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Mitten in Ottobrunn:Öffentliches Grasgeflüster

Erst eher Jusos und Grüne, jetzt auch sie: Bisher verhielt sich die Frauen-Union beim Thema Kiffen eher still. Doch nun fragt sie laut, wo der grenzenlose Rausch eigentlich seine Grenze hat. Doch wo der Spaß überhaupt anfängt, wissen sie nicht

Von martin mühlfenzl

Wenn sich Jusos oder junge Grüne dem Thema Kiffen zuwenden, ist das in etwa so, als würden die Gläubigen beim Deutschen Katholikentag tatsächlich über Glauben reden. Die 24 Jahre alte SPD-Kreisvorsitzende Bela Bach etwa hat nach ihrer Wahl im vergangenen März der Legalisierung von Cannabis einen recht prominenten Platz auf ihrer politischen Agenda verschafft - manch böse Zungen behaupten gar, die Freigabe des Kiffens könnte auf Bachs Programmliste mangels weiterer Themenfelder recht einsam dastehen.

Und jetzt muss Bela Bach auch noch um die Deutungshoheit in ihrem Kernbereich fürchten - und das ausgerechnet von ein paar Engagierten, die Hanf bisher wohl eher bei der heimischen Handarbeit verwenden. Die Frauen-Union Ottobrunn lädt für Mittwoch, 3. Februar, 19.30 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung ins Wolf-Ferrari-Haus. Die steht unter dem Motto "Rausch ohne Grenzen? Alkohol, Cannabis und Co. - wo der Spaß aufhört."

Wer freilich fragt, wo und wann die Gaudi ein Ende hat, muss sich auch damit beschäftigen, wo und wann sie anfängt. Und so vermeidet es die Frauen-Union, die Kriminalhauptkommissar Nicolo Witte als Experten geladen hat, all diese Fragen in der Terminankündigung gleich selbst zu beantworten. Schließlich lernt man schon in bayerischen Komödien wie Dampfnudelblues, dass Kiffen keine Generationsgrenzen kennt - und nie gekannt hat. Und so fällt es wirklich schwer, bei diesem Thema für alle Mitglieder der Frauen-Union die Hand ins Feuer zu legen.

Einen kleinen Seitenhieb kann sich die Ottobrunner Frauen-Union aber nicht verkneifen. "Saufen bis der Arzt kommt" und "Kiffen ist cool", schreibt die FU, seien die "üblichen Schlagwörter bei Jugendlichen". Und eine derart "lässige Sicht" alarmiere die Suchtmediziner. Das ist schon arg heimtückisch, den Hang zum Gras nur den Jüngeren in unserer Gesellschaft zuzuschieben. Aber vielleicht wollen die Frauen ja auch nur ablenken. Mitdiskutieren sollen in Ottobrunn schließlich alle: "Betroffene, Eltern, Großeltern . . ." Ja, wer hätte das gedacht?

© SZ vom 26.01.2016
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