Unterstützung für Münchens Olympia-Bewerbung: Bayerns Sport- und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück besucht und sich bei einem Rundgang zusammen mit Funktionären durch die verschiedenen Hallen einen Überblick über die weitläufige Sportstätte verschafft. Dort finden noch bis zum 31. August die Deutschen Meisterschaften im Sportschießen mit circa 6000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Mit Herrmanns Auftritt am Freitagnachmittag zwischen Schießständen und Sportlern will die Staatsregierung ein Zeichen setzen, dass die Spiele 2036, 2040 oder spätestens 2044 in der Landeshauptstadt und im Großraum München bestens aufgehoben wären.
Zuletzt hatten Gegner von Olympia mit diversen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Ein Bündnis aus Vertretern mehrerer Parteien stellt sich gegen die Bewerbung und hält das Nachhaltigkeitskonzept für nicht tragfähig. Die Staatsregierung dagegen steht hinter der Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt und sieht in der Austragung der Spiele eine Chance für Bayern, sich auf internationaler Bühne zu präsentieren. Am 26. Oktober steht ein Bürgerentscheid an, bei dem die Münchnerinnen und Münchner über die Bewerbung der Landeshauptstadt abstimmen werden.
Für Herrmann ist die Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück von 1972 ein Beispiel nachhaltiger Sportstättennutzung, wie er am Ende des Rundgangs über das weitläufige Gelände sagte. Die Schießanlage sei ständig überholt worden und befinde sich technisch auf der Höhe der Zeit, betonte Herrmann. Seinen Worten zufolge gibt es in München keine Ruinen als Überbleibsel der Spiele von 1972.
Das zeige, dass man bereits mit diesen Anlagen nachhaltig umgegangen sei. Herrmann wertet das als starkes Argument für die Bewerbung von München und dem Großraum. Man könne mit der „vorhandenen Substanz“ arbeiten, sagte der Minister im Gespräch mit Christian Kühn, dem Landesschützenmeister des bayerischen Sportschützenbundes, beim Rundgang. Damit habe München einen großen Vorteil seinen Mitbewerbern Berlin, Hamburg und Düsseldorf gegenüber.
Herrmann ist überzeugt davon, dass diese Form der Nachhaltigkeit der Münchner Bewerbung einen Schub geben wird. Im Umland findet das Vorhaben offenbar ebenfalls Gefallen. Auf die Frage des Sportministers, „Garching hätte nichts dagegen, gell, Herr Bürgermeister?“, konnte Jürgen Ascherl nur nicken. Der CSU-Politiker war als Stellvertreter von Rathauschef Dietmar Gruchmann (SPD) dabei und zeigte sich ähnlich beeindruckt von den vielen Sportschützen auf dem Gelände.

Die Hallen mit ihren Schießständen in Garching-Hochbrück sind seit den Olympischen Spielen durchgängig in Betrieb gewesen. Seit 1974 ist die Anlage im Münchner Norden einmal im Jahr Austragungsort für die Deutschen Meisterschaften im Sportschießen des Deutschen Schützenbundes. Zudem finden am dort angesiedelten Bundesstützpunkt über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Veranstaltungen für den Breiten- und Spitzensport statt.
Die Sportstätte in Garching-Hochbrück ist nach Angaben des bayerischen Schützenbundes die weltweit größte zivile Schießsportanlage und in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder modernisiert worden. Beim Schützenbund gibt man sich zuversichtlich für Sommerspiele: „Wir bräuchten drei bis vier Monate, dann wären wir startklar für Olympia“, sagte Stefan Hess vom Verbandsorgan Bayerische Schützenzeitung. Deutschlandweit gehen mehr als 1,3 Millionen Menschen dem Schützensport nach, davon über 500 000 allein in Bayern.
Die Ruderregattastrecke müsste saniert werden
Natürlich müsse man die Standards an die Gegebenheiten für eine Austragung der Spiele in der Zukunft anpassen, betonte Herrmann. Doch das sei problemlos zu machen. Ähnliches gelte – wenn auch mit Abstrichen – für die nahe Ruderregattastrecke in Oberschleißheim. Die Anlage ist bei Weitem nicht so gut in Schuss wie die Sportstätten der Schützen, hier müsste kräftig investiert werden. Welche Stadt schließlich ins Rennen gehen wird, will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erst 2026 entscheiden. Sollte es München werden, dann müsste sich die bayerische Landeshauptstadt unter anderem gegen Madrid und Rom durchsetzen, die ebenfalls als Kandidaten gehandelt werden.
Im Konzept für die Sommerspiele in München ist vorgesehen, die olympischen Sportstätten von 1972 zu nutzen, zuvorderst die Schießanlage in Garching-Hochbrück, die Ruderregattastrecke bei Oberschleißheim sowie das Reitstadion in Riem. Das Olympische Dorf soll in Daglfing entstehen, das durch den Ausbau der U-Bahn-Linie U4 und einen S-Bahn-Nordring angebunden wird.
Sind die Spiele vorbei, stehen die 4000 Wohnungen der Sportler nach dem Konzept den Münchnerinnen und Münchnern zur Verfügung. Nach dem Vorbild von Paris 2024 sollen Wettbewerbe beispielsweise auch in historischem Ambiente stattfinden – so könnten die Bogenschützen vor Schloss Schleißheim Maß nehmen und Schloss Nymphenburg als fürstlicher Hintergrund für die Dressurwettbewerbe dienen.

