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Unterföhring:Föhringer Ring - Ende des Stillstands in Sicht

Stau am Föhringer Ring in München, 2013

Geduldsprobe: Tausende Pendler können sich auf ein Ende des Dauerstaus auf dem Föhringer Ring freuen.

(Foto: Florian Peljak)

München, Unterföhring und der Freistaat einigen sich bei den Kosten für den vierspurigen Ausbau des Föhringer Rings

Was seit Jahren viele Tausende Pendler und unzählige Kommunalpolitiker im Münchner Norden nervt, neigt sich dem Ende zu: Bis spätestens 2025 soll der Föhringer Ring vierspurig ausgebaut sein. Sowohl Unterföhring als auch die Stadt München werden dem Freistaat Bayern, der Baulastträger der wichtigen Verkehrsader ist, jeweils einen "Interessensbeitrag" von jeweils fünf Millionen Euro überweisen, damit das Vorhaben nach langer Zeit des Wartens zügig realisiert wird. Das sind zusammengenommen gut 20 Prozent der geschätzten Kosten in Höhe von mehr als 52 Millionen Euro. Der Unterföhringer Gemeinderat hat am Donnerstagabend die Mittel freigegeben; der Münchner Stadtrat wird voraussichtlich in seiner Juli-Sitzung sein Plazet geben. Baubeginn: 2018.

Das Vorgehen wurde in einem Spitzengespräch am 9. Juni zwischen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Unterföhrings Rathauschef Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) vereinbart. "Wir haben als Gemeinde einiges bewegen können", sagte der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend. Kemmelmeyer hat seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren Hartnäckigkeit bewiesen. Bei jedem Termin mit einem Vertreter der bayerischen Staatsregierung hatte er den Ausbau des Flaschenhalses gefordert. Auch die in Unterföhring ansässigen großen Unternehmen hatten sich in Kooperation mit dem Rathaus an das Innenministerium gewandt und sich für die Ertüchtigung des Föhringer Rings stark gemacht.

Seit Ende Februar steht nun fest, dass die Verkehrsader über die Isar ausgebaut wird - nach Jahren des Stillstands. Jeden Morgen und Abend stauen sich die Autos auf der Ost-West-Verbindung über den Mittleren Isarkanal und die Isar kilometerweit. Davon betroffen sind viele Beschäftigte der Firmen in den Gewerbegebieten von Unterföhring und Ismaning sowie in den Stadtteilen Bogenhausen, Schwabing und Freimann. Wenn alles steht, ist auch für die Busse kein Durchkommen mehr.

Seit Jahrzehnten ein Thema

Diskutiert wird der dringend nötige Ausbau dieser wichtigen Ader im Verkehrsnetz von Stadt und Landkreis bereits seit den Neunzigerjahren; seit 2004 gibt es einen gültigen Planfeststellungsbeschluss zur Erweiterung auf vier Spuren. Doch in den vergangenen Jahren ist in dieser Hinsicht nichts passiert, außer dass durch den anhaltenden Zuzug und die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen die Blechlawinen auf dem Föhringer Ring immer noch dichter werden. Zwei Dinge haben die Umsetzung des Projekt nun offenbar beschleunigt: das große Planungsgebiet der Stadt München im Nordosten und die Baufälligkeit der Herzog-Heinrich-Brücke. Der Verkehr ist in diesem Bereich seit Jahren wegen der Schäden an dem großen Bauwerk gebremst. Maximal 50 Kilometer pro Stunde sind erlaubt.

Einen Zeitplan für die Realisierung des vierspurigen Ausbaus gibt es nach den Worten den Unterföhringer Bürgermeisters bereits: 2018 soll mit der Rodung an der Strecke begonnen werden, 2019 startet der Bau der neuen Brücke, sechs Jahre später soll der Verkehr dann auf vier Spuren rollen können. Auf Münchner Stadtgebiet liegen 1,4 Kilometer des Rings, 900 Meter gehören zur Gemeinde Unterföhring. Beide Kommunen wollen sich nun mit jeweils fünf Millionen Euro am Ausbau beteiligen, obwohl es sich beim Föhringer Ring um eine Staatsstraße handelt, für die der Freistaat zuständig ist - und auch alles bezahlen müsste.

"Wenn wir uns nicht bekennen, dann würde die neue Brücke nur zweispurig, und damit wohl auch der Ring ", sagt Kemmelmeyer. Der Interessenbeitrag sei haushalts- und kommunalrechtlich zulässig. Während CSU und PWU im Gemeinderat zustimmten, lehnten SPD und Grüne das Vorgehen ab. Mit dem Hinweis, dass der Freistaat alles zahlen soll, so SPD-Sprecher Philipp Schwarz, und dass mehr Straßenbau nicht die Verkehrsprobleme löst, wie Johannes Mecke (Grüne) kritisierte.

© SZ vom 24.06.2017/sab

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