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Mitten in Unterhaching:Auf den Punkt gebracht

Nicht nur am "Tag der Schachtelsätze" fabrizieren Lokalpolitiker solche sehr ausgiebig in diversen Landkreisgremien

Von Iris Hilberth

Beginnen wir diese langatmige, mitunter verwirrende, auf jeden Fall aber regelrecht gewaltige Sache am besten Mal mit Edmund Stoiber, dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, der diese Kunst der Rede, sollte man das Bilden von endlos langen Sätzen denn als solche bezeichnen, so verinnerlicht hatte, dass sie ihm, sehr zum Leidwesen seiner Berater, schwer abzugewöhnen war und daher Zuhörer, besonders Hörfunkjournalisten, die anschließend O-Töne herausschneiden mussten, nicht selten zur Verzweiflung brachte, und widmen wir uns dann den Niederungen der Kommunalpolitik, wo es durchaus auch Vertreter der praktizierten Hypotaxe, also jenem aus dem Griechischen stammenden Stilmittel, gibt, die solche Schachtelsätze nutzen, um sehr komplexe Gedankengänge zu veranschaulichen und Themen detailliert darzustellen, was nicht selten wie auch schon bei Stoiber dazu führt, dass man etwa beim Verfolgen von Redebeiträgen eines Mike Seckinger, Gemeinderat der Grünen in Haar, geneigt ist, den Kopf hin und wieder kräftig zu schütteln, um den Gedankengang zu sortieren, selbst an einem Datum wie dem 25. Februar, der als "Tag der Schachtelsätze" gilt und somit solch bandwurmartige Beiträge ehrt, wie sie auch aus dem Bürgermeister von Unterhaching, Wolfgang Panzer - gerne mit dem kleinen Zusatz "und noch einmal" - bei nahezu jeder Sitzung heraussprudeln; diese Art von Sätzen also, die Mark Twain in einem Essay über den "Schrecken der deutschen Sprache" erwähnte, als er feststellte, "vor mehreren Tagen hat der Korrespondent einer hiesigen Zeitung einen Satz zustande gebracht, welcher hundertundzwölf Worte enthielt und darin waren sieben Parenthesen eingeschachtelt und es wurde das Subjekt siebenmal gewechselt" - Punkt.

© SZ vom 25.02.2021
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