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Verkehrslärm:"Da geht noch mehr"

Oberhaching, A995 Lärmschutz

Auf der A 995 Richtung Salzburg gilt bisher nur nachts ein Tempolimit. Jetzt darf man dort - zumindest bis zur Brücke über die Bahnlinie München-Deisenhofen - auch am Tag nicht mehr so schnell fahren, wie man will.

(Foto: Angelika Bardehle)

In Taufkirchen und Unterhaching wertet man die neuen Tempolimits auf der A 8 und der A 995 als Erfolg. Doch die meisten halten die Geschwindigkeiten immer noch für zu hoch.

Von Iris Hilberth und Patrik Stäbler

Tempo 80 fordern die beiden Gemeinde Unterhaching und Taufkirchen seit Jahren auf der Giesinger und der Salzburger Autobahn. Sie liegen dicht an der A 995 und der A 8, der Lärmschutz ist seit ewigen Zeiten ein Thema. Doch lange wurden sie von der Staatsregierung mit dieser Forderung nicht erhört. Jetzt kommt plötzlich die Zusage aus dem Innen- und dem Verkehrsministerium, dass auf beiden Autobahnen die Geschwindigkeiten auch tagsüber etwas reduziert wird. Auf 80 runterbremsen muss hier zukünftig allerdings keiner. Und so hält sich der Jubel in den lärmgeplagten Anwohnergemeinden arg in Grenzen.

Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) ereilte die Nachricht während der Sitzung des Sozialausschusses am Mittwochabend und sie überraschte ihn. Im Rathaus würdigt man, dass Innenminister Joachim Herrmann und seine seit Februar für das Verkehrsressort zuständige Kabinettskollegin Kerstin Schreyer aus Unterhaching (beide CSU) dieses Thema wichtig finden. Das sei schon mal erfreulich, teilte Rathaussprecher Simon Hötzl am Donnerstag mit. Wirklich zufrieden könne man mit Tempo 120 auf der A 995 natürlich nicht sein.

Stadteinwärts gilt dies schon länger, nachts dürfen Autos hier nur 80 und Lastwagen 60 fahren. "Im Ergebnis ist noch Luft nach oben", sagt Hötzl. Immerhin seien es aber genau die Argumente der Gemeinden, nämlich der Lärmschutz für die Anwohner, die Fuß gefasst hätten. Dass auf anderen Autobahnen sogar auf Tempo 60 runtergegangen werde und hier nicht, erschließe sich nicht. "Für uns heißt das nur, wir werden uns weiter intensiv darum bemühen", sagt der Unterhachinger Rathaussprecher.

Auch die beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Claudia Köhler und Markus Büchler finden: "Da geht noch mehr." Zwar werten sie die Entscheidung auch als eigenen Erfolg, da ihr Antrag zum Lärmschutz nun doch noch umgesetzt werde. Doch fragt sich die Unterhachingerin Köhler: "Warum gerade bei der A 8 nicht bis Taufkirchen-Ost?" Hier gehe die Autobahn nur etwa 500 Meter an den Wohnungen am Rodelberg in Unterhaching vorbei. "Und für die A 995 ist ein groß angekündigtes Tempolimit von 120 Stundenkilometern eh keine richtig große Erleichterung", findet Köhler.

Auch der Taufkirchner Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) ist von den Plänen der Landesregierung überrascht worden. Allerdings sei es eine freudige Überraschung, betont der Rathauschef. "Das ist auf jeden Fall ein Erfolg, von dem vor allem die Bewohner im Ortsteil Am Wald profitieren werden", sagt Sander. Denn sie und mit ihnen viele Lokalpolitiker kämpfen schon seit Jahren für eine Ausweitung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A 995. Dass das bisher nur in Richtung München am Tag geltende Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde nun ebenfalls für die Gegenrichtung kommen soll, sei eine "Gleichberechtigung, die nur Sinn macht", sagt Sander.

"Die Bewohner im Ortsteil Am Wald werden das spüren", ist Hildegard Riedmaier überzeugt. "Sie können sich freuen - auch wenn es vielleicht nicht das ist, was sich viele erhofft haben", sagt die Fraktionschefin der CSU im Taufkirchner Gemeinderat.

Nach Angaben des Innenministeriums wird die Begrenzung auf 120 Stundenkilometer vom Autobahnbeginn in Giesing bis zur Kreuzung der A 995 mit der Bahnlinie München-Deisenhofen reichen - also bis hinter die Ausfahrt Taufkirchen-West aber nicht bis zur Anschlussstelle Oberhaching. Der Taufkirchner Gemeindeteil Potzham bleibt somit außen vor, was sie jedoch verstehen könne, sagt Riedmaier. Schließlich sei die Wohnbebauung dort weiter von der Autobahn entfernt, "und da gibt es vor allem Gewerbe, was nicht so lärmempfindlich ist".

Catja Hilgart aus Unterhaching, die seit Jahren gemeinsam mit anderen Anwohnern an der A 995 für eine Lärmschutzwand kämpft, ist enttäuscht: "Wieso kommt jetzt ein Tempolimit, das gegen den Lärm auf der A 995 keine Auswirkung hat, da der Asphalt keine Flüstereigenschaften mehr hat?", fragt sie sich. Verkehrsminister Andreas Scheuer habe die Auslösewerte für Lärmsanierung seit August 2020 senken lassen und den Bürgern sehr viel Hoffnung gemacht. "Wann werden Versprechungen in die Tat umgesetzt?", fragt Hilgart.

© SZ vom 20.11.2020/vewo
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