfuss offenbar früh Bescheid. Er habe ihm als ersten im Vertrauen von seiner Absicht und seiner Entfremdung von der FDP erzählt, sagt Thalhammer.

Die beiden ungleichen Charaktere Thalhammer und Rauchfuss standen sich nahe. Thalhammer lernte den Journalisten und Medienfachmann Rauchfuss über Otto Bußjäger kennen, mit dem dieser in Grasbrunn eine Bürogemeinschaft hatte. Rauchfuss wurde Thalhammers Wahlkampfmanager und kam so erst mit Anfang 50 in Kontakt mit der FDP. Später trat Rauchfuss bei den Liberalen ein und bekannte öffentlich, sich dazu wegen Thalhammer entschlossen zu haben. Dieser sagt, Rauchfuss habe es nicht immer leicht gehabt im Kreisverband. Anmerken habe er sich das nie lassen.

Mit dem dritten Landrat Otto Bußjäger, der zwischenzeitlich Büroleiter von Thalhammer war und schließlich bei den Freien Wählern landete, verband Rauchfuss eine Freundschaft. Bußjäger schrieb am Montag, er habe "mit Entsetzen" von dessen "viel zu frühen Tod" erfahren. Er verliere einen langjährigen Weggefährten und einen guten Freund. Der hatte erst vor zwei Wochen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn den mittlerweile 20. Ortsverband der FDP im Landkreis aus der Taufe gehoben. Auch in Baierbrunn entstand ein Ortsverband neu. In Sauerlach, Oberhaching und Gräfelfing wurden Ortsverbände neu belebt. Die FDP gewann unter Rauchfuss seit 2012 knapp ein Drittel an Mitgliedern hinzu.

Den Vorsitz im Kreisverband freilich übernahm Rauchfuss 2012 nach einer Kampfabstimmung auf einem denkwürdigen Parteitag im Gasthaus Heide-Volm in Planegg, an den sich der damalige bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil noch gut erinnert. Mit einer Stimme Mehrheit verdrängte er den amtierenden Kreischef Rochus Kammer. "Ein unglaubliches Ereignis", sagt Zeil, der Rauchfuss als "ehrlichen Makler" bezeichnet.

Wenn die FDP an diesem Dienstagabend zu einem außerordentlichen Parteitag eben dort zusammenkommt, um nach dem Wechsel des nominierten Landtagskandidaten Tobias Thalhammer zur CSU die Kandidatenliste noch einmal abzunicken, wird dieser mit einer Schweigeminute beginnen. Die Pressemitteilung zur Versammlung hatte der Vorsitzende noch selbst verfasst. "Ein typischer Rauchfuss", sagt Schmidt. Ihm zufolge wollte sich Rauchfuss nach der Landtagswahl freiwillig vom Kreisvorsitz zurückziehen.

© SZ vom 19.06.2018/wkr

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