MVV Große Koalition gegen Tarifreform

Außer SPD-Landtagskandidatin Annette Ganssmüller-Maluche kündigt auch der CSU-Abgeordnete Weidenbusch ein Nein an

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Geht es um die umstrittene MVV-Tarifreform, die zum 9. Juni 2019 in Kraft treten soll, sind sich die beiden Direktkandidaten für die Landtagswahl am 14. Oktober im Stimmkreis München-Land Nord, Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) und Ernst Weidenbusch (CSU), in ihrer Ablehnung einig. Allerdings aus unterschiedlichen Motiven. Beim Auftritt von Ministerpräsident Markus Söder am Sonntag in Keferloh äußerte sich der CSU-Landtagsabgeordnete zu Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der tags zuvor an gleicher Stelle laut Weidenbusch behauptet haben soll, die Landeshauptstadt habe die acht Partnerlandkreise bei den Verhandlungen über eine Tarifreform "über den Tisch gezogen". "Ich werde keiner MVV-Reform zustimmen, zu der ein OB sagt, er hat die Menschen im Landkreis über den Tisch gezogen", so Weidenbusch.

Einmal in Fahrt legte Weidenbusch nach. Wenn Reiter wolle, dass der Landkreis beim Wohnungsproblem in der Stadt mithelfe, müsse er dafür sorgen, dass "die Menschen draußen" von einem gerechten Tarifsystem profitieren. Es sei an der Zeit, dass alle Beteiligten eine "einfache Reform" bekämen. "Eine Fahrt, ein Euro. Wie in Paris oder Moskau", so Weidenbusch.

Tags zuvor kritisierte Annette Ganssmüller-Maluche in Anwesenheit von OB Reiter die Reform als "äußerst mutlos". "Da fliegen in den Köpfen Gondeln und Flugtaxis, und wir hantieren mit Zonen und Tarifsprüngen, als wären wir im letzten Jahrtausend." Ganssmüller-Maluche gehört zu den Kritikern aus dem Münchner Norden, wie Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich und sein Unterschleißheimer Kollege Christoph Böck (beide SPD), die bemängeln, dass die großen, wirtschaftsstarken Nordkommunen nicht in den neuen Innenraum (Zone M) integriert werden sollen und die Bürger dadurch deutliche finanzielle Nachteile hätten. Greulich hat bereits angekündigt, im Kreistag gegen die Tarifreform zu stimmen.

Ganssmüller-Maluche will das Thema im Wahlkampf aufgreifen und startet an diesem Montag ihre Flugblattaktion mit dem Titel "Nein zur MVV-Tarifreform". Dabei bewirbt sie auch die Online-Petition des Unterschleißheimers Anton Koch, der auf der Homepage von Openpetition eine Initiative gestartet hat, mit der Veränderungen bei der Reform herbeigeführt werden sollen. Der Kreisausschuss für Mobilität berät am Mittwoch, 12. September, über die Reform.