Mitten in Unterhaching:16 Jahr', Infektionsgefahr

Die Jugendlichen wollen nicht als "Generation Übergewicht" in die Geschichte eingehen. Doch in Coronazeiten ist zwar das Bauen von Sandburgen erlaubt, nicht jedoch Beachvolleyball

Glosse von Iris Hilberth

Kein 16-Jähriger wünscht sich normalerweise noch mal 14 zu sein. In der Regel blickt man in dem Alter mit einem gewissen Überlegenheitsgefühl auf die Jüngeren herunter. Aktuell kann es aber passieren, dass Jugendliche diesen Altersunterschied verfluchen. Vor allem dann, wenn sie sich endlich mal wieder bewegen, sich körperlich auspowern und dabei auch noch Spaß haben wollen. Kurz: Wenn sie Sport treiben wollen.

Denn kaum eine Altersgruppe ist derzeit so zum Stillsitzen verdammt wie die Jugendlichen. Sporthallen zu, Schwimmbäder geschlossen, Plätze gesperrt. Vereinstraining gibt es seit einem halben Jahr schon nicht mehr und Schulsport nur noch online. Hatte irgendeine Generation zuvor schon mal Sportunterricht per Video? Der findet entweder gar nicht statt oder es gibt einen Film zu sehen, über Olympia zum Beispiel. Das ist in etwa so trainingsintensiv und spannend wie ein Proseminar in Sportpädagogik. Manchmal gibt der Sportlehrer noch Anweisungen zum Jonglieren oder für Yoga-Übungen. Was man halt in der Wohnung so machen kann.

Bis zu einem Alter von 14 Jahren dürfen Kinder wieder in Gruppen draußen Sport treiben. Für ältere Jugendliche hingegen ist das aktuell nur mit einer Person oder mit der Familie erlaubt. Also Joggen mit Mama und Papa oder vielleicht mal Tischtennis mit einem Freund, wenn gerade eine Platte im Park frei ist. Welcher Teenager ist schon so motiviert, sich alleine mit Krafttraining und Dauerlauf fit zu halten, um nicht als Generation Übergewicht in die Geschichte einzugehen?

Vier Jungs aus Unterhaching hatten eine Lösung gefunden: Beachvolleyball. Zwei gegen zwei. Man trifft sich im Prinzip nur mit einem, die anderen sind jenseits des Netzes weit genug weg. Die Polizei hat dieses Konzept nicht überzeugt. Mannschaftssport ist tabu, den gleichen Ball anzufassen sowieso, mahnten die Beamten und scheuchten die Jugendlichen vom Platz. Die sind empört und frustriert. Schließlich buddelten auf dem nahen Spielplatz viele Kinder mit ihren Müttern gemeinsam im Sand. Ohne Netz, ohne Abstand. Und ohne Ermahnung.

© SZ vom 04.05.2021
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