Die komplette Sperrung der S-Bahn-Linie S3 zwischen Giesing und Holzkirchen wird voraussichtlich noch eine Woche andauern. Wie die Deutsche Bahn am Donnerstag mitteilte, sollen von 10. Juli an „im Laufe des Tages“ wieder Züge zwischen Giesing und Deisenhofen fahren. Wer mit der Bahn noch weiter in den Süden will, muss sich eine weitere Woche gedulden. Von Donnerstag, 17. Juli, an soll die komplette Strecke der S3 wieder befahrbar und damit auch die Bayerische Regiobahn (BRB) in und aus Richtung Oberland und Mangfalltal wieder durchgängig bis München unterwegs sein.
Der Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU), in dessen Landkreis sechs Stationen des betroffenen Streckenabschnitts liegen, kritisiert unterdessen die Bahn scharf. Er bezeichnet die Ankündigung der Wiederaufnahme des Bahnverkehrs zwar als „gute Nachricht“, gleichwohl fordert er „dringend eine tragfähige Lösung, insbesondere für den Schülerverkehr“. Diese erwarte er „umgehend“.
Der Schulweg sei für viele derzeit kaum planbar. Der improvisierte Ersatzverkehr habe die Ausfälle nicht kompensieren können. „Insbesondere am Montag kam es zu chaotischen Situationen durch überfüllte Busse, fehlende Anschlüsse und massive Verspätungen. Auch viele Schülerinnen und Schüler erreichten ihre Schulen nicht rechtzeitig“, kritisiert der Landrat in einer Pressemitteilung der Behörde das Vorgehen der Bahn.
Die Bahn hatte die Verbindung vergangenen Freitag überraschend komplett gesperrt, nachdem bei einer Kontrolle schadhafte Schwellen an mehreren Weichen in Deisenhofen und Unterhaching festgestellt worden waren. Inzwischen habe die DB InfraGO, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, Baufirmen beauftragt und Materiallieferungen abgesichert, die erforderlichen Planungen für die Bauarbeiten seien abgeschlossen. In Unterhaching werden in den kommenden Tagen alle beschädigten Weichen temporär ausgebaut und vorübergehend mit geraden Schienen überbrückt.
Am Bahnhof Deisenhofen ist die Lage komplizierter
Für den Bahnhof Deisenhofen, wo die Weichen den Verkehr zwischen Hachinger Tal und der Querung zum Isartal regeln, sind die Arbeiten komplizierter. Hier werden neue Weichen benötigt. Diese müssen individuell angefertigt werden, was entsprechend lange dauern kann. Nach ersten Meldungen nach der Streckensperrung war von Ende Juli als Zeitpunkt der Wiederaufnahmen des Bahnverkehrs die Rede. Inzwischen hat die DB InfraGO offenbar einen Weg gefunden, die Produktion und Lieferung der neuen Weichen zusammen mit dem DB-eigenen Schwellen- und Weichenwerk zu beschleunigen.
Bis zum 10. Juli sind Fahrgäste weiterhin auf der gesamten Strecke auf den Schienenersatzverkehr angewiesen. Ersatzbusse fahren im 20-Minuten-Takt zwischen Holzkirchen und Giesing mit Halt an allen Stationen. Ein Zug der Bayerischen Regiobahn fährt zudem täglich einmal stündlich auf der Strecke Deisenhofen – Solln – München Hauptbahnhof. Alternativ können Fahrgäste auch von Holzkirchen mit der RB 58 nach Kreuzstraße fahren und dort in die S5 Richtung München Ost umsteigen.
Allerdings ist der Schienenersatzverkehr nicht ausreichend, um alle S-Bahn-Fahrgäste zu transportieren. Dies führt zu einer Überlastung der regulären MVV-Buslinien. Die Busse seien komplett überfüllt, teilt das Landratsamt mit. Landrat Göbel sieht die Bahn in der Verantwortung, zusätzliche Kapazitäten im Busnetz zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass der Landkreis zusätzliche Busse finanziert, weil die Bahn den Schienenersatzverkehr nicht ausreichend ausstattet“, kritisiert er. Auch habe es keine Abstimmung mit den Landkreiskommunen und dem MVV gegeben. Weder seien sie frühzeitig informiert worden noch in die Planungen zur Weichenerneuerung in Deisenhofen und Unterhaching eingebunden. Zu einem Notfallkonzept gehöre auch eine professionelle Kommunikation sowie die Einbindung aller Akteure.
DB und BRB empfehlen weiterhin allen Reisenden, sich in den Medien über den aktuellen Stand zu informieren. Informationen zur S-Bahn München finden Fahrgäste auch unter www.s-bahn-muenchen.de/aktuell. Die BRB informiert unter www.brb.de.


