FachkräftemangelLandratsamt München wirbt mit Ballerspiel-Optik

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So sieht die Bewerbungskampagne „Next Level Team“ des Landratsamts aus.
So sieht die Bewerbungskampagne „Next Level Team“ des Landratsamts aus. Screeenshot Tiktok/Landratsamt München
  • Das Münchner Landratsamt wirbt auf Tiktok mit einer Gaming-Optik, die stark an das Ballerspiel Grand Theft Auto erinnert.
  • Die Behörde will mit der Kampagne "Next Level Team" junge Fachkräfte und Quereinsteiger für den öffentlichen Dienst gewinnen.
  • Das Landratsamt bestreitet inhaltliche Verbindungen zu Grand Theft Auto und betont, nur die Gaming-Optik ohne Gewaltinhalte zu nutzen.
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Die Kreisbehörde möchte sich als Arbeitgeber bei jungen Menschen interessant machen. In ihrer Kampagne bedient sie sich an Elementen aus der Videospielserie „Grand Theft Auto“, in der man wahllos Passanten erschießt, als Drogenkurier unterwegs ist oder einen Juwelier ausraubt.

Von Iris Hilberth und Bernhard Lohr, München

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Auf der Suche nach Fachkräften experimentieren Firmen mitunter mit ungewöhnlichen Kampagnen. Vor allem, wenn es um die Aufmerksamkeit von Nachwuchskräften, Berufsanfängern und Quereinsteiger geht, versuchen manche, jenseits von Stellenanzeigen und Jobmessen den Nerv der jungen Generation zu treffen.  Das Landratsamt München bedient sich bei seinen Rekrutierungsversuchen einer Gaming-Optik und ist seit einigen Wochen auf Tiktok aktiv. Allerdings erinnert die visuelle Anmutung dieser Kampagne sehr stark an ein bekanntes Ballerspiel.

Dem 21-jährigen Studenten aus dem Landkreis war mit Blick auf den Landratsamtsauftritt unter dem Motto „Next Level Team“  sofort klar: „Das ist GTA, also Grand Theft Auto.“ Auch der 17-jährige Auszubildende aus München kennt GTA, was übersetzt etwa „Schwerer Autodiebstahl“ heißt. Nicht nur die Schrift stimmt überein, die ganze Machart ähnelt dem Spiel des US-amerikanischen Publishers Rockstar Games.

Auf Tiktok wirbt das Landratsamt direkt mit der unübersehbaren Ähnlichkeit: „Unsere Kampagne schneller als GTA 6.“ Viele Jugendliche wissen: Version sechs von Grand Theft Auto soll im November erscheinen.  Der Azubi beschreibt den Inhalt der Serie so: „Das ist ein Gangsterspiel. Du kannst alles machen, was du willst, nur verbotene Sachen. Zum Beispiel: eine Bank ausrauben, Geschäfte ausrauben, Waffen kaufen, vom Schlagring bis zum Raketenwerfer. Autos kann man klauen. Drogenbosse ausrauben.“

Wenn man dem Gamer ein paar Minuten über die Schulter schaut, bestätigt sich, was er meint. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Gangsters, der mit einem Sportwagen durch die fiktive Stadt Los Santos rast. Er hält an, erschießt eine Frau, steigt ein, fährt weiter. Polizeisirenen erklingen im Hintergrund. Der Mann geht in eine Tankstelle, feuert eine Salve mit einem Schnellfeuergewehr ab. Mit der Beute im Auto rast er zu einem Drogenversteck. Dort stirbt er in einem Feuergefecht mit Drogenhändlern. Das Spiel ist aus.

Werbung für „Grand Theft Auto Five“ in Encinitas, Kalifornien, im Jahr  2013.
Werbung für „Grand Theft Auto Five“ in Encinitas, Kalifornien, im Jahr  2013. Mike Blake/Reuters

Auf der Webseite des Online-Games GTA heißt es: Als ein junger Straßengauner, ein ehemaliger Bankräuber und ein beängstigender Psychopath sich mit einigen der furchteinflößendsten und durchgeknalltesten Gestalten der Unterwelt, der US-Regierung und der Unterhaltungsindustrie einlassen, müssen sie eine Reihe von gefährlichen Überfällen durchziehen, um in einer skrupellosen Stadt zu überleben, in der sie niemandem vertrauen können – am allerwenigsten einander. Als Spieler oder Spielerin sucht man sich eine von vier Unternehmen aus: Biker, Führungskraft, Nachtclubbesitzer oder Waffenschmuggler.

