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SEM Nordost:Aschheimer SPD kritisiert Pläne für neues Quartier

Genossen aus dem Umland schreiben wegen Münchner Entwicklungspläne an den Stadtrat

Für 30 000 Menschen wollen Grüne und SPD in der Landeshauptstadt München im Nordosten der Stadt möglichst günstigen Wohnraum schaffen. So geht es aus ihrem Koalitionsvertrag hervor. Doch die Genossen im Landkreis sehen dieses Ziel kritisch. Deshalb wenden sich nun die SPD-Ortsvereine Aschheim und Unterföhring in einem offenen Brief an den Stadtrat. Darin warnen sie vor "katastrophalen Folgen" für ihre Gemeinden, wenn die Baumaßnahmen unzureichend geplant würden - etwa was den öffentlichen Nahverkehr und die Grünflächen betrifft.

Seit mehr als zehn Jahren denkt die Stadt darüber nach, wie sie ein neues Quartier zwischen Johanneskirchen, Daglfing und Riem entwickeln könnte. Insgesamt sollen mit dieser Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) 600 Hektar bebaut werden. Eine grobe Idee, wie dieses Viertel aussehen könnte, gibt es seit Ende Januar: Zum Beispiel sind großzügige Grünflächen und ein Badesee enthalten. Unklar war bisher allerdings, wie viele Menschen dort einmal leben sollen.

Die Architekten entwarfen Pläne für 10 000, 20 000 und 30 000 Menschen. Dass im Koalitionsvertrag nun die Rede von 30 000 Einwohnern ist, beunruhigt den Aschheimer SPD-Ortsvorsitzenden Kevin Cobbe: "Je größer das Viertel wird, desto größer ist auch die Gefahr, dass die Verkehrsbelastung zunimmt", sagt er. Die SPD fordert in ihrem Schreiben deshalb, dass die Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr bereits besteht, wenn die ersten Menschen ihre Wohnungen beziehen. "Es wäre fatal, wenn der motorisierte Individualverkehr durch Dornach und über die bereits überlastete Kreisstraße M 3 bei Unterföhring geleitet würde", schreiben die beiden Ortsvereine. Tatsächlich sind in dem Koalitionsvertrag Pläne enthalten, um das Quartier zu erschließen. Zum Beispiel wird eine Tram über die Johanneskirchner Straße geplant und wenn die U 4 nach Englschalking verlängert wird, soll es mindestens einen Halt in dem SEM-Gebiet geben. Wann genau diese Linien realisiert werden, steht aber nicht in dem Vertrag.

Außerdem fordern die SPD-Ortsvereine in ihrem Schreiben, das "grüne Band" zwischen Aschheim und der Stadt zu erhalten, und mehr Mitsprache bei Planungen. Dafür brauche es bessere, neue Formen der Beteiligung der angrenzenden Gemeinden. Im neuen Koalitionsvertrag der Stadt taucht der Name Aschheim jedenfalls nicht auf.

© SZ vom 15.05.2020

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Von Christina Hertel

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