„Pilgern mit Herz und Geduld“ lautet das Motto der diesjährigen Aktion der Malteser-Fachstelle für pflegende Angehörige in München. Sie ist Teil des Projekts „Pilgern trotz Demenz“, das bereits zum dritten Mal stattfindet. Eingeladen sind bewegungsfreudige Menschen mit und ohne Demenz, die mit Mitarbeitern der Malteser und Mitgliedern der Seniorenpastoral der Dekanate München Südost und Südwest auf dem Münchner Jakobsweg unterwegs sein werden. Eine der Routen führt durch das Isartal, am 25. April startet die erste Tour. Im Interview erklärt Martina Watzlaw, Leiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige, warum Pilgern auch mit Demenz möglich ist – und worauf es dabei ankommt.
SZ: Pilgern ist bekanntlich gut für Geist und Körper. Worum geht es Ihnen bei der Aktion?
Martina Watzlaw: In erster Linie geht es darum, den Menschen trotz ihrer Einschränkungen zu ermöglichen, etwas in der Gemeinschaft in der Natur zu erleben. Pilgern bietet sich da an. Manche kennen es von früher. Manche kennen den Weg an der Isar. Zum Teil ist ihnen gar nicht bewusst gewesen, dass es der Münchner Jakobsweg ist. Gerade für die Münchner ist es auch ein Stück Biografiearbeit, wie man es in der Arbeit mit Menschen mit Demenz macht. Das Wichtigste ist aber, gemeinsam etwas Schönes zu erleben.
Warum ist das gemeinsame Wandern auch für Menschen mit Demenz geeignet?
Der soziale Aspekt ist wichtiger Bestandteil. Man ist aufgehoben in der Gemeinschaft, die trägt einen ein Stück weit. Auch wenn man keine Einschränkungen hat und pilgert, trägt einen unter Umständen auch jemand anderes. Manchmal braucht es Motivation an gewissen Punkten. Die Idee ist: Gemeinsam schaffen wir auch mehr. Menschen mit Demenz brauchen natürlich auch Orientierung, am besten auch Angehörige, die mitlaufen. Gemeinsam etwas Schönes zu erleben, ist gut möglich. Dabei wollen wir unterstützen, denn alleine macht es vielleicht keiner. Ich kümmere mich organisatorisch, für das Seelsorgerische sind die Kollegen vom Ordinariat dabei.
Die vier Touren verlaufen durchs Isartal. Wo führen sie entlang?
Am 25. April gehen wir von St. Jakob in München zur Wallfahrtskirche St. Maria in Thalkirchen. Am 19. Juni geht es von St. Anna in Harlaching zur Jakobuskirche in Pullach. Wir bleiben oberhalb der Isar. Einkehr ist in der Waldwirtschaft. Am 26. September geht es von der Jakobuskirche in Pullach zur Kirche Peter und Paul in Baierbrunn. Am 23. Oktober laufen wir von der Kirche Patrona Bavariae in Baierbrunn zum Kloster Schäftlarn. Dort machen wir wahrscheinlich eine Brotzeit auf Baumstämmen.

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Manch einer war vielleicht früher schon einmal an der Isar, und Erinnerungen werden geweckt. Was bewirkt das bei den Teilnehmenden mit Demenz?
Das Langzeitgedächtnis ist bei Menschen mit Demenz ja immer recht gut erhalten. Die Münchner haben die Strecke noch ganz gut im Kopf und erzählen manchmal, dass sie damals schon mit der Familie dort waren. Sie erinnern sich an Erlebnisse an manchen Stellen, da halten wir dann an. Oder sie erinnern sich, wie sie in der Isar baden waren. Es kommen verschiedenste Erzählungen von früher.
Die Strecken dauern jeweils bis zu drei Stunden. Ist das lange Laufen für Menschen mit Demenz gut machbar – manche haben ja alltägliche Bewegungsabläufe verlernt?
Bei der Demenz muss der Körper ja nicht zwangsläufig beeinträchtigt sein. Bei vielen ist nur der Kopf ein wenig langsamer, aber das Laufen funktioniert super. Genau das wollen wir ja auch ermöglichen. Dass die Leute die Bewegungsfreude, die noch da ist, ausleben können. Unser ältester Teilnehmer müsste 83 sein. Er ist wirklich fit. Er nimmt seine Walking-Stöcke mit. Seine Frau ist auch dabei.
Sie waren schon im vergangenen Jahr bei der Aktion dabei. Pilgern soll einen ja auf das Wesentliche zurückführen. Welche schönen Ereignisse haben sich ergeben?
Dass man sieht, was man gemeinsam schaffen kann. Auch Angehörige sehen manchmal: ‚Mensch, das klappt ja wirklich.‘ Wir sind so nah an München und jeder kann vorzeitig von der Tour aussteigen, dann schaffen wir aber doch gemeinsam die komplette Wegstrecke, weil wir uns die Zeit nehmen. Wir machen Pausen, wir schauen uns alle Blümchen an, wir begrüßen auch den Frühling. Das ist mal was anderes für die Menschen, raus aus dem Alltag. Man darf nicht unterschätzen, was da alles noch da ist. Viele erinnern sich auch danach noch gerne an das gemeinsame Pilgern zurück.
Müssen die Teilnehmer eine gewisse Fitness haben oder kann jeder mitgehen?
Wir machen viele Pausen und nehmen Rücksicht. Trotzdem sollten diejenigen teilnehmen, die gerne laufen. Eine Teilnahme mit Rollator und Rollstuhl ist nicht empfehlenswert.
Auf welche der vier Touren freuen Sie sich am meisten?
Auf alle. Die erste Tour ist schön, weil wir den Pilgersegen bekommen in St. Jakob. Ein Highlight ist auch der Ausklang beim Kloster Schäftlarn.
Anmelden kann man sich für die Touren, die jeweils um 9.30 Uhr beginnen, bis jeweils einen Tag vorher per E-Mail an malteser.muenchen@malteser.org und telefonisch unter 089/43608500.

