Für Zeitgenossen mit Helikopter- oder Vollkasko-Mentalität mag es überraschend klingen, aber Leben heißt, in Gefahr zu sein. Wie so vieles, wird auch dieses Zitat Friedrich Nietzsche zugeschrieben, der zwar mit mächtigem Schnurrbart, aber gewöhnlich ohne Kopfbedeckung durchs Dasein wanderte. Ohne Kopfbedeckung! Wer sich das noch traut, gerade jetzt im Sommer, zu dem muss man sagen: Hut ab! Das ist mutig. Und gefährlich.
Da freilich die meisten First-World-Menschen beschlossen haben, ohne Rücksicht auf die Rentenkasse möglichst gesund in hohe Altersbereiche vorzudringen und potenzielle Gefahren durch Existieren via Optimieren zu unterminieren, dürfte das barhäuptige Unterwegssein im Freien zwischen Mai und Oktober bald einer risikoverrückten Vergangenheit angehören.
Es reicht nicht mehr nur, sich einzucremen und große Hitze zu meiden. Es gilt, Haupt und Nacken vor Sonnenlicht zu schützen, dabei sollte man auch mittels Kappe, Helm oder Wanderhut auf der Hut sein: Beim Spazieren durch den Landschaftspark Hachinger Tal, beim Radeln auf den östlichen Ebenen von Aschheim bis Kirchheim oder auch beim Schwimmen in der Isar und im Starnberger See. In offenen Gewässern mit Bootsverkehr gilt es seit einigen Jahren als smart und fast obligat, leuchtende Badekappen zu tragen, um gesehen zu werden.
Wer weiß, vielleicht wird es in den Seen und Flüssen Oberbayerns bald so sein wie auf Skipisten, Fahrradwegen oder hinter dem Tresen von Hipster-Bars: Kaum mehr Barhäuptige zu sehen. Stattdessen Helme, Kappen und Indoor-Wollmützen. Dabei ist das nicht nur eine Frage von Sicherheit und uniformer Coolness.
Die Frage „Wie hältst du’s mit der Kopfbedeckung?“ hat auch eine sakrale Komponente. Männer, die etwa die Wallfahrtskirche Maria Eich in Planegg oder Maria-Sieben-Schmerzen in Haar betreten, sollten das – zumindest aus traditioneller Sicht – barhäuptig tun. Das geht zurück auf eine Vorgabe des Apostels Paulus, der wollte, dass Männer ihre Kopfbedeckung – zu seiner Zeit Zeichen weltlicher Herrschaft und Ehre – in Gotteshäusern abnehmen, weil dort allein Gott Ehre gebühre.
Für Frauen galt auch im Christentum früher das Gegenteil
Beträte Landrat Christoph Göbel also die Mariahilfkirche gleich neben dem Landratsamt in der Au, um dort zu beten, dass er doch nicht so schnell nach Riem umziehen muss, müsste er – wenn er sie denn trüge – seine TSV-Gräfelfing-Kappe vom Haupt nehmen. Für Frauen galt auch im Christentum früher das Gegenteil. Sie sollten ihren Kopf mit Kopftuch und Schleier verhüllen. Andere Religionen haben wiederum andere Gepflogenheiten: Wichtigstes Gebot vor dem Betreten einer Moschee ist es, die Schuhe auszuziehen, und jüdische Männer sollten eine Kippa tragen in der Synagoge.
Unabhängig davon werfen gerade viele Lokalpolitiker ihren Hut in den Ring: Eine Aufstellungsversammlung jagt die andere, Neubibergs Rathauschef Thomas Pardeller (CSU) ließ sich etwa seine erneute Nominierung als Bürgermeisterkandidat in dieser Woche bestätigen, Unterhachings Noch-Bürgermeister Wolfgang Panzer möchte sich an diesem Sonntag breite Unterstützung für seinen Antritt als Landratskandidat der SPD abholen. Und wer weiß, vielleicht versucht er im Wahlkampf mit Lokalkolorit und bairisch formulierten Weisheiten zu punkten wie: De mim Huad san guad, de mim Kappe, de san dappe.

