bedeckt München 10°
vgwortpixel

Nahverkehr in München:Empörung über monatelange Zugausfälle bei der S-Bahn

Empörung über monatelange Zugausfälle bei der S-Bahn in München

Rund 840 000 Menschen nutzen täglich die S-Bahn in München.

(Foto: dpa)
  • Die Bahn hat mitgeteilt, dass bis Dezember bei S 3 und S 8 die sogenannten Taktverstärker aus dem Fahrplan genommen werden, die in der Hauptverkehrszeit den Fahrplan auf einen Zehn-Minuten-Takt verdichten.
  • Als Gründe nennt die Bahn Bauarbeiten, längere Aufenthalte von Zügen im Werk sowie fehlende Mitarbeiter im Werkstatt-Team.
  • Bayerns Ministerpräsident Söder will nun Vertragsstrafen prüfen, die Grünen sprechen dagegen von einem Totalversagen" der Staatsregierung.

Für Landrat Christoph Göbel (CSU) ist die Ankündigung der Münchner S-Bahn, dass "zunächst bis Dezember" auf den Linien der S 3 und S 8 die sogenannten Taktverstärker ausfallen, ein "Schlag ins Gesicht". Statt der von der Staatsregierung versprochenen Taktverdichtung würden "jetzt sogar Züge gestrichen", kritisiert Göbel. Diese Maßnahme werde "den Verkehrskollaps noch weiter verstärken - und zwar auf Schiene und Straße".

Am Dienstag hatte die Deutsche Bahn angekündigt, bis Jahresende auf den viel befahrenen Ästen beider Linien in den Hauptverkehrszeiten die zusätzlichen Züge, die einen Zehn-Minuten-Takt garantieren, aus dem Fahrplan herauszunehmen. Davon betroffen sind unter anderem Tausende Pendler aus Unterhaching und Taufkirchen. Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn München, begründete diesen Schritt unter anderem mit aktuellen Bauarbeiten auf dem Werksgelände in Steinhausen, längeren Aufenthalten von Zügen im Werk sowie fehlenden Mitarbeitern im Werkstatt-Team.

Der "planmäßige Ausfall" der Taktverstärker, so Büttner, stelle sicher, dass der Grundtakt zuverlässig gefahren werden könne. Heißt konkret: Die S-Bahn verkehrt im 20-Minuten-Takt statt wie bisher im Zehn-Minuten-Takt. Zudem kündigte die Deutsche Bahn auch mögliche Ausfälle auf der S 2 sowie der S 20 an.

Verkehr in München Flickschusterei statt einer Vision
Münchner S-Bahn

Flickschusterei statt einer Vision

In Zeiten der Klimadebatte sollte kräftig in die S-Bahn investiert werden. Doch das Netz wurde nie so weitergebaut, wie es notwendig gewesen wäre.   Kommentar von Dominik Hutter

Die Probleme der Bahn werden nun auch ein Fall für die Staatsregierung. "Die Bahn muss rasch ein Ersatzkonzept vorlegen. Wir erwarten eine zeitnahe Lösung für die Pendler im Großraum München", sagte der Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Münchner Merkur. "Zudem werden wir ernsthaft Vertragsstrafen gegenüber der Bahn prüfen." Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) mahnte: "Die Situation ist so nicht hinnehmbar. Wir dringen darauf, dass seitens der Bahn die vertraglich vereinbarten Takte eingehalten werden." Markus Büchler, Landtagsabgeordneter der Grünen und Mitglied im Verkehrsausschuss des Landtags, spricht dagegen von einem "Totalversagen" der Staatsregierung.

"Jahrzehntelang ist nicht investiert worden und hat die CSU alles verschlafen", sagt der Oberschleißheimer. "Man kann die Wut der Pendler verstehen, aber ich hoffe, sie richtet sich nicht gegen die Mitarbeiter der S-Bahn, die ihr Möglichstes tun." Grundsätzlich, sagt Büchler, fehle es bei der Münchner S-Bahn an "rollendem Material" - also an Zügen. "Das hat zur Folge, dass wir jetzt wieder einen Schritt zurückgehen und über einen 20-Minuten-Takt diskutieren", kritisiert der Grüne. "Wir müssten aber darüber sprechen, in die Infrastruktur zu investieren, die Jobs bei der Bahn attraktiver zu machen und eine dritte Generation an Zügen zu bestellen."

Damit greift Büchler ein weiteres Argument von S-Bahn-Geschäftsführer Büttner auf. Dieser hatte ausgeführt, dass noch nicht alle Fahrzeuge des Typs "ET 420" umgebaut und für den Betrieb einsatzfähig seien. Bei diesem Fahrzeugtyp handelt es sich um die erste Generation der Münchner S-Bahnen, die sogenannten Olympia-Züge, die erstmals bei den Spielen im Jahr 1972 zum Einsatz kamen und heute noch, wie Büttner ausführt, gebraucht würden, "um die Stärke der Fahrzeugflotte zu halten". Die Züge des Modells ET 420 aber müssen unter anderem für die Leit- und Sicherungstechnik der Stammstrecke nachgerüstet werden, was sich laut Büttner deutlich aufwendiger gestaltet als ursprünglich angenommen.

Landrat Göbel will all das so nicht hinnehmen und sagt, er appelliere mit Nachdruck an S-Bahn und Freistaat, "die Situation schnell in den Griff zu bekomme und nicht nur den Status quo wieder herzustellen". Damit zielt der Landrat auf die Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ab, mit jährlichen Investitionen von 15 Millionen Euro auf allen Außenästen der Münchner S-Bahn mindestens den 20-Minuten-Tak zu realisieren - etwa auf den Streckenabschnitten von Höllriegelskreuth nach Wolfratshausen, Höhenkirchen bis Aying und Deisenhofen bis nach Holzkirchen.

Ein SZ-Leser aus Unterhaching befürchtet, die Ankündigung der Bahn, die Verstärker "zunächst" bis Dezember ausfallen zu lassen, sei "die Hintertür für einen wesentlich längeren oder gar dauerhaften Entfall" der Züge. Dem Versprechen der Bahn, auf besonders stark befahrenen Trassen wenigstens Langzüge einsetzen zu wollen, will der Unterhachinger nicht so recht glauben: Am Mittwochmorgen um 7.37 Uhr sei in Unterhaching nur ein Vollzug Richtung München eingefahren. In einer Zeit, in der auch "unglaublich viele Schüler in Richtung Stadt fahren". Seine Beobachtung: Der Zug war "folglich total überfüllt".

Verkehr in München Jetzt beginnt die anstrengende Bauphase

Zweite Stammstrecke

Jetzt beginnt die anstrengende Bauphase

Es wird laut und lästig für Passanten wie Anlieger: Hinter dem Rathaus beginnt der Bau einer neuen S-Bahnstation für die zweite Stammstrecke - zweieinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich.   Von Andreas Schubert