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Mobilität:MVV setzt auf Busse statt Bahnen

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Vorfahrt auf der Straße: MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch (rechts) erwärmt sich für Busse.

(Foto: Georgine Treybal)

Weil ein Ausbau des Schienennetzes viele Jahre braucht, unterstützt Geschäftsführer Bernd Rosenbusch Tangentiallinien im Landkreis. Er empfiehlt zudem mehr Komfort und besseren Service.

Die Vision hat durchaus ihren Charme: Der Fahrgast steigt in Ottobrunn in den Bus, wischt kurz über sein Smartphone, um einzuchecken, dann fährt er mit einer der neuen Tangentiallinie bis Garching, steigt dort wieder aus und streicht noch einmal übers Mobiltelefon. Der Rechnungsbetrag wird ein paar Tage später vom Konto abgebucht.

In dem Modell stecken zwei von vielen Ideen, die Bernd Rosenbusch, der Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV), im Mobilitätsausschuss des Kreistags vorstellte. Dort gab er den Kreisräten vor allem einen guten Rat: In den kommenden Jahren werde der Freistaat viele Millionen Euro in den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehr stecken. "Und da sind Sie gefordert", sagte Rosenbusch. "Einen Großteil dieser Gelder brauchen wir im Ballungsraum München."

Ohne öffentliche Mittel, so Rosenbusch, sei der ÖPNV gegen das Auto chancenlos. Der Literpreis für Benzin müsse bei 3,20 Euro liegen, um die Menschen vom Individualverkehr abzubringen. Um dem Verkehrskollaps entgegenzuwirken, bleibe daher als einzige Möglichkeit, Bus und Bahn deutlich attraktiver zu machen. Das Problem ist nach den Worten des MVV-Chefs jedoch, dass die Infrastruktur im Münchner Schienennetz seit 1972 praktisch unverändert geblieben ist. "Wer glaubt, eingleisig auf der S 7 nach Ottobrunn oder gar Aying einen guten Service anbieten zu können, dem muss ich sagen, dass das unter den aktuellen Gegebenheiten nicht zu schaffen ist."

Weil es lange dauern werde, bis diese Defizite im Schienennetz behoben sind, ist laut Rosenbusch bis dahin der Bus die maßgebliche Alternative - insbesondere auf Tangentialen wie mit einem Ringbus, der um München herumfährt. Derzeit sei man an der Ausschreibung, bereits Ende 2021 solle die Linie starten.

Busse: Schicker, sauberer, pünktlicher

Rosenbusch lobte in diesem Zusammenhang den Landkreis: Zahlreiche neue, vom Kreis finanzierte Buslinien trügen schon jetzt dazu bei, dass in den vergangenen Jahren viele Menschen ihre Fahrgewohnheiten geändert hätten. Auch die Fortschreibung des Nahverkehrsplans setze darauf. Der MVV-Geschäftsführer ermutigte die Kreisräte: "Lassen Sie nicht nach, bauen Sie Ihr Busangebot weiter aus." Wenn das Angebot größer werde, stiegen allen Erkenntnissen nach auch Nutzung und Einnahmen. Allerdings müssten auch Qualität und Komfort stimmen. "Die Busse müssen schicker, sauberer und pünktlicher werden, sonst wird sie ein Manager, der 100 000 Euro verdient, nicht annehmen."

Visionen für die Zukunft des ÖPNV hat der MVV-Chef jede Menge. Nicht nur die "Check-in-Be-Out-Technologie" zur Abrechnung, die im zweiten Quartal mit 10 000 Freiwilligen getestet werden soll. Dazu soll es bald weitere Bezahloptionen geben. Auch der Service an den Bahnhöfen soll durch präzisere Auskünfte verbessert werden, Smartphonenutzer sollen sich via App genau anzeigen lassen können, wo sich die von ihnen erwarteten Züge und Busse gerade befinden. Und der Tarifverbund soll weiter wachsen, auch das bekräftigte Rosenbusch vor den Kreispolitikern: "Zuerst wollen wir die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Landsberg in den MVV holen, später Landshut und Mühldorf und bis 2025 Garmisch-Partenkirchen und Rosenheim. Dann kann man mit einer Fahrkarte bis zum Spitzingsee oder nach Bayrischzell fahren."

Mit der im Dezember in Kraft getretenen Tarifreform ist der MVV-Geschäftsführer zufrieden. Es gebe "wenig Klagen aus dem Landkreis", was Rosenbusch auch auf den Beschluss des Kreistags zurückführt, alle Einwohner beim Erwerb eines Jahrestickets mit Nutzern aus der günstigeren M-Zone finanziell gleichzustellen. Doch vermisst Rosenbusch eine gebührende öffentliche Würdigung des Reformwerks: "Du tust Gutes und keiner dankt es Dir", sagte er im Ausschuss.

Dort äußerte sich Rosenbusch auch skeptisch zu den politischen Bestrebungen für ein 365-Euro-Jahresticket. Ein solches würde die Probleme im ÖPNV nicht lösen. "Es verursacht Kosten von 600 Millionen Euro für die öffentliche Hand, das sind Gelder, die uns für neue Angebote fehlen." Ein attraktiveres Angebot sei aber wichtiger als ein niedrigerer Preis.

© SZ vom 17.02.2020/belo
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