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Nachhaltigkeit:Klimaschutz als Kostentreiber

Holzbau sowie Lüftungs-und Kühltechnik mit Hilfe der Geothermie: Der Anbau der Grund- und Mittelschule am Sportpark in Unterhaching soll zukunftsweisend ausgeführt werden. Jetzt steigen die Kosten und der Redebedarf

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Für den Anbau der Grund- und Mittelschule am Sportpark wird die Gemeinde Unterhaching 1,4 Millionen Euro mehr zahlen müssen als ursprünglich angenommen. Zunächst war von Kosten in Höhe von etwa 7,7 Millionen ausgegangen worden. Neuesten Berechnungen der Fachplaner zufolge aber erhöhen sich die Ausgaben für den zusätzlichen Gebäudetrakt im Nordosten der bestehenden Schule auf 9,2 Millionen. Der Gemeinderat stimmte am Mittwochabend mehrheitlich dem Vorhaben zu.

Kostentreiber sind bei dem Projekt, das unter Nachhaltigkeitskriterien überwiegend in Holzbauweise errichtet werden soll, nicht nur gestiegene Materialkosten, sondern auch die moderne Kühlungs- und Lüftungsanlage. Diese mit der Geothermie betriebene Technik ist an eine Fußbodenheizung gekoppelt, die teurer kommt als eine normale Heizungsanlage. 150 000 Euro mehr muss Unterhaching für Heizung, Lüftung und Sanitär ausgeben. Der Mehrpreis an Holz (82 000) kommt durch die aktuelle Marktlage zustanden. Auch entschied sich der Gemeinderat dazu, die Treppe in Holz statt in Beton zu konstruieren. Zudem soll der Keller größer werden und etwa 100 000 Euro mehr kosten.

Den Planungen vorangegangen war ein Workshop von Gemeinderatsmitgliedern, bei dem ein Nachhaltigkeits-Katalog erarbeitet wurde. "Wir wollen nachhaltig bauen, aber das kann zu Mehrkosten führen", sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) bereits in der Bauausschusssitzung eine Woche zuvor, als die Mehrung der Kosten auf Kritik stieß. Vor allem die Freien Wähler lehnten es ab, für die Holzbauweise und die Kühlungsanlage noch einmal Tausende von Euro draufzulegen. "Verabschieden wir uns doch von dem Geothermieprojekt", schlug Gertraud Schubert vor. Fraktionssprecherin Julia Mittermeier findet die Ausstattung "ein bisschen dekadent" und die Forderungen aus dem Workshop "übertrieben". Sie frage sich, wie sie ihre eigene Schulzeit überstanden habe. Auch Sebastian Ruppert von der SPD befürchtet, dass die Kosten sich weiter erhöhen könnten. "Ich möchte dann nicht bei Projekten der Feuerwehr und dem Baubetriebshof sagen müssen, dass wir das Geld nicht mehr haben", mahnte er. "Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange", befürchtet auch Christa Helming (Freie Wähler) mit Blick auf die Kosten und stimmte wie ihre Fraktionskollegen gegen den Beschluss. "Wir sind nicht gegen den Schulanbau", betonte sie.

Der Großteil im Gemeinderat will hingegen das nachhaltige Bauen mit diesem Projekt verwirklichen. "In meiner Schule war es im Sommer affig heiß. Wenn wir es jetzt besser können, sollten wir das machen", sagte CSU-Fraktionssprecher Korbinian Rausch. Das Entscheidende sei, "dass wir nicht günstig sondern richtig bauen." Da liegt er mit den Grünen auf einer Linie. Armin Konetschny betonte: "Wir wollen den Kindern eine sehr gute Schule hinbauen. Das hat etwas mit Klimaschutz zu tun. Auch dessen ehemaliger Fraktionskollege Emil Salzeder, jetzt bei den Neos, ist sich sicher: "In 20 Jahren werden wir dieses geothermische Kühlen brauchen."

Begonnen werden soll mit dem Bau im Frühjahr 2022, sodass von September 2023 an in dem neuen Trakt unterrichtet werden kann. Acht neue Klassenzimmer sollen entstehen und die Nachmittagsbetreuung mehr Platz bekommen.

© SZ vom 22.05.2021
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