Bundestagswahl im Landkreis München:Platzhirsch mit Handicap

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Bundestagswahl im Landkreis München: Florian Hahn vertritt den Wahlkreis München-Land seit 2009 als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag und tritt bei der Wahl erneut an.

Florian Hahn vertritt den Wahlkreis München-Land seit 2009 als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag und tritt bei der Wahl erneut an.

(Foto: Claus Schunk)

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn muss sich zum ersten Mal wirklich ins Zeug legen, um sein Direktmandat zu verteidigen. Die Corona-Pandemie und eine Verletzung erschweren ihm den Wahlkampf.

Von Stefan Galler, Putzbrunn

In Sachen Bundestagswahlkampf ist Florian Hahn ja schon ein alter Hase: Seit 2009 vertritt der CSU-Politiker den Landkreis München in Berlin, er weiß, worauf es ankommt beim Kampf ums Direktmandat. Unmittelbarer Kontakt mit den Bürgern ist ihm wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass er, der Abgeordnete, für sie greifbar ist und ihre Interessen vertritt. Diesmal gestaltet sich das alles ein bisschen schwieriger als in den drei Wahlkämpfen zuvor. Das ist einerseits Corona geschuldet, durch zuletzt wieder steigende Infektionszahlen finden rund die Hälfte aller Veranstaltungen virtuell statt. "Mit fehlen praktisch anderthalb Jahre, was öffentliche Termine angeht. Normalerweise wäre doch keine Fahnenweihe vor mir sicher gewesen", sagt Hahn lachend. "Ich vermisse einfach diese direkten Kontakte mit den Menschen in meinem Heimatwahlkreis."

Und dann hat der 47-Jährige auch noch mit einem ganz persönlichen Handicap zu kämpfen, bei einem Unfall im Haushalt hat er sich den großen Zeh gleich doppelt gebrochen, in der heißen Phase des Wahlkampfes ist er mit einem klobigen Spezialschuh auf Krücken unterwegs. "Logistisch ist das alles nicht so einfach. Und wenn ich dann abends nach einem langen Tag auf den Beinen mit vielen Terminen nach Hause gekommen bin, war der Fuß doppelt so dick wie normalerweise", sagt der Putzbrunner.

Doch Hahn weiß, dass er diesmal womöglich ein bisschen mehr um sein Direktmandat kämpfen muss als bei den drei vorangegangenen Wahlen, schließlich waren die Grünen in der Wählergunst bis vor ein paar Wochen noch auf Augenhöhe mit der Union - und direkter Gegner im Wahlkreis ist kein Geringerer als der Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter. Hahns Kampfgeist ist jedenfalls geweckt: "Auch wenn zuletzt die Umfragen im Wahlkreis gut waren, nehme ich die Wahl wie immer sehr ernst und kämpfe um jede Stimme", sagt er, verweist jedoch auf die überwiegend gute Stimmung an den Wahlständen: "Die Leute sind freundlicher als 2017, als die Kontroverse Seehofer-Merkel schon viele Wähler verärgert hatte."

"Ich bin seit zwölf Jahren immer vor Ort ansprechbar."

Dass Hofreiter während des Wahlkampfes im Gegensatz zu Hahn deutlich seltener im Landkreis präsent ist, deutet der Christsoziale nur indirekt an: "Ich bin seit zwölf Jahren immer vor Ort ansprechbar, nicht nur im Wahlkampf, sondern durchgehend. Dieses Versprechen gebe ich auch für die nächsten vier Jahre."

Die abgelaufenen vier hätten durchaus schlechter laufen können für den Berufspolitiker: Er wurde nach der Regierungsbildung zusätzlich zu seinen Aufgaben im Verteidigungsausschuss europapolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie Vorsitzender der Arbeitsgruppe Angelegenheiten der Europäischen Union. "Das war eine tolle Aufgabe, gerade in so wichtigen Zeiten mit Brexit und Corona und zwischenzeitlich während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft." Außerdem ist Hahn seit 2019 stellvertretender Generalsekretär des CSU und damit einer der ranghöchsten Vertreter der Partei in Berlin. Durch diese Funktion sei er immer wieder in den engsten Kreis der Entscheidungsträger der Bundesregierung um Kanzlerin Merkel gerückt, erzählt der Abgeordnete, der auch zu den Vertrauten von CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder gehört.

