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Unterhaching:Der Junge hinter der Maske

Lehrer, Eltern, Schüler uneins über generelle Maskenpflicht

Beinahe täglich noch wird dieses Foto, das im Frühjahr entstanden ist und im Vordergrund Jens Schmidt zeigt, von Medien deutschlandweit verwendet, um die Corona-Thematik im Zusammenhang mit Schule zu bebildern.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Ein Agenturfoto, das Jens Schmidt und die Q 12 des Lise-Meitner-Gymnasiums zeigt, hat Karriere als exemplarische Illustration von "Corona und Schule" gemacht.

Interview von Iris Hilberth

Schüler und deren Eltern werden alljährlich aufgefordert, eine Einwilligung für Veröffentlichungen von Fotos in der Presse zu geben. Falls es mal etwas zu berichten gibt aus der Schule. Meist geht es um Wettbewerbe und um Schulfeste, und dann erscheint ein Gruppenbild in der Lokalzeitung. Eher selten kommt auch mal das Fernsehen. Als nach dem Lockdown im Frühjahr die ersten Schüler wieder in die Klassenzimmer zurückkehrten, ließ es sich der bayerische Kultusminister Michael Piazolo allerdings nicht nehmen, mit einem großen Medientross am Unterhachinger Lise-Meitner-Gymnasium aufzukreuzen, um Bilder vom schulischen Neuanfang im Freistaat nach der großen Pause in die Welt zu senden.

Auch ein Fotograf der Deutschen Presseagentur (dpa) war dabei, als die Abiturienten mit Maske in den Präsenzunterricht starteten. Die Bilder sind dadurch in wohl allen Medien-Archiven der Republik abgelegt und werden seither häufig ausgewählt. Wenn es um das Thema Schule und Corona geht, bekommt der Leser und Fernsehzuschauer so immer wieder die Unterhachinger Q12 zu sehen: in den Tageszeitungen genauso wie im Heute-Journal und den Tagesthemen. Im Vordergrund ist stets der junge Mann mit dem roten Kapuzenpulli und der blauen Maske: Jens Schmidt.

Jens Schmidt Unterhaching LMGU

So sieht Jens Schmidt ohne Maske aus. Der 18-Jährige aus Unterhaching, hat in diesem Jahr am Lise-Meitner-Gymnasium Abitur gemacht. Inzwischen studiert er Mechatronik.

(Foto: privat)

SZ: Es gibt Fotos, die immer wieder gezeigt werden, berühmtes Beispiel sind die Bauarbeiter bei der Brotzeit auf dem New Yorker Hochhaus. Hätten Sie gedacht, dass Sie als Corona-Schüler in die Geschichte eingehen?

Jens Schmidt: Natürlich nicht. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Wir haben zwar erfahren, dass die Presse mit dem Herrn Piazolo an unsere Schule kommt. Aber dass das genau in meiner Klasse passiert und dann dieses Foto entsteht, das jetzt fast täglich wieder neu in den Medien zu finden ist, immer wieder in den Nachrichten und auch online gezeigt wird, ist schon irgendwie witzig.

Werden Sie auf das Foto angesprochen?

Nicht von Unbekannten, von Bekannten natürlich oft. Auch von den ehemaligen Mitschülern haben das viele gesehen. Manche Familienmitglieder und Freunde wussten auch nicht, dass das Bild gemacht wurde. Die dachten sich dann: Den kennen wir doch irgendwoher, das könnte der Jens sein. Ja, man wird schon angesprochen, aber eben nur von Leuten, die man kennt.

Sind Sie froh, dass Sie auf dem Bild eine Maske tragen und deshalb nicht so schnell erkannt werden?

Ach, mich stört das nicht. Selbst wenn mich dann irgendwer anderes erkannt hätte, hätte ich auch kein Problem gehabt.

Aber nach Autogrammen sind Sie noch nicht gefragt worden?

Nein. (lacht) Noch nicht.

War das eigentlich echter Unterricht damals oder ist das Foto gestellt?

Das war wirklich Unterricht. Die Lehrkraft hatte gerade ihre Einführung gehalten, da kamen die Leute von der Presse und vom Fernsehen direkt in unser Klassenzimmer und haben die Aufnahmen gemacht. Es war in der allerersten Stunde, die wir direkt nach der Corona-Pause hatten. Die ist wirklich so abgelaufen.

© SZ vom 29.09.2020/vewo
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