Modernisierung Geschichte fortschreiben

Anna Strübel, Stephan Bachter und Wolfgang Christoph (von links) nehmen Abschied vom Unterschleißheimer Stadtmuseum. Aber nur für kurze Zeit.

(Foto: Robert Haas)

Das Unterschleißheimer Stadtmuseum wagt den Aufbruch in die Moderne und wird umgestaltet. Kommendes Frühjahr soll es wieder eröffnet werden

Von Anna-Maria Salmen, Unterschleißheim

Verwinkelte Räume, in denen dicht an dicht verschiedenste historische Objekte aus allen erdenklichen Epochen ausgestellt sind - so sieht das Unterschleißheimer Stadtmuseum derzeit aus. Wer es allerdings in etwa einem Jahr besucht, wird die Sammlung wohl nicht wiedererkennen. Denn das Museum wird in den kommenden Monaten umgestaltet. Bevor es zu diesem Zweck seine Türen schließt, konnten sich die Besucher am Pfingstwochenende bei verschiedenen Aktionen von den bisher gewohnten Räumlichkeiten verabschieden. So konnten sie beispielsweise mit alten, handbetriebenen Fässern selbst Butter herstellen oder erfahren, wie anstrengend früher das Waschen von Kleidung war.

Was für diese Hausarbeiten in vergangenen Zeiten nötig war, zeigt Museologin Anna Strübel in einem kleinen Raum, vollgesteckt mit historischen Waschutensilien. Neben ihr steht eine Waschmaschine aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. In dem großen Holzbehälter befindet sich ein drehbarer Mechanismus, der die Wäsche herumwirbelt. "Da musste man das heiße Wasser per Hand einfüllen", sagt Strübel.

Eine ganze Wand ist verziert mit Regalen, auf denen sich alte Bügeleisen aus Eisen stapeln. Daneben hängen verschiedene Behälter mit den Bestandteilen früherer Waschmittel: Seife, Soda und Sand. Gerade letzteres erstaunt viele Besucher, wie Strübel sagt. Die 40-Jährige veranstaltet regelmäßig museumspädagogische Programme für Kinder und Erwachsene und zeigt ihnen dabei nicht nur, wie früher Wäsche gewaschen wurde, sondern beispielsweise auch, wie man häkelt oder mit der Hand spinnt. Strübel erklärt, wie unterschiedlich die Handarbeit im Vergleich zu heute war: "Unsere Vorfahren waren nicht dumm. Es war zwar alles anstrengender, aber sie wussten sich zu helfen."

Egal ob die historischen Waschmaschinen, eine alte Rüstung oder ein Römerbrunnen aus der Zeit um 63 nach Christus - die Ausstellungsstücke im Stadtmuseum erzählen Geschichten. Museumsleiter Stephan Bachter legt hierauf besonderen Wert. Ein Dreschflegel beispielsweise zeuge von der harten körperlichen Arbeit, die Bauern in früheren Zeiten leisten mussten. Selbst ein auf den ersten Blick einfach aussehender Klumpen Lehm könne ein Beleg für frühzeitliche Besiedlung sein. Viele Geschichten kann auch Wolfgang Christoph erzählen. Der ehemalige Kulturreferent gründete die ortsgeschichtliche Sammlung, die im Jahr 1997 zum Heimatmuseum wurde.

Im vergangenen Jahr wurde es schließlich zum Stadtmuseum umbenannt. "Er kennt jedes Objekt im Museum", sagt Bachter und lacht. Begonnen hat laut Christoph alles mit einem Mammutknochen. Schnell wuchs die Sammlung weiter, die Einwohner der Stadt brachten die verschiedensten Gegenstände. Nicht alle waren jedoch wertvoll, meint Bachter mit einem Augenzwinkern: "Vieles hätte eher auf den Wertstoffhof gehört." Häufig jedoch fanden sich echte Schätze, auch größere Sammlungen wurden aufgekauft. Nach einiger Zeit präsentierte das Museum sogar größere Ausstellungen.

Dass nun eine Umgestaltung nötig wird, liegt für Bachter auf der Hand. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, wie die Welt im Gründungsjahr des Museums ausgesehen habe: "Helmut Kohl war Kanzler, Edmund Stoiber war bayerischer Ministerpräsident. Viele Länder waren noch nicht Teil der EU. Es gab noch keine Smartphones", erinnert er sich. "Wenn man diesen Sprung von damals zu heute sieht, ist es auch an der Zeit, dass das Museum moderner wird." Zumal die Technik immer mehr Möglichkeiten biete, wie zum Beispiel Projektionen. Christoph pflichtet dem heutigen Museumsleiter bei: "Man darf in der Vergangenheit nicht hängen bleiben. Auch die Sichtweise ändert sich, und dem muss man mit der Gestaltung gerecht werden."

Für die Umgestaltung hatte Bachter große Vorstellungen, doch sein "ambitionierter Plan" wird sich seiner Aussage nach in den verwinkelten, engen Räumen nicht umsetzen lassen. "Wir werden aber das Beste daraus machen", sagt er. Sein Konzept reduziert er daher ein wenig: Drei Bereiche soll es im neuen Museum geben. Die Stadtgeschichte möchte Bachter in wenigen stellvertretenden Ausstellungsstücken darstellen. Bis in die Gegenwart soll die Sammlung reichen. Seine Idee: "Die Geschichte von Unterschleißheim in einer gewissen Zahl von Objekten."

Den zweiten Bereich soll die Sammlung Graf bilden. Die spätimpressionistischen Gemälde zeigen "Unterschleißheim, wie es einmal war", sagt Bachter. Im kleinstem Bereich sollen schließlich Geschichte und Kunst verknüpft werden: Hier werden Kunstwerke ausgestellt, die sich mit dem Handwerk auseinandersetzen. Zudem möchte der Leiter einen Teil des Museums für eigene Sonderausstellungen bereithalten. Auch außen soll die Umgestaltung stattfinden: "Wir müssen sichtbarer werden im Stadtbild", davon ist Bachter überzeugt.

"Das Museumsteam tut alles für eine zügige Wiedereröffnung des Museums und für eine baldige Präsentation der wunderbaren Gemälde aus der Stiftung von Manfred Graf", sagt der Leiter. "Allerdings sind wir beim zeitlichen Gelingen des Projekts sehr stark auf die Unterstützung durch das Bauamt der Stadt Unterschleißheim angewiesen." Wenn alles nach Plan verläuft, soll das Stadtmuseum im Frühjahr kommenden Jahres neu eröffnet werden. Ein Teil der Objekte wird während der Umgestaltung ausgelagert und kann trotz der Schließung bestaunt werden, auch die museumspädagogischen Programme werden weiterhin stattfinden.