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Mitten in Straßlach:Besuch aus dem Steuerparadies

Straßlach-Dingharting erhöht die Abgaben für Hunde. Die Tierbesitzer schauen neidvoll auf die Regeln in der Nachbargemeinde Grünwald

Kolumne Von Claudia Wessel

Wenn von Grünwald die Rede ist, dann ist man es gewohnt, von Superlativen zu hören. Die höchsten Gewerbesteuereinnahmen, der größte Haushalt, das modernste Gymnasium, die höchste Kreisumlage im Landkreis. Es gibt jedoch einen Bereich, in dem Grünwald das Schlusslicht ist. Und das ist die Hundesteuer.

Als die Gemeinderäte in Straßlach-Dingharting jetzt über eine Erhöhung dieser Steuer befinden sollten, wurde ihnen quasi als Überzeugungshilfe eine Liste der Tarife in den Nachbargemeinden vorgelegt. Grünwald eignete sich allerdings gar nicht als gutes Beispiel. Denn dort kostet jeder Hund pro Jahr nur 25 Euro Steuer, sogar der Besitz eines Kampfhundes ist für den gleichen Preis zu haben, während in allen anderen Nachbargemeinden die Summen wesentlich höher sind.

Warum aber ist das so? Aus dem Grünwalder Rathaus heißt es: "In Grünwald wird besonders der soziale Charakter bei der Haltung eines Hundes in den Vordergrund gestellt. Auch Menschen mit einem niedrigerem Einkommen und auch älteren Bürgern soll die Hundehaltung ermöglicht werden." Alle fünf angemeldeten Kampfhunde Grünwalds hätten übrigens auch ein sogenanntes Negativzeugnis, was bedeutet, dass sie charakterlich auf ihre Gefährlichkeit überprüft und für annehmbar befunden wurden.

Die soziale Komponente wurde natürlich auch in der Straßlacher Sitzung betont, trotzdem müssen Hundebesitzer im kommenden Jahr tiefer in die Tasche greifen. Der erste Hund kostet nun 60, der zweite 90, der dritte 120 Euro. Wer damit liebäugelt, sich einen Kampfhund anzuschaffen, der muss sogar satte 450 Euro mehr als bisher zahlen: Der Steuerbetrag stieg von 150 auf 600 Euro. Bisher ist in Straßlach noch kein solches Tier angemeldet. Wer das nun für Wucher hält, der schaue nur mal nach Brunnthal. Hier muss man für einen Kampfhund sogar 900 Euro im Jahr berappen.

Es sind in jedem Falle riesige Differenzen, die da klaffen zwischen Grünwald und den anderen Gemeinden. Und der parteifreie Straßlacher Bürgermeister Hans Sienerth hat auch einen Verdacht, warum das so ist. Die Steuersätze in der Nachbargemeinde seien so niedrig, weil die Grünwalder "ihre Hunde ohnehin immer auf Straßlacher Gebiet Gassi führen", sagte er in der Gemeinderatssitzung. Vermutlich sind sogar die fünf Grünwalder Kampfhunde öfters auf Straßlacher Wiesen unterwegs. Mit einer Gassi-Gebühr für Fremdhunde könnte man vielleicht Abhilfe schaffen.

© SZ vom 01.12.2020
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