Mobilität:Teilen, fahren und überall parken

Mobilität: Normalerweise teilt Verkehrsministerin Kerstin Schreyer ihr Auto nur mit ihrem Chauffeur, zumindest, wenn sie beruflich unterwegs ist. Das Carsharing-Projekt, das in Unterhaching kürzlich startete, findet sie dennoch gut.

Normalerweise teilt Verkehrsministerin Kerstin Schreyer ihr Auto nur mit ihrem Chauffeur, zumindest, wenn sie beruflich unterwegs ist. Das Carsharing-Projekt, das in Unterhaching kürzlich startete, findet sie dennoch gut.

(Foto: Claus Schunk)

Neubiberg startet mit der Firma Sixt als dritte Gemeinde im Landkreis ein Carsharing-Pilotprojekt. Das stationsungebundene System soll das Angebot attraktiv machen. Zur Flotte gehören auch Elektroautos

Von Daniela Bode, Neubiberg

Auch in Neubiberg haben viele Haushalte ein oder sogar zwei Autos vor der Tür stehen. Würde es sich nicht lohnen, mit anderen das Auto zu teilen? Wenn dann auch Elektroautos im Einsatz sind, würde es auch die Umwelt schonen. Daher möchte die Gemeinde Neubiberg noch mehr Möglichkeiten alternativer individueller Mobilität schaffen und baut ihr Angebot zum Carsharing aus, gemeinsam mit der Firma Sixt. Der Pullacher Autovermieter wird damit nach Gräfelfing und Unterhaching in der dritten Umlandgemeinde ein sechsmonatiges Pilotprojekt für stationsunabhängiges (free-floating) Carsharing starten. Das Konzept ist überall gleich: Neubiberg beteiligt sich finanziell und übernimmt gegebenenfalls Umsatzeinbußen. Der Gemeinderat hat das Vorhaben nun mehrheitlich beschlossen. Bedenken gab es im Gremium unter anderem wegen einer möglichen Monopolstellung des Anbieters.

In Neubiberg hat man bereits die Möglichkeit, Autos zu teilen. Der örtliche Anbieter Immermobil stellt am Bahnhof ein Fahrzeug zur Verfügung, das man auch dort wieder abstellen muss. In Unterbiberg kann man etwa bei Infineon und in der Lilienthalstraße Autos der Firma Sharenow stationsungebunden nutzen. Nur ein free-floating System in der gesamten Gemeinde, bei dem Autos überall im Geschäftsgebiet abgestellt werden können, gibt es noch nicht.

"Man könnte in Unterbiberg einsteigen und das Auto in Neubiberg stehen lassen", sagte Bau- und Umweltamtsleiter Christian Einzmann der SZ und verwies darauf, dass es keine direkte Busverbindung mehr zwischen den beiden Ortsteilen gibt. Bevor Sixt seine Pilotprojekte im Landkreis startete, hatte sich noch kein Anbieter mit einem stationsungebundenen Angebot in die suburbanen Regionen rund um München gewagt.

Die Nutzung des Angebots ist klar: Im Geschäftsbereich, der mit der Gemeinde abgesprochen ist, kann man sich per App überall ein Auto ausleihen und es überall in dem Gebiet auch wieder abstellen. Man kann es von einer Minute bis zu 27 Tagen buchen. Bis zu sechs Fahrzeuge, darunter zwei Elektroautos, sollen den Bürgern zur Verfügung stehen. Die Gemeinde löst für den Pilotzeitraum für die Flotte Parkraumbeschränkungen auf und stellt dem Anbieter an der Zwergerstraße und am Rathausplatz je einen Stellplatz als Mobilitätsstation zur Verfügung. Sollte es Umsatzeinbußen geben, teilen sich Sixt und die Kommune die Kosten. Für die Gemeinde sind sie auf maximal 7500 Euro im Monat begrenzt. "Wir wollen die Kunden dazu bringen, sich kein zweites Auto zu kaufen", sagte Christina Ott von der Firma Sixt, die das Projekt vorstellte.

Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) warb dafür, das Angebot "zukunftsweisender Mobilität zu etablieren". Im Gremium gab es viel Zuspruch, aber auch Bedenken. Tobias Thalhammer (CSU) regte an, ob es ordnungspolitisch in Ordnung sei und man nicht auch andere Anbieter fragen sollte.

Reiner Höcherl (Freie Wähler) merkte an, dass der örtlichen Initiative Immermobil in der Vergangenheit zweimal eine finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde versagt wurde.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Lucia Kott lobte das Carsharing als echte Alternative zum eigenen Auto, fragte aber, warum es die Risikoübernahme brauche.

"Wir persönlich würden nicht in den suburbanen Raum gehen, wir wollen aber helfen, die Städte attraktiv zu machen", sagte Ott. Daher hätten sie gemeinsam das Risiko zu tragen. In Gräfelfing seien bisher nie mehr als 2000 oder 3000 Euro im Monat angefallen. Im Hinblick auf mögliche andere Firmen sagte Pardeller, dass "Anbieter nicht Schlange stehen". Er plädierte dafür, jetzt zu starten, zumal sie das Projekt jederzeit beenden könnten.

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