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Oberschleißheim:Vom Ascheplatz zum Kunstrasen

Dieses alte Zeitungsfoto zeigt die Gründungsmannschaft der Phönix-Fußballer aus dem Jahr 1919.

(Foto: Privat)

Die Oberschleißheimer Fußballer des FC Phönix feiern am Wochenende ihr 100-jähriges Bestehen.

Der Erste Weltkrieg war gerade mal ein Jahr vorüber, da gründeten einige Fußballfreunde, die dem damals ebenfalls noch ziemlich jungen TSV Schleißheim angehörten, am 4. August 1919 eine eigene Abteilung für ihre Sportart. Ihr erstes Spiel bestritt die Gründungsmannschaft kurz danach gegen die Truppenfliegerstaffel 21 des Schleißheimer Flughafens, es gab einen 3:1-Erfolg für die Novizen. Nun begeht der FC Phönix Schleißheim, wie der Klub seit der durchaus umkämpften Loslösung aus dem TSV im Jahre 1923 offiziell heißt, sein hundertjähriges Bestehen. Und dieses Jubiläum wird umfangreich zelebriert. Schon Ende Juni feierte der Klub eine Open-Air-Party mit rund 150 Phönix-Freunden. An diesem Wochenende geht es mit dem Festprogramm weiter.

Bereits am Freitagabend versammelten sich Mitglieder und geladene Gäste zum Festabend im Oberschleißheimer Bürgerhaus mit Blasmusik und einer "Reise durch die Jahrzehnte". Der Samstag startet mit Freundschaftsspielen der Jugendteams. Ein Blitzturnier der ersten Männermannschaft von Phönix wird um 14 Uhr angepfiffen, parallel findet von 14. 30 Uhr an ein Lebendkickerturnier statt, bei dem statt Kickermännchen Menschen an riesigen Stangen befestigt auf Torejagd gehen. Das Startgeld beträgt 15 Euro pro Sechserteam und kommt der Aktion "Oberschleißheim hilft Oberschleißheimern" zugute. Später treten im eigens aufgestellten Bierzelt die Bands "Lost Order" und "Flottn3er" auf. Für 23 Uhr ist ein Feuerwerk angekündigt.

Das achtköpfige Organisationsteam um Walter Tarin hat auch für den Sonntag ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt: Los geht es um 10 Uhr mit einem ökumenischen Festgottesdienst im Zelt und anschließendem Frühschoppen. Um 14 Uhr sind wieder die Lebendkicker an der Reihe, ein Turnier der Phönix-Reserve und der Senioren rundet den Tag ab. "Wir haben etwa zwei Jahre lang an dem Programm getüftelt, die Bands und das Zelt mussten wir rechtzeitig reservieren", sagt Walter Tarin, der früher selbst FC-Vorsitzender war und zuletzt mit dem aktuellen Präsidenten Helmut Beck an einer 160 Seiten starken Vereinschronik arbeitete.

Es ist ein umfangreicher Rückblick auf die vergangenen hundert Jahre geworden. Der Fußball, noch neu und exotisch, soll damals von den Brüdern Max und Josef Kellner, die das Kicken in München beim FC Bayern kennengelernt hatten, um 1910 in Oberschleißheim eingeführt worden sein. Der erste Aufstieg in die II. Amateurliga 1961 findet in der Chronik ebenso seinen Platz wie die Aufstiege in die Bezirksliga 1967, 1994 und 2007.

Vier Jahre verbrachte man in dieser Spielklasse, 2011 folgte der Abstieg in die Kreisliga und 2016 ging es sogar in die Kreisklasse runter. Seither verpasste man den Wiederaufstieg jeweils nur knapp. "Ich glaube schon, wir haben das Potenzial für die Bezirksliga", sagt der Ehrenvorsitzende. Mittlerweile ist auch der Unterbau wieder stabil, es gibt in jedem Jugendjahrgang eine Mannschaft. In der Gemeinde sei man fest verankert, die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Christian Kuchlbauer und dem Rathaus laufe reibungslos.

Wichtig sei, dass der Verein seit dem Umzug vom ehemaligen Klubgelände "Am Stichgartl", dem Spielort seit 1926, zurück zum seit Kriegsende nicht mehr genutzten Schleißheimer Flughafen im Juni 2003 wieder eine echte Heimat gefunden habe. "Damals drohte uns eine Zersplitterung, die erste und zweite Mannschaft spielten am Stichgartl, die Jugend und Frauen auf den Trainingsanlagen am Flughafen", sagt Tarin. Doch dann wagte man den Schritt zurück, das neue Gelände wird mittlerweile bei den Vereinsmitgliedern total angenommen, was auch am gemütlichen Klubheim liegt. Zudem hat die Anlage seit 2017 einen Kunstrasenplatz, der auf Initiative von Helmut Beck und Günter Graßl geschaffen wurde.

Getreu dem Vereinsnamen hat sich Phönix also aus einer schwierigen Situation aufgeschwungen und kann zum 100. Geburtstag dank einer infrastrukturell und sportlich vielversprechenden Situation durchaus als rüstiger Jubilar bezeichnet werden. Im Arbeitskreis "Phönix 2030" wurde zuletzt ein Leitbild für die nahe Zukunft entwickelt. Vorstand Beck drückt es im Vorwort der Vereinschronik so aus: Phönix stehe für etwas, "das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erscheint".