Sein Standing innerhalb der Partei spiegelt sich auch in der Positionierung von Florian Hahn auf der paritätisch besetzten Landesliste der CSU für die Bundestagswahl wider, hier liegt er hinter Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und dem früheren Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich als vierthöchster Mann auf Rang sieben. Ob er sich womöglich Hoffnungen auf eine noch einflussreicherer Rolle in der nächsten Legislaturperiode macht, lässt Hahn offen: "Erst einmal müssen wir die Wahl gewinnen. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man im Spiel bleibt."

Und falls das der Fall sein sollte, will der Putzbrunner den eingeschlagenen politischen Weg weitergehen. Etwa was die Energiewende angeht. Hier sieht er im Landkreis weiterhin "Riesenpotenzial" in der Geothermie, wo alleine elf der bisher bundesweit 36 Anlagen betrieben werden. Die Regierung habe nicht zuletzt auf Betreiben der CSU das Energieeinspeisegesetz verlängert und damit die Grundlage, "auch weiterhin ganze Gemeinden mit regenerativer Energie zu versorgen". Er sieht jedenfalls die Union in Bezug auf grüne Politik keineswegs im Rückstand zu anderen Bewerbern, schon gar nicht in Bayern: "Wir sind die Nummer eins in Deutschland bei Wasserkraft und Solarenergie, sowie bei klimafreundlicher Mobilität und Ladeinfrastruktur." Von Verboten hält Hahn nichts, er nennt es die "sozialistische Variante", wenn die Grünen etwa den Fleischkonsum reglementieren wollen oder den Bau von Einfamilienhäusern: "Wenn du einer Verkäuferin untersagst, dass sie in den Urlaub nach Mallorca fliegen kann, dann verlierst du den Menschen."

Auch zu anderen Themen, die den Landkreis betreffen, äußert sich Hahn klar. So kann seiner Meinung nach die Wohnraumknappheit nur durch höhere Bauweise gelindert werden, er sieht dabei aber zuvorderst die Landeshauptstadt in der Pflicht. Was den immer umfangreicheren Durchgangsverkehr angeht, der vielen Gemeinden zu schaffen macht, hofft Hahn auf eine deutliche Entlastung, wenn erst der achtspurige Ausbau der A 99 fertiggestellt ist. Auch bei der Schaffung neuer Radwege habe man vor allem wegen seines Parteikollegen Christoph Göbel in dessen Funktion als Landrat "schon viel erreicht". Hahns Lieblingsthema ist und bleibt die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Landkreis München, und dabei vor allem die Zukunft von Airbus und dem Ludwig-Bölkow-Campus: "Die Fakultät für Luft- und Raumfahrt ist gegründet, nun müssen weitere Schritte folgen", sagt der Abgeordnete und verweist auf das Start-up "Isar Aerospace", das eine kleine Trägerrakete entwickelte, die Kleinsatelliten und Satellitenkonstellationen in den Weltraum befördert. Die Förderung solcher Innovationen sei absolut elementar für den Standort.

Viel Zeit für Privates bleibt nicht, auch angesichts der Pendelei zwischen Berlin und dem Landkreis München. Und so kommt sowohl das Schwimmen, wie auch das Schießen im Schützenverein Wendlstoana Putzbrunn zu Hahns Bedauern weiterhin viel zu kurz. Für eines aber nimmt sich der 47-Jährige immer gerne Zeit, wie er sagt: "Die Kinder werden größer, da gibt es schon die ein oder andere politische Diskussion innerhalb der Familie."

Alle Informationen zur Bundestagswahl im Landkreis München unter sz.de/muenchen-land.

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