Die Region München bleibt ein Wachstumsraum. Die Bevölkerung wird zwar laut einer aktuellen Prognose nicht mehr ganz so stark zunehmen wie in den vergangenen 20 Jahren. Außerdem wird erwartet, dass die Einwohnerzahl in einzelnen Kommunen wegen der älter werdenden Bürgerschaft sogar sinkt, wie etwa in Garching, Gröbenzell, Eichenau und Gräfelfing. Eine Herausforderung bleibt aber, die verschiedenen Interessen in dem dicht besiedelten Raum auszugleichen. Der Regionale Planungsverband (RPV) will sich nun damit befassen, wie Landwirtschaft, Kiesabbau und Wasserversorgung künftig funktionieren können.
Dass man sich in München und seinem Umland ums Trinkwasser kümmern muss, zeigt dieser Trockensommer 2026 wie unter einem Brennglas. Die Stadt München hat zum Wassersparen aufgerufen, etliche Kommunen rund um die Landeshauptstadt waren über die Versorgung der Stadtwerke München von einer Sparverordnung direkt betroffen. Unabhängig davon kommen Appelle aus den Rathäusern. Gerade erst hat der Bürgermeister von Straßlach-Dingharting, Hans Sienerth (parteifrei), eindringlich erklärt, dass Sparen ein Gebot der Stunde sei. Wasser sei in diesen Wochen zu kostbar, um damit den Rasen zu sprengen, den Pool zu füllen oder das Auto zu waschen.
Jetzt hat der Planungsausschuss des RPV in seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl seine Agenda für die kommenden sechs Jahre auf den Tisch gelegt. Bei dem Treffen im Bürgersaal in Oberhaching erläuterte Geschäftsführer Marc Wißmann, dass auf Grundlage des Landesentwicklungsprogramms (LEP) neue Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Wasserversorgung, Landwirtschaft, Rohstoffsicherung und Klimaschutz festgelegt werden sollen.
Das Ziel wird Wißmann zufolge sein, die Trinkwasserversorgung mit Blick auf den Klimawandel zu sichern und langfristig eine Antwort auf die sinkenden Grundwasserstände in der Region zu finden. Entsprechend seien neue Flächenvorgaben zu treffen.

Der RPV-Vorsitzende und Oberhachinger Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) sagte: „Trinkwasser ist im wahrsten Sinne des Wortes unser wichtigstes und wertvollstes Lebensmittel, dessen Gewinnung auch in Zukunft abgesichert sein muss. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Grundwasservorkommen schützen.“ Was das heißt, ist noch offen. Problematisch könnten größere Eingriffe in den Untergrund werden, sagte Schelle. Zum Beispiel zum Rohstoffabbau, dem Verkehrswegebau oder bei großen Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen wie etwa in der chemischen Industrie.
Zudem wird sich der RPV laut einer Mitteilung neuen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für Landwirtschaft und Klimaschutz widmen und die Vorranggebiete für die Rohstoffsicherung überarbeiten. Zentral geht es bei letzterem um Abbau von Kies und Bentonit, einem speziellen Sandstein. Eine andere große Aufgabe hat der Planungsausschuss in den vergangenen Jahren bewältigt. Die Vorrangflächen für Windkraftnutzung sind so gut wie festgelegt. Letzte offene Fragen würden gerade geklärt, heißt es. Damit wissen Kommunen, Bürger und Investoren fortan, in welchen Bereichen eine Planung für Rotoren möglich ist und ob sie dort Aussicht auf Erfolg hat.
Die Bevölkerung in München und den umliegenden Landkreisen wird weiter wachsen, aber langsamer
Wie dringlich es ist, solche Fragen durch Abwägungen in einem planerischen Prozess verträglich zu klären, zeigen Prognosen über einen weiteren Zuwachs an Bevölkerung in der Landeshauptstadt und den sie umgebenden acht Landkreisen Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg. Daniel Gromotka vom Referat für Raumentwicklung und Statistik am RPV legte Zahlen vor, die die besonderen Herausforderungen in einem dicht besiedelten Raum zeigen.
Demnach wird die Bevölkerung weiterhin, aber langsamer wachsen. Waren es 2024 noch 2,9 Millionen Menschen in der Stadt München und in den umliegenden acht Landkreisen, so werde diese Zahl Anzahl auf 3,16 Millionen bis 2041 steigen. Vor allem die Landeshauptstadt und die äußeren Gemeinden und Landkreise dürften wachsen. Im dicht besiedelten inneren Ring werde eine Stagnation bis hin zu Bevölkerungsrückgängen vorausberechnet, erklärte Gromotka.
Eine prozentual zweistellige Zunahme erwartet der RPV in einigen Kommunen im nördlichen Landkreis Erding, Dachau und Landsberg am Lech. Darunter etwa in Taufkirchen an der Vils, Odelzhausen, Pittriching und Fuchstal. Einen Grund für die Stagnation andernorts macht der Statistiker in der alternden Bevölkerung aus. Der Saldo aus Geburten und Sterbefällen wird beispielsweise in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck negativ erwartet, dazu kommt ein im Verhältnis ebenso negativer Saldo aus Zu- und Abwanderung. Eine positive Dynamik dank jüngerer Bevölkerung wird für die Landeshauptstadt prognostiziert. Und auch in Erding, Freising, Dachau, Ebersberg und Landsberg am Lech soll die Zuwanderung insgesamt einen Zuwachs sichern.
In Zahlen ausgedrückt: Die Bevölkerung im Raum Starnberg würde um 1,3 Prozent und im Raum Fürstenfeldbruck um 1,4 Prozent abnehmen. Der Landkreis München wüchse nur noch um 0,1 Prozent. Und das nach starken Zuwächsen in den vergangenen zwanzig Jahren – von 8,6 Prozent in Starnberg, 9,7 Prozent in Fürstenfeldbruck und sogar 15,7 Prozent im Landkreis München.
Dennoch erwartet der RPV bis zum Jahr 2044 insgesamt mehr Menschen im Raum München und vor allem mehr Haushalte – mit all den daraus folgenden Konsequenzen.


