Leben an der Isar:Isar-Nutzer müssen Kompromisse eingehen

An der Isar treffen viele Nutzerinteressen aufeinander, wie die SZ-Serie ,Menschen am Fluss' gerade zeigt. Das reicht von der Stromerzeugung über die Fischerei bis zum Kanusport. Sind all diese Begehrlichkeiten noch unter einen Hut zu bringen, oder laufen die Verhältnisse aus dem Ruder, wie einige Naturschutzorganisationen beklagen?

Wenn alle Beteiligten bereit sind, Kompromisse einzugehen, kann der Interessenausgleich gelingen. Klar gibt es in Einzelfällen Probleme. Das Ringen mit den Kraftwerksbetreibern um Restwassermengen für den Fluss zum Beispiel ist nicht immer einfach. Wir als Behörde müssen dafür sorgen, dass Richtlinien eingehalten werden, die Stromerzeuger achten verständlicherweise auf die Rentabilität ihrer Anlagen. Immer mehr Bürger schauen ganz genau hin, was in Sachen Isar geplant und beschlossen wird. Das ist auch gut so, denn wir allein könnten gar nicht alle wichtigen Aspekte erkennen. Mancher wertvolle Baumbestand wurde schon durch die intensive Einbeziehung der Öffentlichkeit erhalten. Letztlich hatte auch der Isarplan viele Mütter und Väter; wahrscheinlich wäre er sonst nicht so gut gelungen.

Ein wichtiger Bestandteil des Isarplans war von Anfang an der Hochwasserschutz. Ist dieses Ziel erreicht worden?

So sicher wie heute war die Isar noch nie, wobei natürlich immer ein gewisses Restrisiko bleibt. Um dies zu erreichen, ist eine Menge geschehen, nur sieht man das nicht ohne weiteres. In Teilbereichen hat man Deiche erhöht und verstärkt, Uferbefestigungen entfernt und sogenannte schlafende Ufersicherungen eingebaut. Auf Höhe des Tierparks wurde sogar eine Erdbeton-Dichtwand eingezogen. Ihre Feuerprobe haben die Anlagen beim Augusthochwasser 2005 mit Bravour bestanden. Als Bemessungsgrundlage hat man einen Abfluss von 1100 Kubikmeter pro Sekunde gewählt. Das ist sehr viel. Wir sind mit der Arbeit aber noch nicht am Ende. Im Zusammenhang mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie zur Überführung von Gewässern in einen guten Zustand sind noch einige Maßnahmen geplant, unter anderem muss noch an einigen Stellen die Durchlässigkeit für Fische hergestellt werden. Für manche andere sinnvolle Maßnahme ist an der innerstädtischen Isar leider wenig Platz.

Sylva Orlamünde

Sylva Orlamünde leitet das Wasserwirtschaftsamt München seit 2011. Die Behörde ist für die Entwicklung des Flusses zuständig.

(Foto: Jakob Berr)

Ferner sind Deichrückverlegungen an der mittleren Isar zwischen Oberföhring und Moosburg vorgesehen. Versteht sich, dass umfassende technische Untersuchungen vorausgehen. Schließlich soll niemand einen nassen Keller bekommen. In einzelnen Fällen kann es aber sein, dass ein Weg direkt am Ufer von der Isar zurückerobert wird und verlegt werden muss. Über solche Fragen wird leidenschaftlich diskutiert. Auch hier gilt: Ohne Kompromisse geht es nicht. Insgesamt sind wir an der Isar gut bedient; an der Donau sind die Probleme weitaus größer.

Dafür bereitet an der Isar das Geschiebe immer wieder Kopfzerbrechen.

Ein Problem, das entlang der Isar überall zu finden ist. Weil wegen des Sylvensteinspeichers zu wenig Kies im Flussbett bewegt wird, tieft sich der Fluss stellenweise bis zu zehn Zentimeter pro Jahr ein. Um diesen Prozess zu bremsen, mussten schon mehrere Sohlschwellen eingebaut werden, weitere sind geplant. Jeder Eingriff hat aber Auswirkungen auf die Unterlieger. Bei einer Besprechung demnächst werden wir die Ergebnisse der Sedimentstudie des Landesamtes für Umwelt und das weitere Vorgehen an der Isar diskutieren.

Welche Botschaft haben sie noch im Bezug zur Isar?

Zwei Botschaften. Zunächst die Bitte an die Isarliebhaber: Passt auf eure Isar auf und lasst Euch dieses Juwel nicht von einigen wenigen Unvernünftigen kaputt machen. Es wäre schade, wenn immer mehr Restriktionen für die Nutzung erlassen werden müssten. Und bitte lasst auch der Natur ihre Rückzugsräume!

Die nächste Botschaft betrifft mein Eingangsstatement: Ich möchte meine Berufskollegen in Schutz nehmen, die vor vielen Jahren die Isar kanalisiert haben. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren Energieerzeugung, der Schutz vor den verheerenden Fluten und die Sicherstellung der Schifffahrt und Flößerei eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Ökologie und Freizeitnutzung spielten damals keine Rolle. Also bitte nicht unsere Vorväter verdammen, ihr Pioniergeist war einst ausschlaggebend für die wirtschaftliche Entwicklung Münchens.

© SZ vom 14.09.2015
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