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Mobilität:Vier schnelle Verbindungen

Landkreis München will Fahrradverkehr durch neue Tangenten stärken

Vor fünf Jahren beschäftigte sich der Landkreis München erstmals mit der Idee, Radschnellwege zu bauen, auf denen die Menschen annähernd so schnell vorankommen sollten wie mit dem Auto. Doch noch immer ist die Realisierung der anvisierten Strecken nicht mal im Ansatz greifbar, selbst das Pilotprojekt im nördlichen Landkreis stagniert, dort kam unter anderem im Sommer 2019 ein Planfeststellungsverfahren dazwischen. Doch die politischen Gremien des Landkreises lassen nicht nach und haben nun eine weitere Stärkung des Fahrradverkehrs auf den Weg gebracht: schnelle Radwegtangenten zwischen Gemeinden am Stadtrand, die bislang vom schienengebundenen Verkehr nicht oder nur unzureichend miteinander verbunden sind.

Wie der Kreisausschuss beschloss, sollen nun vier Strecken genauer untersucht werden. "Wichtig ist, dass es schnell losgehen kann", sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Lenz-Aktas. Ihr CSU-Pendant Stefan Schelle appellierte an die Kollegen, sich nicht in weiteren "Gutachten zu zerfasern" und forderte pragmatische Entscheidungen: "Es ist Blödsinn, wenn wir uns mit schönen Strecken beschäftigen, die es noch gar nicht gibt."

Damit spielte er auf einen Vorschlag aus einer Bürgerwerkstatt an, eigens für Radfahrer eine neue Isarquerung zwischen Grünwald und Pullach zu schaffen. Schelle brandmarkte diese Idee als "sinnlos", argumentierte mit den gravierenden Höhenunterschieden der beiden Uferseiten und unterstrich, dass eine Radtangente im südwestlichen Landkreis über das Münchner Stadtgebiet führen sollte und die Isarquerung zwingend über die bestehende Großhesseloher Brücke erfolgen müsse. Landrat Christoph Göbel stimmte dem CSU-Parteikollegen zu und bezeichnete den Bau einer weiteren Querung als "naturschutzrechtlich schwierig". Der Landkreis werde aber mit den beiden Isarufergemeinden über die Möglichkeiten einer alternative Fahrradbrücke für die Zukunft sprechen.

Letztendlich wurde die Route ebenso einstimmig abgesegnet wie im Norden eine Trasse von Oberschleißheim entlang der B 471 bis zur B 13, dann dem Schleißheimer Kanal entlang östlich von Garching-Hochbrück zurück an die B 471 und dieser folgend bis Ismaning. Im südlichen und südöstlichen Landkreis führt die Route vom nördlichen Ende Grünwalds durch den Perlacher Forst nach Unterhaching, weiter über die Münchner-, Haupt- und Ottobrunner Straße nach Ottobrunn und schließlich über die Unterhachinger und Putzbrunner Straße nach Putzbrunn, von wo aus es entlang der Staatsstraße 2079 nach Norden geht, um auf dem letzten Stück bis Haar der B 471 zu folgen. Auf Anregung von Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) wurde noch angeregt, auch den Teil zwischen Haar und Ismaning auf eine vierte schnelle Radwegtangente hin zu untersuchen, um den südöstlichen und nördlichen Teil des Konzepts zusammenzuführen.

© SZ vom 29.04.2020

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