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Münchner Originale auf Facebook:"Agnesstraße 16, 80 München 40"

Die anhaltende Beliebtheit des Franz Münchinger beobachte er mit einem gewissen Staunen, andererseits komme hier vielleicht die Liebe zurück, die er einst in die Figur gesteckt hat: "Die Zuneigung zum Schauspieler und Menschen Helmut Fischer, zur Stadt, zu einer gewissen Lebensform" - das seien alles keine Autorentricks gewesen, sondern echte Emotion. Und die sei beständig.

Anschauen mag er sich den Online-Monaco aber nicht: Er gehe nicht auf solche Seiten, sagt Dietl, aus Selbstschutz. "Es könnte passieren, dass ich mich von einem Detail, das aus meinen Augen nicht stimmt, herausgefordert fühle." Jeder soll die Figur auf seine Weise interpretieren, "aber ich muss davon nichts wissen". Der Mensch, der den Monaco Franze für die Netzgemeinde gibt, ist jedoch sehr darum bemüht, im Sinne des Schöpfers zu handeln. Ein krachertes Brachialbayerntum will Daniel Strobel vermeiden, das werde dem Monaco oft untergeschoben, treffe seinen Schwabinger Charme aber gar nicht. Und wenn jemand an ihn herantritt, der mit der Popularität des Stenzes Geld machen will, lösche er die Einträge sofort.

Strobel wohnt nur einen kleinen Spaziergang entfernt vom Monaco Franze, der auf Facebook die Serien-Adresse "Agnesstraße 16, 80 München 40" angegeben hat. Trotzdem will Strobl eine gewisse Distanz bewahren. Der 37-Jährige ist "verheiratet und keiner, der im Internet den Frauen hinterhersteigt". Wenn er von seinem Alter Ego spricht, verwendet Strobel ein ehrfürchtiges "er". Die Facebook-Gruppe gründete Strobel 2009 "aus purer Langeweile", auf das erste "unsterblich", das er den Franz sagen ließ, reagierten damals 29 Leute.

Ein Jahr später hatte Strobel sein Stilmittel gefunden, seitdem spricht Monaco aus der Ich-Perspektive. "Manni, da schau aufs Fahndungstelex, der Tierpark Toni wird heute auch schon 60. . ." schreibt Monaco-Strobel am Geburtstag des Schauspielers Wolfgang Fierek. Darauf melden sich um die 400 Leute, der schon in der Serie eher maulfaule Kopfeck-Manni antwortet aber leider nie.

817 Pumuckl-Fans in Ungarn

Pumuckl kann bei diesen Zahlen nur laut lachen, das kann er ja eh gut. Er hat 187.500 Fans, und wenn ihm ein guter Reim einfällt, goutieren das in weniger als 24 Stunden 2800 Menschen mit einem "mag ich". Weil die Serie auch ins Spanische, Chinesische und Bulgarische übersetzt wurde, kommen Kommentare aus der ganzen Welt. Auch seine Internet-Patin sitzt nicht in München: Lea Moser ist 21 und kommt aus Zürich, die Abenteuer von Meister Eder und dem Kobold lernte sie lieben, "weil wir bei uns den Österreicher reinkriegen". Anders als Strobl identifiziert sie sich total mit ihrer Rolle, die sie neben ihrem Leben als Bürokauffrau seit zwei Jahren im Netz ausfüllt.

Als Gruppenadministratorin weiß sie etwa, dass es 817 Pumuckl-Anhänger in Ungarn gibt und 530 in Australien. Außerdem, sagt Lea Moser, seien 69 Prozent der Fans weiblich. Solche Zahlen hat auch Daniel Strobel für seinen Monaco. Sie werden dem Stenz nicht gefallen: Zwei Drittel seiner Fans sind männlich. Vielleicht liegt die Depression des Münchinger Franz - Selbstauskunft: "Ehrlich gesagt, ich interessiere mich wahnsinnig für Frauen" - auch daran.

© SZ vom 29.12.2010/tob
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