Möglicher Streik zur Wiesn-Zeit:Keine Zugeständnisse an die Lokführer

Ein möglicher Streik im Nahverkehr zur Wiesn rückt immer näher: Die Gespräche zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft stocken. Die dbb kündigt gar eine "Eskalation" für die nächsten Tage an.

Marco Völklein

Als am Mittwochabend Tausende U2-Fans ins Olympiastadion wollten und in Viererreihe auf dem Bahnsteig am U-Bahnhof Münchner Freiheit standen, da hatten die vier Männer von der U-Bahn-Wache alle Hände voll zu tun. Proppenvoll waren die einfahrenden Züge, dennoch quetschten sich Fans in die Bahnen. Die vier Männer hielten den Abfahrtsbereich frei, sorgten für Ordnung. Irgendwann rollte ein nur halbvoller Zug ein - und plötzlich war der Bahnsteig leer. "Die Leitstelle hat einen Verstärkerzug geschickt", sagte einer der vier Ordner und atmet auf: "Gott sei Dank."

Möglicher Streik zur Wiesn-Zeit: Es wurde eng am Mittwochabend: Dicht gedrängt stehen Fahrgäste am Hauptbahnhof auf dem U-Bahnsteig.

Es wurde eng am Mittwochabend: Dicht gedrängt stehen Fahrgäste am Hauptbahnhof auf dem U-Bahnsteig.

(Foto: Stephan Rumpf)

Unter anderem diese Leute meint Herbert König, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), wenn er am Donnerstag davon spricht, "dass die Mehrheit unserer Mitarbeiter am Mittwoch einen tollen Job gemacht hat". An die Minderheit, also an die Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), die am Mittwoch ganztägig gestreikt hatten, richtet König erneut einen Appell: "Ich fordere die GDL auf, diesen Unsinn nicht weiter zu betreiben."

Denn Willi Russ, Vize-Chef der dbb Tarifunion, die den Tarifstreit im Auftrag der GDL führt, droht immer wieder mit einem Streik während der Wiesn - möglich sei ein Ausstand auch in den Abendstunden oder an den Wochenenden. Für die nächsten Tage kündigte Russ eine "Eskalation" an.

König dagegen macht klar: Zugeständnisse an die GDL wird es nicht geben. Das sagt auch Reinhard Büttner, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber: "Wir werden keine Kompromisse machen, die zu Lasten der Mitarbeiter oder der Unternehmen gehen." Mit der Konkurrenzgewerkschaft Verdi haben die Arbeitgeber einen Tarifvertrag abgeschlossen. Den solle die GDL akzeptieren, so Büttner.

Doch die will mehr. Die GDL stört sich vor allem an den "geteilten Diensten". Dabei sind die Fahrer erst frühmorgens im Einsatz und dann - nach einer längeren Pause - wieder am Nachmittag. Für Fahrer wie Ricardo Uhlmann, der in Germering wohnt, lohnt es sich nicht, zwischendurch nach Hause zu fahren. Er schlägt die Zeit in der Stadt tot. "Ich bin de facto 14 Stunden unterwegs, bekomme aber nur sieben bezahlt", sagt er. Dafür fordert die GDL einen Ausgleich.

Geteilte Dienste müsse jeder Fahrer mal machen, im Schnitt einen pro Woche, sagt König. Zudem gebe es 93 Fahrer, die ausschließlich diese Dienste absolvieren, "und zwar freiwillig", so König. Vor allem Alleinerziehende oder Fahrer mit Angehörigen, die gepflegt werden müssen, würden die Dienste gerne nehmen. Während der langen Pause können sie sich um die Familie kümmern. Würde man nun, wie von der GDL gefordert, einen Ausgleich zahlen, würden die geteilten Dienste zu teuer, sagt König: "Wir müssten diese dann massiv reduzieren."

© SZ vom 17.09.2010/hai
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