Öffentlicher NahverkehrDeutschlandticket: „Es wird bald 89 Euro kosten“

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„Düster“ bleibe die Situation für Pendlerinnen und Pendler in München und dem Umland, bis die zweite Stammstrecke fertiggestellt wird, befürchtet MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch.
„Düster“ bleibe die Situation für Pendlerinnen und Pendler in München und dem Umland, bis die zweite Stammstrecke fertiggestellt wird, befürchtet MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Sven Hoppe/dpa

MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch hat bei einer Diskussionsrunde der IHK zum Thema Wirtschaft und Verkehr keine guten Nachrichten für Pendlerinnen und Pendler. So werde es mit der Pünktlichkeit der Münchner S-Bahn bis zur Fertigstellung des zweiten Tunnels im Jahr 2035 „düster“ aussehen.

Von Martin Mühlfenzl, München

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Für alle 13 Millionen Bus- und Bahnfahrer, die das Deutschlandticket nutzen, hat Bernd Rosenbusch gleich mal eine gute und eine schlechte Nachricht. „Für Endkunden ist das ein Superprodukt“, sagt der Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), und es werde sicher bestehen bleiben. „Es hat zu einer Revitalisierung des ÖPNV geführt.“ Aber der Preis von aktuell 58 Euro werde nicht zu halten sein. „Ich glaube, es wird bald 89 Euro kosten“, sagt er. Das würde dann wohl zur Folge haben, dass viele Pendlerinnen und Pendler in München und Umland wieder in den Zeitkartentarif wechseln.

Die Antwort auf eine weitere wichtige Frage bleibt Rosenbusch dagegen auch an diesem Abend schuldig:  Wann der Ausbau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke durch die Münchner Innenstadt fertig sein wird. Die Deutsche Bahn geht derzeit davon aus, dass eine Inbetriebnahme des zweiten Tunnels frühestens im Jahr 2035 erfolgt. „Bis dahin sieht es düster aus“, sagt der MVV-Chef über die Chancen auf Verbesserungen im Münchner Nahverkehr.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat Rosenbusch gemeinsam mit Münchens Verkehrsreferent Georg Dunkel und Landrat Christoph Göbel (CSU) am Mittwochabend zu einer Podiumsdiskussion in ihr Stammhaus eingeladen; komplettiert wird die Runde von Gregor Beiner vom IHK-Verkehrsausschuss. Dabei soll es insbesondere um Mobilität als Wirtschafts- und Standortfaktor gehen. Aus Sicht der IHK ein relevantes Thema, ist den Unternehmern doch daran gelegen, dass ihre Waren schnell zu den Kunden kommen und Mitarbeiter zuverlässig in die Firma.

Am MVV-Chef ist es, zunächst den schlechten Zustand der Münchner S-Bahn zu bestätigen, den Pendlerinnen und Pendler jeden Tag hautnah erleben. Die Unpünktlichkeit sei „dramatisch“. Der Grund: „Die S-Bahn fährt auf einem Netz, das jahrzehntelang nicht saniert worden ist.“ Laut Rosenbusch liegt die Verantwortung aber weder bei der Stadt noch dem MVV. „Das ist ja kein Münchner Problem, dass wir die Infrastruktur die letzten 20, 30 Jahre haben vergammeln lassen.“ Außerdem habe der Raum München in den vergangenen zehn Jahren 20 Prozent mehr Einwohner bekommen. Soll heißen: Das System ist am Anschlag. Das im Bau befindliche elektronische Stellwerk am Ostbahnhof, das die Deutsche Bahn als zentrale Maßnahme für mehr Pünktlichkeit und Attraktivität im Münchner S-Bahn-Netz preist, wird dem MVV-Chef zufolge „kaum Linderung“ bringen.

