Süddeutsche Zeitung

Mitten in Ottobrunn:Gleichstand in der Erbfolge

Florian Schardt hat auf seinem Weg zum Landkreisvater mit Christoph Göbel gleichgezogen: Wie der CSU-Landrat hat der SPD-Fraktionschef jetzt drei Kinder

Glosse von Stefan Galler

Es dürfte einiges los sein in diesen Tagen bei Florian Schardt in Ottobrunn. Nach zwei Buben haben der SPD-Kreisvorsitzende und seine Frau Ende letzter Woche ein Töchterchen bekommen. Eine Tatsache, die auch den CSU-Landrat in der Kreisausschusssitzung am Montag frohlocken ließ: "Zwei Jungs und dann ein Mädchen, das ist das Beste, was einem passieren kann", flötete Christoph Göbel in Richtung seines politischen Konkurrenten und übermittelte Glückwünsche. Der Chef des Landratsamtes weiß, wovon er spricht: Erst im Juli, auf den Tag genau sieben Monate vor den Schardts, hatten Göbel und seine Frau Ochmaa ihren jüngsten Familienzuwachs begrüßt: die kleine Victoria.

Nun könnte man auf die zugegeben krude Idee kommen, der Hoffnungsträger der SPD München-Land wolle die Rahmenbedingungen schaffen, um den Wettstreit mit dem Amtsinhaber demnächst auf Augenhöhe austragen zu können, zumindest was die Erbfolge angeht. Jetzt geht es also nur noch darum, das politische Profil weiter zu schärfen. Immerhin giert man bei den Sozialdemokraten danach, wieder mehr Einfluss auf die Kreispolitik zu bekommen, nachdem man bei den Kommunalwahlen 2020 sieben Kreistagssitze verloren hat. Und erst die sechs Jahre, in denen Johanna Rumschöttel als Landrätin die Strippen zog! Schöne rote Zeiten, jedoch derzeit so weit weg wie die Erde vom Mond. Und so sorgt der potenzielle Herausforderer Schardt mit seinen Genossen und vielen, vielen Anträgen in den Kreisgremien dafür, dass dem aktuellen Steuermann am Mariahilfplatz nicht die Arbeit ausgeht.

Ob gedeihliche Familienverhältnisse ausschlaggebend sind für politischen Erfolg, ist sowieso zu bezweifeln, das weiß man nirgends so gut wie in der deutschen Sozialdemokratie. Der bislang letzte deutsche SPD-Kanzler Gerhard Schröder bringt es bis dato auf fünf Ehen - leibliche Kinder Fehlanzeige. Genosse Willy Brandt war dreimal verheiratet und hatte vier Kinder - plus mutmaßlich ein paar außereheliche Aktivitäten. Und dann war da noch der ehemalige SPD-Chef Rudolf Scharping. Der planschte nach der Trennung von Frau und drei Töchtern mit neuer Lebensgefährtin öffentlichkeitswirksam im Pool auf Mallorca.

Tipp für alle aktuellen und potenziellen Landkreisväter: Den Stempel "Übereltern" gibt es manchmal schon für wenig Zählbares: Der erste Bundespräsident Heuss wurde "Papa" genannt, obwohl er gerade mal einen Sohn hatte. Und jene Frau, die seit über 15 Jahren im Kanzleramt sitzt und auf den Spitznamen "Mutti" hört, ist niemals Mama geworden.

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Quelle:
SZ vom 24.02.2021
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