Täglich rauschen Hunderttausende Fahrzeuge über die mehr als 430 Kilometer, die es an überörtlichen Straßen wie Autobahnen, Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im Landkreis München gibt. Der öffentliche Personennahverkehr – allen voran die S-Bahn – ist ebenfalls längst an der Kapazitätsgrenze angelangt. Der Raum für neue, innovative Konzepte wie Radschnellwege wird immer begrenzter. Wie also soll die Verkehrswende gelingen, die nicht nur den Transport von Mensch und Gütern beschleunigen, sondern auch die Lebensqualität steigern soll? Die SZ hat die Direktkandidaten der wichtigsten Parteien im Wahlkreis München-Land nach ihren Konzepten für die Mobilität der Zukunft gefragt.
Das Auto nicht verteufeln
Florian Hahn (CSU): Die Verkehrswende in und um München muss auf verschiedenen Wegen angegangen werden. Der Ausbau von Radwegen, insbesondere von Schnellradwegen wie nach Garching, gehört ebenso dazu wie der des öffentlichen Personennahverkehrs. Das verfolgen wir als CSU-Kreistagsfraktion zusammen mit unserem Landrat Christoph Göbel mit Nachdruck; hervorzuheben sind hier die Tangentialverbindungen mit den Express-Buslinien oder der U-Bahnanschluss nach Martinsried. Um weitere Optimierungen für das Umland erreichen zu können, ist die zweite Stammstrecke unabdingbar. Das heißt aber nicht, dass wir das Auto verteufeln, denn wir wissen gerade im ländlichen Raum um dessen hohe Bedeutung. Deshalb setzen wir auf Lärmschutzwände, Flüsterasphalt, Ladestationen und intelligente Verkehrsleitsystem und lassen neue Technologien wie die Otto-Bahn nicht außer Acht.
Mehr Tempo 30 in den Orten
Anton Hofreiter (Grüne): Mit einem Mobilitätsgesetz wollen wir die Verkehrswende auch rechtlich verankern. Wir stellen den Menschen mit seinen vielfältigen Bedürfnissen in den Mittelpunkt und stärken Bus und Bahn sowie den Rad- und Fußverkehr. Bei der S-Bahn setzen wir auf organisatorische Verbesserungen, die sofort wirken, und auf einen vernünftigen Ausbau der Infrastruktur. Die Mobilität der Zukunft ist CO₂-frei. Beim Pkw wird sich in den nächsten Jahren das Elektroauto durchsetzen, wodurch sich die Luftqualität stark verbessert. Die Novelle der Straßenverkehrsordnung letztes Jahr hat den Kommunen bereits mehr Möglichkeiten gegeben, zum Beispiel für mehr Tempo 30 im Ort. In einem nächsten Schritt wollen wir unseren Kommunen noch mehr Spielräume zur Verkehrssteuerung einräumen.
Deutschlandticket erhalten
Korbinian Rüger (SPD): Ich setze mich für eine nachhaltige Verkehrswende ein. Der ÖPNV muss besser und günstiger werden. Es sollte für alle Bürger im Landkreis attraktiver werden, Bus, S- und U-Bahn zu nutzen anstatt des eigenen Autos. Das ist leider aktuell oft nicht der Fall. Ich will den dauerhaften Erhalt des Deutschlandtickets. Das langfristige Ziel ist, dass der ÖPNV gesamt öffentlich finanziert wird. Außerdem brauchen wir mehr Fahrradwege. Der Autoverkehr in den Zentren muss reduziert werden, indem Parkplätze zu Grünflächen umgewandelt und autofreie Zonen ausgeweitet werden. Natürlich werden wir gerade in den ländlicheren Regionen des Landkreises aber weiter aufs Auto angewiesen sein. Hier müssen wir für eine bessere Ladeinfrastruktur sorgen, damit das in Zukunft elektrisch funktioniert.
Die freie Wahl des Verkehrsmittels
Gerold Otten (AfD): Die Verkehrspolitik muss sich an den Bedürfnissen der Bürger orientieren. Eine ideologisch geleitete Verbotspolitik, die bestimmte Verkehrsmittel bevorzugt oder diskriminiert, lehne ich ab. Im Vordergrund steht für mich die Freiheit der Bürger in der Wahl des Verkehrsmittels. Individuelle Mobilität muss dabei bezahlbar bleiben. Hier ist der motorisierte Individualverkehr die beliebteste Möglichkeit der Fortbewegung. Intelligente Technik und Stau vermeidende Verkehrsführung schützen die Umwelt. Wissenschaftlich mangelhaft belegte Maßnahmen wie Dieselfahrverbote oder Tempo-30-Regelungen auf Hauptverkehrsstraßen erreichen das nicht. Weiterhin sind der Erhalt und Ausbau von innerstädtischen Fahrspuren und Parkraum zur Vermeidung von wachsendem Verkehrschaos zu forcieren.
Dichtere Taktung und Expressbusse
Thomas Klaue (FDP): Ziel ist eine Verkehrswende, die klimafreundlich, effizient und bürgernah ist. Statt den Individualverkehr zu verteufeln, muss das ÖPNV-Angebot attraktiver werden: mehr S-Bahn- und U-Bahn-Linien, ein dichterer Takt sowie neue Expressbusse mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb tragen dazu bei. Park-and-ride-Systeme müssen flächendeckend ausgebaut werden, um Pendlerströme effizienter zu lenken. Im ländlichen Raum wird der Individualverkehr unverzichtbar bleiben. Flexible Mobilitätskonzepte wie Rufbusse können dabei eine Entlastung bringen. Wir brauchen eine Mobilitätsplattform, die alle Verkehrsmittel integriert, statt sie gegeneinander auszuspielen. So werden Nutzung und Umstiege zwischen verschiedenen Verkehrsträgern erleichtert.
Kostenloser Nahverkehr für alle
Katinka Burz (Die Linke): Die Verkehrswende braucht mehr Mut für Veränderungen! Weniger Autos, mehr Radfahren, öffentlicher Verkehr, der kostenlos für alle ist, und ein smartes, grünes System, das für alle funktioniert. Und wer weiß – vielleicht genießen wir in ein paar Jahren den Feierabend im Biergarten und sagen: „Weißt du noch, als wir im Stau standen?“
Seilbahnen als Zusatz
Otto Bußjäger (Freie Wähler): Arbeiten, Wohnen und Leben müssen zusammen geplant werden. Teile der Pendlerströme mit all ihren Problemen, wie wir sie heute kennen, wären damit vermeidbar. Bei den Straßen lautet die Devise: Wer nicht nach München will, muss auch nicht über München fahren. Mehr Güter und Personenverkehr müssen auf die Schiene. Der ÖPNV soll so angenehm und zuverlässig gestaltet werden. Erweiterung der Angebote des MVV und des Tarifgebiets sind wichtige Schritte. Förderungen für schienengebundene Systeme müssen verbessert und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Nur so kann das S-, U- und Regionalbahnsystem zeitnah verbessert werden. Seilbahnen wären günstige und leistungsstarke Zusatzsysteme.
Die SZ hat zur Bundestagswahl die Direktkandidatinnen und -kandidaten der großen Parteien nach ihren Lösungsvorschlägen zu den großen aktuellen Herausforderungen gefragt. Die Antworten zu allen Fragen und Themen finden sie hier.

