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Mobilität:Emissionsfrei auf dem Ring

Der Landkreis treibt gemeinsam mit Verkehrsunternehmen den Einsatz von Wasserstoffbussen voran. Schon von kommendem Jahr an könnten Fahrzeuge die Flotten der Firmen ergänzen

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Vielen gilt Wasserstoff als die Antriebstechnologie der Zukunft. Fahrzeuge, die mit Wasserstoff-Brennzellen ausgestattet sind, haben im Vergleich etwa mit reinen Elektrofahrzeugen eine deutlich höhere Reichweite, können viel schneller aufgetankt werden und rollen vollkommen emissionsfrei. Dennoch sind in Deutschland nur wenige Wasserstofffahrzeuge unterwegs, es fehlt vor allem an der notwendigen - und sehr teuren - Infrastruktur. Gerade einmal etwa 120 Wasserstofftankstellen gibt es momentan in ganz Deutschland.

Geht es nach dem Willen der Kreispolitiker im Landkreis München, soll sich das ändern. Gemeinsam mit den Kreisen Ebersberg und Landshut hat sich der Landkreis München erfolgreich als sogenannte Wasserstoffregion beim Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur im Zuge des Förderprogramms "Hyland" beworben. Ziel des Programms ist es, den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur zu regionalisieren, also die Herstellung und Verteilung des wichtigen Energieträgers vor Ort zu gewährleisten. Der Landkreis München prescht nun vor und will gemeinsam mit Busunternehmern den konkreten Einsteig in die Technologie wagen. Schon von kommendem Jahr an könnten auf ausgewählten Linien im Landkreis erste Wasserstoffbusse unterwegs sein. Es gehe dabei einerseits um eine "Dekarbonisierung" des öffentlichen Personennahverkehrs, also eine Reduzierung des CO₂-Ausstoßes, und andererseits darum, wichtige Erfahrungen mit einer Technologie zu sammeln, die im Landkreis bisher kaum eine Rolle spiele, machte Landrat Christoph Göbel (CSU) unlängst im Kreisausschuss deutlich. Die beiden Busunternehmen Ettenhuber und Geldhauser, die im Landkreis mehrere MVV-Buslinien betreiben, hätten sich in mehreren Gesprächen offen für den Einsatz von Wasserstoffbussen und den Aufbau von Wasserstofftankstellen auf ihren Betriebsgeländen gezeigt. Die aktuellen Planungen sehen den Aufbau je einer sogenannten Hydrogen-Refueling-Station (HRS) am Betriebshof der Firma Geldhauser in Hofolding in der Gemeinde Brunnthal sowie in unmittelbarer Nähe zum Betriebshof der Firma Ettenhuber im Glonner Ortsteil Schlacht im Landkreis Ebersberg vor. An jeder Tankstelle könnten bis zu 15 Wasserstoffbusse am Tag betankt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) hat der Landkreis auch die Auswahl von Linien vorangetrieben und die zu erwartenden Kosten berechnet. Eingesetzt werden könnten die ersten Busse etwa auf Trassen im südlichen Landkreis von Unterhaching über Taufkirchen bis Oberhaching oder auch auf den wichtigen Verbindungen - entsprechend der Ring-Bus-Linie um München, von Ottobrunn über Haar, Feldkirchen, Ismaning bis nach Garching.

Der Landkreis wird dabei die zusätzlich anfallenden Betriebskosten der Busse übernehmen, die Fahrzeuge selbst werden von den Busunternehmen angekauft und entsprechend durch Bund und Freistaat gefördert. Gerade angesichts der prognostizierten Ausfälle bei der Gewerbesteuer machte Landrat Göbel deutlich, der Landkreis kaufe keine eigenen Fahrzeuge. Dennoch rechnet die Verwaltung im Landratsamt mit nicht unerheblichen Belastungen für den Kreishaushalt durch die Förderung der Wasserstofftechnologie. Abhängig von der Förderleistung des Programms werden sich die Kosten auf mindestens eine Millionen Euro belaufen, ohne Subventionierung könnten sie auf bis zu 1,9 Millionen Euro steigen. Dennoch waren sich die Kreisräte einig, das Projekt unbedingt umsetzen zu wollen. Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) sagte, die Investition in diese "Zukunftstechnologie" sei unbedingt notwendig, der Landkreis könne hier ein "echter Vorreiter" werden.

Die "On-Top-Busse" sollen die Flotten der Busunternehmen ergänzen und schnellst möglich in den laufenden Betrieb integriert werden; derzeit ist vorgesehen, dass jedes Busunternehmen vorerst je bis zu fünf Fahrzeuge einsetzen soll. Doch auch der Landkreis selbst will bei der Energiewende nicht untätig bleiben und plant, die eigene Flotte im Landratsamt weiter umzurüsten. Schon heute setzt die Verwaltung in großen Teilen auf Elektrofahrzeuge, in der Tiefgarage der Behörde am Mariahilfplatz gibt es zahlreiche E-Ladesäulen. Doch der eigene Fuhrpark für die Mitarbeiter soll nach und nach weiter umgerüstet und auch durch mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge ergänz werden, so sieht es ein Kreistagsbeschluss vor.

© SZ vom 21.09.2020

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