Mitten in Unterhaching Lallen und meckern

"Kein Alkohol unterwegs" lautet das Motto einer Aktionswoche, die am Samstag beginnt. Für ein paar junge Männer in Unterhaching kommt sie offenbar zu spät

Von Claudia Wessel

Ein meckerndes Lachen erklingt auf dem S-Bahnsteig in Unterhaching, und es ist nicht nur der seltsame Klang, der andere Fahrgäste aufschauen lässt, sondern auch die Lautstärke. Wie ein plötzlich laut aufgedrehtes Radio, das einen erschreckt. Wer genau hinschaut, sieht, was der Grund ist. Eine Gruppe von fünf jungen Männern schwankt da gemeinsam, jeder mit rotem Gesicht und einer Dose Bier in der Hand, und das um 11 Uhr vormittags.

Sie befinden sich jedenfalls sicherlich jenseits des ersten Stadiums von Alkoholgenuss, wie er unter www.aktionswoche-alkohol.de beschrieben ist: "Man fühlt sich zwangloser." Diese Wirkung tritt bei etwa 0,2 Promille ein. Die Herren hier scheinen mindestens bei 0,8 Promille zu sein: "Alle Reaktionen sind deutlich verlangsamt, etwa wie nach einer durchwachten Nacht. Sowohl der Gleichgewichtssinn als auch die Konzentrationsfähigkeit sind gestört. Gleichzeitig beginnt die Enthemmung." Letztere zeigt sich hier offenbar im Gemecker, das den ganzen Bahnsteig unterhält.

Die fünf jungen Männer sind genau das, was die vom 13. bis 21. Mai laufende bundesweite "Aktionswoche Alkohol" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, die alle zwei Jahre und heuer zum sechsten Mal stattfindet, vermeiden möchte. Denn in diesem Jahr steht sie unter der Überschrift: "Kein Alkohol unterwegs". Wer dabei sofort ans Autofahren denkt, liegt natürlich richtig. Aber nicht nur das ist damit gemeint, sondern auch auffälliges und belästigendes Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht umsonst ist das Trinken von Alkohol in U- und S-Bahn seit einigen Jahren verboten, ebenso wie seit einigen Wochen auch am Münchner Hauptbahnhof.

An jenem Vormittag schauen alle Mitreisenden die fünf Männer nur kritisch an. Im Laufe der Aktionswoche könnte das anders ablaufen. Denn die regionalen Veranstalter, also die Suchthilfe-Organisationen im Landkreis München, wollen die Menschen direkt ansprechen - "am Arbeitsplatz, in der Kirche, in der Arztpraxis oder in der Apotheke, auf dem Sportplatz oder in Einkaufspassagen." Sie werden dann versuchen, mit ihnen über ihren Alkoholkonsum zu reden. Sofern das noch möglich ist.