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Mobilität:Der Norden macht Druck

Wahlkampfauftakt zum Tarifstart: SPD-Landratskandidatin Annette Ganssmüller-Maluche mit den Bürgermeistern Christoph Böck, Dietmar Gruchmann (von rechts) und Alexander Greulich (links).

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die SPD-Bürgermeister und ihre Landratskandidatin fordern weitere Verbesserungen im Nahverkehr

Alexander Greulich kommt mit einer guten Nachricht für alle Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zum Pressetermin am U-Bahnhof Garching-Hochbrück, die auch noch perfekt zum Anlass passt: Schließlich eröffnet SPD-Landratskandidatin Annette Ganssmüller-Maluche an diesem Freitag pünktlich zum MVV-Fahrplanwechsel ihren Wahlkampf. Der Ismaninger Bürgermeister berichtet also von einem fast einstimmigen Beschluss seines Gemeinderates vom Abend zuvor: "Alle Einwohner mit Hauptwohnsitz Ismaning, die eine Monatskarte für den MVV nutzen, können den Differenzbetrag zu einer entsprechenden Zeitkarte mit dem Geltungsbereich Zone M beantragen", verkündet Greulich. "Und zwar ganz egal, ob sie in Richtung Innenstadt oder zum Flughafen fahren."

Damit geht Ismaning sogar noch über den Beschluss des Kreistags hinaus, der ja nur besagt, dass allen Besitzern einer Jahreskarte, welche die Geltungsbereiche Zone M+ Zone 1 sowie Zone M+ Zone 2 umfasst, der Differenzbetrag zum M-Ticket rückwirkend erstattet wird. "Solidarität sieht anders aus, das war nur ein Teilerfolg. Aber den Rest der Problematik haben wir nun in unserer Gemeinde gelöst", so Ismanings Rathauschef.

Greulich ist nicht der einzige namhafte Unterstützer seiner Ismaninger Parteifreundin; auch die Bürgermeister der Städte Garching und Unterschleißheim, Dietmar Gruchmann und Christoph Böck (beide ebenfalls SPD), lassen es sich nicht nehmen, Position zu beziehen für Ganssmüller-Maluche. Und für eine Politik, die alles daran setzt, den Verkehr von den gerade im nördlichen Landkreis total überfüllten Straßen auf die Schienen zu bringen. "Die Nord-Bürgermeister und ich haben durch unseren Kampf für den Tarifwechsel andere nervös gemacht und Verbesserungen erreicht", sagt die Landratskandidatin und Böck ergänzt: "Es hätten insbesondere für unsere Gemeinden im Norden schlimme Verschlechterungen und höhere Preise bei den neuen Tarifen gedroht. Landrat Göbel hatte stets betont, dass hier kein Spielraum mehr bestehe." Genau das aber hätten er und seine sozialdemokratischen Mitstreiter nicht hinnehmen wollen. "Man hat die Vorteile der Reform alle geschönt und die Nachteile einfach weggelassen", sagt Greulich, deshalb sei es nötig gewesen, klar zu artikulieren, dass man die Tarifreform so nicht akzeptieren werde. Auch deswegen sei es zur Unterstützung durch den CSU-Landtagsabgeordneten Ernst Weidenbusch gekommen: "Er hat im Landtagswahlkampf 2018 gemerkt, dass das ein heikles Thema ist", so Ganssmüller-Maluche. "Und so haben wir für die Bürger in dieser sozusagen großen Koalition einiges erreicht. Aber eben nur für die Jahresticketinhaber."

Damit sei es aber noch lange nicht getan, kündigen die vier SPD-Politiker an. Nun müsse etwa an der Taktung der Züge gearbeitet werden. Dafür hapere es jedoch sowohl am Personal als auch am vorhandenen Material, beklagt Dietmar Gruchmann. "Eigentlich hätte jetzt hier in Garching der Fünf-Minuten-Takt starten sollen. Aber vielen Zügen fehlt offenbar noch die Zulassung. Andere stehen im Depot, weil sie überholt werden müssen."

Alexander Greulich prangert die fehlende Modernität im Münchner ÖPNV an: "Wir wollen einen Flughafen haben, der eines der größten Drehkreuze in Europa ist, und haben ein S-Bahn-System auf dem Stand der Olympischen Spiele von 1972." Er schaue neidvoll nach Österreich: "In Wien kommt alle drei Minuten eine Bahn, da ist Wlan an Bord, man hat es kommod, warm und sauber. Und keiner kommt mit erhöhtem Blutdruck ins Büro wie bei uns."

Sauberkeit ist auch für Christoph Böck ein Thema: "Es kann doch nicht so kostenintensiv sein, wenn man die Bahnhöfe einmal die Woche reinigt. Das ist doch auch eine Imagesache. Man steigt ja auch nicht in ein dreckiges Taxi." Greulich ergänzt: "Wir haben uns in Ismaning so für den Zustand der Bahnhöfe geschämt, dass wir die Reinigung der Toiletten jetzt selbst übernommen haben."