Montessorischule Hohenbrunn "Mir sind die Parteiprogramme einfach viel zu lang"

Die Schüler der 9. und 10. Klasse nutzen den Tag der freien Schulen, um mit der grünen Landtagsabgeordneten Claudia Stamm zu diskutieren.

(Foto: Claus Schunk)

Am Tag der freien Schulen diskutiert die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm mit Jugendlichen über Politikverdrossenheit. Sie stößt auf unterschiedliches Interesse.

Von Marie Ludwig, Hohenbrunn

"48 Prozent Wahlbeteiligung in Hessen - ich kann das immer noch nicht ganz glauben", sagt Claudia Stamm und blickt im Stuhlkreis der 9. und 10. Klasse der Montessorischule umher. Die bayerische Landtagsabgeordnete der Grünen ist zum Tag der Freien Schulen nach Hohenbrunn gekommen. Ihr Ziel: mit den Schülern über Politik ins Gespräch zu kommen. Denn vor allem junge Menschen in Deutschland interessieren sich immer weniger für das politische Alltagsgeschehen. Doch was könnte man gegen die Politikverdrossenheit der Jugend tun? Darum soll es heute gehen.

Der Tag der freien Schulen findet in Bayern zum ersten Mal statt

Bereits am frühen Morgen geht es los: Stamm erlebt in der ersten Stunde die Freiarbeitsphase mit. "Uns ist heute wichtig, dass nicht nur die Kinder Politik nähergebracht bekommen, sondern auch die Politiker das Geschehen an einer Freien Schule besser kennenlernen", sagt Monika Nather aus dem Schulleitungsteam. Zusammen mit ihrer Kollegin Walburga Kortz freut sie sich über die neue Aufmerksamkeit. Der Tag der freien Schulen findet in diesem Jahr zum ersten Mal in Bayern statt.

Auch andere Politiker wie der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer besuchten die Klassenzimmer der alternativen Lernstätten. Er nahm sowohl an der Jan-Amos-Comenius-Grundschule als auch an einer Unterrichtsstunde im Obermenzinger Gymnasium in München teil. "Man musste mich zum Schluss fast aus dem Zimmer tragen", erzählt Gantzer und lacht. Die Kinder in der Grundschule seien unwahrscheinlich neugierig gewesen. Ganz im Gegensatz zu den Schülern der 11. Klasse des Gymnasiums: "Hier herrschte eher vornehme Zurückhaltung."

Um das Wahlrecht mit 16 entbrennt eine Diskussion

In Hohenbrunn will Claudia Stamm wissen: "Wer interessiert sich für Politik?" Zehn von zwanzig Schülern heben zaghaft den Arm. Tim ist nicht darunter. "Wenn man erwachsen ist, dann ist Politik vielleicht schon interessant, aber ich bin 15 und hab gerade nichts, was mich stört", sagt er. Ein paar lachen. Ist Politik gut zu finden vielleicht gerade out? Leon sieht das ganz anders. "Ich würde gerne jetzt schon wählen gehen", sagt der 16-Jährige. Er ärgert sich vor allem über die Prioritäten der Politiker: "Es wird über Gesetze wie die Müllsteuer abgestimmt, aber wirklich wichtige Themen - wie die Flüchtlingspolitik - werden monatelang aufgeschoben."

Die Diskussion über das Wahlrecht mit 16 ist entfacht. Forscher der Bertelsmann Stiftung haben im Dezember 2015 eine Studie veröffentlicht, die nahe legt, dass sich durch ein Wahlrecht ab 16 die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen auf bis zu 80 Prozent erhöhen ließe. Doch was könnte man im Kleinen an der eigenen Schule tun? Die Schüler beraten sich.

"Ich hab' gerade nichts, was mich stört"

Vielleicht ein Projekttag, an dem Politisches besprochen und Workshops stattfinden können. Vielleicht auch einmal in der Woche eine Stunde Politikunterricht. Emilia hat noch eine Idee: "Ich fände es gut, wenn ältere Schüler den jüngeren das Politiksystem und die Parteien erklären würden." Jasper kritisiert: "Mir sind die Parteiprogramme einfach viel zu lang." Stamm horcht auf: "Ja, das ist auch mir bewusst - da müssen wir auch als Partei dran arbeiten."

Der Austausch ist in vollem Gang. Genau deshalb habe Stamm das Zusammentreffen an der Montessorischule auch initialisiert. "Es ist kein Selbstläufer, dass Kinder mit Politik in Kontakt kommen", sagt sie und verweist auf die Dringlichkeit, jetzt an den Schulen Präsenz zu zeigen. Auch die Forscher der Bertelsmann Stiftung haben herausgefunden, dass Jugendliche, die bei ihrer ersten Wahl nicht wählen gehen würden, dies auch in den kommenden Jahren seltener tun würden, als andere.

Politische Projekttage und ein Mentorenprogramm könnten bald kommen

Dafür, dass die Schüler auf dem Laufenden bleiben, wird an der Montessorischule bereits gesorgt: "Wir diskutieren jeden Tag im Morgenkreis, was am letzten Tag auf der Welt passiert ist", sagt Camilla Smith. Die gebürtige Schottin unterrichtet Englisch und hält den Kontakt zu einer "echten" Politikerin für eine gute Sache: "Die Schüler konnten Frau Stamm heute ganz offen ihre Fragen stellen und sie hat mit ihnen auf Augenhöhe gesprochen". Durch solche Begegnungen könnten die Schüler sicherlich viel mitnehmen.

"Wir haben in den drei Stunden alle viel über Frau Stamms Arbeit gelernt", sagt Nather und nickt zufrieden. Politische Projekttage und das Mentorenprogramm von älteren Schülern für jüngere kann sie sich auch bald an ihrer Schule vorstellen.

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