Alle 20 Minuten werden in Bayern Menschen Opfer häuslicher Gewalt. In den allermeisten Fällen trifft es Frauen. Diese Häufigkeit lässt schon vermuten, dass sich das Leid auch in der Nachbarschaft abspielt. Eine aktuelle Zahl aus dem Landkreis München bestätigt das: Alleine in den knapp neun Monaten dieses Jahres ist die Interventionsstelle des Landkreises München (ILM), die Frauen und Kinder bei häuslicher Gewalt unterstützt, 335 Frauen zur Seite gestanden. 1822 Beratungsstunden kamen einer Mitteilung des Landratsamts zufolge bereits heuer in allen 29 Kommunen rund um München zusammen.
Von Unterschleißheim bis Pullach und Gräfelfing ist die ILM die Anlaufstelle für Betroffene. Sie wird auch aktiv eingebunden, wenn die Polizei im Landkreis auf problematische häusliche Verhältnisse stößt. Frauen werden auf ihre Sicherheitsbedürfnisse hin befragt und über das Gewaltschutzgesetz informiert. Speziell geht es dabei auch immer um den Schutz von Kindern. Die Beraterinnen sprechen mit Dritten, die mit Fällen in ihrem Umfeld konfrontiert sind, und halten Kontakte in einem Hilfenetzwerk bis zum Frauenhaus.
Wie nötig dies alles ist, zeigen tendenziell steigende Fallzahlen, die Tanja Böhm, die Leiterin der Interventionsstelle, im Jahresbericht für 2025 dokumentiert. So habe man mit 466 Fällen schon einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu 2024 (399 Fälle) und 2023 (377 Fälle) verzeichnet. Die Klientinnen seien zwischen 17 und 84 Jahre alt gewesen, das Durchschnittsalter habe 40 Jahre betragen. „In 96 Prozent der Fälle berichteten die Klientinnen von wiederholter Gewalt. Im Durchschnitt lebten sie 7,9 Jahre in der Gewaltbeziehung, circa 34,4 Prozent der Klientinnen lebten seit mehr als zehn Jahren in einer von Gewalt geprägten Beziehung.“
Wobei die Dunkelziffer in diesem Bereich hoch ist – und sich immer die Frage stellt, ob auch die Sensibilität bei dem Thema zunimmt. Darauf wies Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Präsentation der bayernweiten Zahlen für 2025 hin, als er von einem Anstieg um 256 Fälle, also 0,9 Prozent, auf landesweit 27 470 Fälle von häuslicher Gewalt berichtete. Das Spektrum umfasst körperliche, sexuelle und psychische Gewalt, sowohl innerhalb der Partnerschaft als auch innerfamiliär. Auch Gewalt im Zusammenhang mit ehemaligen Partnerschaften gehört dazu.
Das Beratungsangebot der ILM ist kostenlos, vertraulich und kann auf Wunsch anonym in Anspruch genommen werden. Die Stelle bietet unter anderem telefonische und persönliche Gespräche, Hilfe in Krisensituationen und Informationen zum Gewaltschutzgesetz an. Auch die Beratung von Kindern und Jugendlichen sowie Präventionsarbeit gehören zu ihren Aufgaben. Im laufenden Jahr wurden laut ILM 92 Kinder und Jugendliche in insgesamt 319 Beratungsstunden unterstützt. Zudem wurden 86 Stunden Vortragstätigkeit geleistet, um für das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren.
Die Interventionsstelle des Landkreises München hat nun neue Räume bezogen. Ab sofort finden Betroffene und Ratsuchende die Fachberatungsstelle in der Pfälzer-Wald-Straße 70, 81549 München, im Stadtteil Ramersdorf-Perlach unweit der U-Bahn-Haltestelle Obergiesing-Fasangarten. Sie ist telefonisch erreichbar unter 089/6221-12 21 (montags bis freitags, 8 bis 12 Uhr) und per E-Mail an interventionsstelle@lra-m.bayern.de.
Die ILM bittet darum, Beratungstermine vorab zu vereinbaren. Rund um die Uhr erreichen Betroffene das bundesweite Hilfetelefon unter 08000/116 016. In akuten Notfällen sollten sich Betroffene immer an die Polizei unter 110 wenden.


