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München:Sorge um städtische Oase

Grüne und ÖDP protestieren vergeblich gegen fortgeschrittene Baupläne

[ORTSMARKE]Unterschleißheim[/ORTSMARKE] - Für die geplante neue städtische Wohnanlage an der Unterschleißheimer Kiebitzstraße plant der Stadtrat schon die Flurgrößen und die WC-Fenster. Anderseits haben Grüne und ÖDP, flankiert vom Bund Naturschutz, nun ein komplettes Ende der Planung gefordert. Mit der bevorstehenden Bebauung werde wieder eine bedeutsame grüne Oase in der Stadt geschleift. Das fragliche Grundstück an der Südlichen Ingolstädter Straße ist das Bindeglied zwischen zwei kleinen Waldstücken. Deswegen hatte sich an den hinterliegenden Parzellen weiter östlich am Kiebitzweg schon mal ein jahrelanger Rechtsstreit entzündet. Ergebnis damals: Die Wohnanlage durfte - gegen den Willen der Stadt - gebaut werden.

Der Begründung damals war bereits zu entnehmen, dass auch das vorgelagerte Grundstück bebaut werden dürfe. Die Stadt ging daraufhin in die Offensive und kreierte für die rund 2800 Quadratmeter große Parzelle gemeinsam mit dem Eigentümer eine Wohnbebauung mit vier Blöcken, bei der das Rathaus über das Instrument der "Sozialen Bodennutzung" einen Teil der Fläche überschrieben bekam.

Darauf soll nun eine Anlage für städtische Bedienstete mit 13 Wohnungen entstehen, der erste Bauplan scheiterte nur an der totalen Unzufriedenheit im Bauausschuss des Stadtrats. Während das Haus schon geplant wird, schafft das Rathaus parallel aber erst noch die baurechtlichen Voraussetzungen. Und in diesem Verfahren hat der Bund Naturschutz nun kategorischen Protest eingelegt.

Der BN greift die seinerzeitige Debatte auf und findet, das Grundstück sollte eher zu dem Biotop zurückgebaut werden, zu dem es sich vor einer Kahlschlagaktion vor Jahren entwickelt hatte. Mindestens aber müsse der Baumbestand erhalten und die Fläche als Landschaftsverbindung dürfe zwischen den Waldflächen höchstens behutsam bebaut werden. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) lehnte diese von Grünen und ÖDP unterstützte Neuorientierung ab. Katharina Bednarek (SPD) sah im Schwenk von Grünen und ÖDP, die bisher die Planung mitgetragen hatten, "reinen Wahlkampf", Martin Reichart (FB) nannte es "unredlich".

Jürgen Radtke (Grüne) verwies dagegen auf eine völlig neue Dimension des Verfahrens. So hat das Landratsamt angemerkt, dass mit dem Bauleitplan für das Grundstück faktisch eine Baumöglichkeit für die nördlich angrenzende Parzelle geschaffen werde, die heute flächendeckend mit Bäumen bestanden ist. "Da droht massive Gefahr", mahnte Radtke. Böck tat alle Gedanken über das Grundstück jenseits der Kiebitzstraße als "Mutmaßung" ab. Er halte jedenfalls "Nachverdichtung im Innenbereich für deutlich besser als immer neue Flächen draußen zu erschließen."

Bednarek erinnerte daran, dass die Stadt "über ein Jahrzehnt für das Biotop gekämpft" habe. Nach dem Urteil könne es nur noch darum gehen, die Entwicklung zu gestalten. Empört zeigte sich der BN auch über die anstandslose Fällung der meisten der sieben geschützten Bäume auf dem Grundstück. Fünf Eichen, eine Esche und eine Linde müssen gefällt werden, dies ist nach Ansicht der Stadtverwaltung "unumgänglich". Allerdings würden die Bäume durch fünf Neupflanzungen auf dem Grundstück ausgeglichen.

Für den BN eine völlig untaugliche Kompensation. Unterschleißheim habe "im bebauten Bereich nicht mehr viele Bäume dieser Größenordnung", wird angemahnt. Ein neuer Baum erreiche nicht ansatzweise die Wirkung dieser alten Riesen. "Was ist mit dem Stadtklima, der Anpassung an die Folgen des Klimawandels?", schreibt die BN-Ortsvorsitzende Birgit Annecke-Patsch in einem Aufschrei zur Stadtratsentscheidung. Gegen Grüne und ÖDP haben CSU, SPD und FB mit elf zu zwei Stimmen den Bauleitplan genehmigt. Parallel wurde der überarbeitete Bauplan für das städtische Haus gebilligt.

[AUTOR_ENDE]Klaus Bachhuber[/AUTOR_ENDE]