Mit der Berufsbezeichnung „Führungskraft“ wird man im Landratsamt wohl konform gehen. Mit den anderen Angeboten dürfte es eher schwierig werden. Daher streitet die Behörde ab, dass ihre Kampagne inhaltlich irgendetwas mit „Grand Theft Auto“ gemein hätte. Zwar bestätigt eine Sprecherin: „Die visuelle Anmutung unseres Kampagnenauftritts ist so gewählt, dass sie an bekannte Ästhetiken aus der Videospiel- und Popkultur erinnert. Wir haben diesen Schritt gezielt gewählt, da diese ‚Gaming-Optik‘ bei unserer Zielgruppe bekannt ist und entsprechende Aufmerksamkeit generiert.“

Ein Plakat-Motiv der Ausbildung-Kampagne „Next Level Team“.
Ein Plakat-Motiv der Ausbildung-Kampagne „Next Level Team“. Landratsamt München

Man wolle junge Menschen dort abholen, wo sie kommunikativ unterwegs seien, und sie auf zeitgemäße Weise für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst zu interessieren. Denn oft sei es Arbeitssuchenden gar nicht bewusst, dass ihnen auch als Quereinsteiger eine Tätigkeit in der Verwaltung offenstehe. Mit seiner neuen Arbeitgebermarke wolle der Landkreis explizit um Personen außerhalb des öffentlichen Dienstes werben.

„Der Auftritt übernimmt dabei weder konkrete Inhalte noch Figuren, Szenen oder markenrechtlich geschützte Elemente eines einzelnen Spiels oder einer bestimmten Reihe“, rechtfertigt eine Sprecherin diese Art der Werbung: „Vielmehr greifen wir im Rahmen der Kampagne allgemein Assoziationen zur Spielewelt auf und nutzen typische Elemente die in zahlreichen Videospielen zu finden sind, wie beispielsweise die Auswahl von Spielcharakteren oder die typischen Bewegungen von Figuren in Videospielen.“  Selbst bei der gewählten Schriftart sieht man im Landratsamt kein Problem, auch nicht mit den Markenrechten: „Es handelt es sich um einen Open Font Type, der frei verfügbar ist.“

 Ein 16-jähriger Jugendlicher spielt das Action-Spiel „Grand Theft Auto“. 
 Ein 16-jähriger Jugendlicher spielt das Action-Spiel „Grand Theft Auto“.  Swen Pförtner/dpa

Stolz ist man im Landratsamt darauf, dass bei „Next Level Team“ auf allen Bildern und Videos ausschließlich Menschen zu sehen sind, die wirklich im Landratsamt arbeiten und „in kurzen Spielsequenzen humorvolle Einblicke in das Landratsamt geben“. Dass die Akteure in dem artverwandten Videogame hingegen wahllos Passanten verprügeln, auf sie schießen oder Autos im Verkehr in die Luft jagen und Leute foltern, sieht man zwar kritisch, ist aber überzeugt davon, damit nichts zu tun zu haben.

„Natürlich ist uns bewusst, dass verschiedene bekannte Spiele in der Öffentlichkeit immer wieder Gegenstand kontroverser Diskussionen waren und sind“, teilt die Behörde mit und versichert: „Wir haben die Wahl der Gaming-Optik für unsere Kampagne daher sowohl im Projektteam als auch mit der entwickelnden Agentur vorab intensiv und kritisch diskutiert, sowohl im Hinblick auf unsere Werte als auch auf unsere Rolle als Behörde. Dabei war von Anfang an die Maßgabe, dass unser Kampagnenkonzept und -stil ausschließlich die Anmutung und Bildsprache der Videospielwelt, nicht aber Inhalte wie Gewalt, Illegalität oder andere erzählerische Elemente aus einzelnen Spielen aufgreift.“ Es gehe im Wesentlichen darum, gemeinsam Missionen zu erfüllen, die das Team, das Landratsamt und den Landkreis voranbrächten.

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