Wie die Mobilität der Zukunft im Großraum München aussehen könnte, diskutieren bei der Industrie- und Handelskammer IHK-Referent Gregor Beiner, MVV-Chef Bernd Rosenbusch, Münchens Verkehrsreferent Georg Dunkel und Landrat Christoph Göbel unter der Moderation von IHK-Vizepräsident Florian Schardt (von links).
Wie die Mobilität der Zukunft im Großraum München aussehen könnte, diskutieren bei der Industrie- und Handelskammer IHK-Referent Gregor Beiner, MVV-Chef Bernd Rosenbusch, Münchens Verkehrsreferent Georg Dunkel und Landrat Christoph Göbel unter der Moderation von IHK-Vizepräsident Florian Schardt (von links). Catherina Hess

Der Ton ist also gesetzt an einem Abend, an dem es auch darum gehen soll, wie die Verkehrsbeziehungen zwischen der Landeshauptstadt und dem Umland intensiviert werden können und etwa Handwerker in den Innenstädten wieder Parkraum finden. Bevor es so weit ist, zeigt Münchens Landrat unter der Moderation von IHK-Vizepräsident Florian Schardt und Gastronom Peter Inselkammer weitere Probleme beim öffentlichen Personennahverkehr auf, die weit in die Landkreise hineinreichen. So müssten Regionalbuslinien das zentral auf die Stadt ausgerichtete und in weiten Teilen noch eingleisige S-Bahn-Netz ergänzen. „Wir bemühen uns, so viele Angebote wie möglich zu errichten“, sagt Göbel.

Dies sei auch dringend notwendig, da etwa München-Land mittlerweile ein „Einpendler-Landkreis“ sei. Es fahren also täglich mehr Menschen zur Arbeit in den Landkreis als aus diesem etwa nach München. So seien etwa die mittlerweile zehn Express-Buslinien und die weiter wachsende Regionalbus-Flotte mit immer neuen Linien ein absolutes „Erfolgsmodell“. Allerdings führe der Fachkräftemangel dazu, dass Linien phasenweise nicht bedient werden könnten. Zugleich müssten die Kommunen immer mehr Geld in den stark zuschussbedürftigen ÖPNV stecken. Noch vor wenigen Jahren habe der Landkreis München zwischen acht und zehn Millionen Euro pro Jahr für den Regionalbusverkehr ausgegeben. „Inzwischen sind die Aufwendungen um die 70 Millionen Euro“, so der Landrat.

Handwerker brauchen Parkraum in der Stadt, sagt Münchens Verkehrsreferent

Wie aber wird nun die Mobilität der Zukunft in der Region aussehen? IHK-Experte Beiner bringt Elektro-Taxis ins Spiel, die als „flexible und kostengünstige Alternative“ ihren Beitrag leisten könnten. „Die richtigen Fahrzeuge gibt es, nicht aber die Infrastruktur“, schränkt er allerdings sogleich ein. Münchens Mobilitätsreferent Dunkel richtet den Blick auf den begrenzten Verkehrsraum, mit dem alle Bedürfnisse abgedeckt werden müssten: die der Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer sowie auch des Liefer- und Warenverkehrs. „Laden, liefern, leisten. Auch der Gruppe der Handwerker und Arbeiter muss Parkraum zur Verfügung gestellt werden“, sagt Dunkel.

30 Jahre nach den ersten Planungen geht endlich etwas voran: die Baustelle der U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried im August vergangenen Jahres.
30 Jahre nach den ersten Planungen geht endlich etwas voran: die Baustelle der U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried im August vergangenen Jahres. Catherina Hess

Münchens Landrat Göbel und MVV-Chef Rosenbusch denken dagegen über die Stadt-Land-Grenze hinweg. „Ich bin mir sicher, dass die Menschen immer flexibler werden in dem Wunsch, mobil zu sein“, sagt Göbel, also je nach Bedarf ganz unterschiedliche Verkehrsmittel nutzen. „Deshalb müssen wir die Angebote noch besser vernetzen, intermodal denken.“ Wie etwa mit dem ersten Radschnellweg Bayerns von der Münchner Innenstadt nach Garching. Deutschland müsse bei Verkehrsprojekten aber auch schneller werden, sagt Göbel. „Als ich Schüler war, wurde schon die U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried geplant. Jetzt über 30 Jahre später kommt sie.“ Dabei sei die Strecke nicht einmal einen Kilometer lang.

Rosenbusch sieht die Lösung insbesondere in Park-and-ride-Plätzen weit vor der Stadt, um Pendler in großer Zahl zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Den Parkplatz am Heimeranplatz im Münchner Westend bezeichnet er hingegen als „Schwachsinn“. Wie auch die Tatsache, dass es für die unterschiedlichsten Verkehrsformen gleich mehrere Apps gebe. „Wir müssen größer denken“, so Rosenbusch.

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