50 Jahre Olympia:"Wir haben die Hoffnung, dass es weitergeht"

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50 Jahre Olympia: Willi Bock, dem Vorsitzendes der Rudergesellschaft, steht ein Jahr des Feierns bevor, in dem auch wieder um den Fortbestand der Regattaanlage gekämpft wird.

Willi Bock, dem Vorsitzendes der Rudergesellschaft, steht ein Jahr des Feierns bevor, in dem auch wieder um den Fortbestand der Regattaanlage gekämpft wird.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Manche wollten die Regattastrecke nach den Olympischen Spielen 1972 abreißen. Die Münchner Rudergesellschaft kämpfte dafür, dass sie bleibt. Und eigentlich kämpft sie immer noch - gerade jetzt, zum Olympia-Jubiläum.

Von Bernhard Lohr, Oberschleißheim

Es hätte nicht viel gefehlt, und die begeisterten Wassersportler hätten sich die Mühe sparen können, einen Ruderverein ins Leben zu rufen. Die im Jahr 1972 geschaffene Regattastrecke mit Bootshäusern und Tribüne in Oberschleißheim drohte ein Intermezzo zu bleiben; ein kurzes Zwischenspiel anlässlich der Olympischen Sommerspiele in München. Es gab Überlegungen, sie nach dem Großereignis abzureißen. Eine Wasserfläche wäre geblieben, für Spiel und Spaß. Aber keine Sportstätte. Doch einige hatten etwas dagegen. Als 29 Freunde des Rudersports am 29. März 1972 im Haus des Sports in München die Rudergesellschaft aus der Taufe hoben, sollte das ein Zeichen sein, dass großer Rudersport auch weiterhin in München eine Heimat hat.

50 Jahre später hält Willi Bock als Vorsitzender des Vereins mit ungebrochener Leidenschaft den Rudersport auf der ehemaligen Olympiastrecke hoch. Im Grunde kämpft der Verein heute noch um die Anlage, deren Instandhaltung lange versäumt wurde. Weder die Stadt München, der Freistaat noch der Bund fühlten und fühlen sich zuständig. Vor allem nicht als einzelne Akteure. Im Jubiläumsjahr 2022 gilt es also für den 65-jährigen Willi Bock mehr denn je, sich in die Riemen zu legen, damit die Anlage erhalten bleibt.

Er scheint dafür wie geschaffen. Er rudert mit seiner Frau im Zweier. Seit drei Jahren steht er dem Verein vor und beweist seitdem sportlichen Ehrgeiz auch auf politischem Parkett, wenn es gefragt ist. Er war Journalist bei der Abendzeitung und versteht, die Politiker richtig zu nehmen. "Wir haben die Hoffnung, dass es weitergeht", sagt Bock.

Die mittlerweile denkmalgeschützte Anlage wird zum Jubiläumsjahr bereits sachte aufgehübscht. Der asphaltierte Rundweg ist erneuert worden. Bis April werden die maroden Holzstege ersetzt. Aber das darf es nach Meinung der Ruderer nicht gewesen sein. Deshalb wollen sie Werbung in eigener Sache machen. Am 16. Juli steigt das Jubiläumsfest des Vereins, bei dem laut Bock auch gefeiert werden soll, "dass es uns gelungen ist, die Anlage zu erhalten". Am Wochenende drauf, 23. und 24. Juli, richtet die Rudergesellschaft bayerische Meisterschaften mit 54 teilnehmenden Vereinen aus. Am 11. August steigen dann auch an der Regattastrecke die European Championships, ein großes Sportfest für Profi- wie Freizeitsportler, mit denen an Olympia 1972 erinnert werden soll.

Die Aktiven von der Rudergesellschaft werden dann am Regattasee und am Olympiasee mit Ruder-Ergometern und ihren Booten ihren Sport präsentieren. Sie tun das im Schulterschluss mit den Kanuclubs und anderen, und sie tun es selbstbewusst. "Wir sind heute der erfolgreichste Verein an der Regattastrecke", sagt Bock. 450 Mitglieder zählt der. Besonders erfolgreich sei die Jugendarbeit.

In der Corona-Pandemie war Rudern phasenweise nicht möglich. 2021 im Sommer habe man wieder sanft angefangen, sagt Bock, und sei nahezu überrollt worden. 42 Neumitglieder habe man alleine bei den Erwachsenen. "Das Schöne am Rudern ist", sagt Bock, "dass es bis ins hohe Alter geht."

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