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Mitten in Unterföhring:Ein Ausfall kommt selten allein

Wenn der Wecker defekt, das Wasser eiskalt und der Strom abgestellt ist, hilft nur eins: wieder ins Bett gehen

Glosse von Sabine Wejsada

Es gibt Phasen im Leben, da sind die Tage schon kurz nach dem Aufstehen gebraucht: Los geht es damit, dass der batteriebetriebene Wecker aus den Nullerjahren mitten in der Nacht ohne Vorankündigung seinen Geist aufgegeben hat. Was das für Folgen hat, ist schnell erzählt: Alle verschlafen, weil das übliche Geläut ausgeblieben ist. Nun rächt sich eben, dass das mit allen Schikanen ausgestattete Smartphone ganz oldschoolmäßig keinen Platz auf dem Nachttischchen hat und die Alarmfunktion aus strahlungstechnischen Gründen nicht aktiviert ist.

Also Stress pur in der Früh, schnell unter die Dusche - und dann das: Es gibt kein heißes Wasser. Das, was da aus der Leitung kommt, ist dermaßen eisig, dass es wohl oder übel bei einer Katzenwäsche bleiben muss, sonst droht der nächste Kollaps nach dem Wecker-Aus. Während man beim Abtrocknen schnappatmend rätselt, ob man übersehen hat, dass der Hausmeister irgendwo im Flur einen Zettel mit einem Hinweis auf das drohende Wasserproblem aufgehängt hat, lauert schon das nächste Unbill: Stromausfall. Die Kaffeemaschine streikt, nicht mal ein Espresso im Stehen ist möglich, das Müsli gibt's heute nur mit kalter Milch. Das kann ja heiter werden.

Der Schüler wird seinen Bus schon noch erwischen, nur das mit dem Home-Office gestaltet sich problematisch. Kein Internet, kein Festnetz- und selbst das Mobiltelefon mag nicht so, wie es jetzt soll, da der Akku nur noch vier Prozent hat und ein Aufladen angesichts der äußeren Umstände gerade unmöglich ist. Also ab ins Büro, an einen Ort aus grauer Vorzeit mit funktionierenden Steckdosen und technischer Vollausstattung. Blöd nur, dass das Auto ausgerechnet heute in der Tiefgarage steht und sich das elektrische Tor ohne Strom leider nicht öffnen lässt.

Sei's drum, an Tagen wie diesen bleibt nur eins: Zurück ins Bett und schnell die Decke über den Kopf ziehen. Wer weiß, welch weitere Kalamitäten sich da draußen noch auftun mögen. Denn nach einem Nickerchen kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen.

© SZ vom 10.06.2021
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